"Tumorzellen brauchen Zucker zum Wachstum"
Prof. Ulrike Kämmerer empfiehlt Krebs-Patienten, 40 Gramm Kohlenhydrate am Tag zu essen. Omgea-3-Fettsäuren oder gestättigte Fette sollten im Mittelpunkt der Ernährung stehen.
Video starten (03:22 min)Viele Menschen mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung fragen sich: Was kann ich selber tun, um die Krankheit aufzuhalten und meine Gesundheit zu stärken? Das betrifft auch Krebs-Patienten, die oft massiv an Gewicht verlieren, zunehmend kraftloser werden und dem Tumor immer weniger entgegen zu setzen haben. Die Gründe für einen Gewichtsverlust sind vielfältig: Der Tumor beeinflusst den Stoffwechsel. Die Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie und Schmerzen sorgen für einen Appetitmangel und auch die seelische Belastung kann sich auf das Ernährungsverhalten auswirken.
Experten raten Krebs-Patienten zu einer Ernährung mit viel Eiweiß und besonders viel Fett. Dies stärkt den Körper und schwächt gleichzeitig den Tumor.
Eine gefährliche Abwärtsspirale, die unbedingt gestoppt werden muss. Einige Krebsspezialisten empfehlen ihren Patienten, ergänzend zu den anderen Krebstherapien wie zum Beispiel Chemotherapie, deshalb eine spezielle Ernährung - mit besonders viel Eiweiß, Fett und wenig Kohlehydraten. In einer Studie erforschen die Universitätskliniken Mannheim und Würzburg zurzeit den Einfluss dieser Ernährung auf das Tumorwachstum.
Bekannt ist, dass Krebszellen Glukose (Zucker) benutzen, um zu wachsen, sich zu teilen und um ihre Energieversorgung zu decken. Der Zucker aus den Kohlehydraten der Nahrung wirkt somit wie ein Brandbeschleuniger, der das Tumorwachstum unterstützt. Im Umkehrschluss weiß man aus Tierversuchen, dass zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren (wie in Fisch- oder Algenöl, Lein- oder Rapsöl), das Tumorwachstum eher hemmen. Sie wirken außerdem antientzündlich.
Die ketogene Ernährung ist kohlenhydratarm. Zur Deckung des Energiebedarfs wird dafür mehr Fett und zur Deckung des Proteinbedarfs mehr Eiweiß gegessen. Ketonkörper sind besondere Energielieferanten, die unser Körper bei Zuckermangel in der Leber aus bestimmten Fetten - wie zum Beispiel Omega 3 - in der Nahrung selbst herstellt. Diese Fettabbauprodukte können den Zellstoffwechsel direkt beeinflussen. So sollen sie etwa den Abbau von Eiweiß im Muskel und direkt in der Zelle die Zuckerverwertung blockieren können. Die Folge, so die Hoffung, das Tumorwachstum sowie der Verlust von Gewicht und Muskelmasse werden gestoppt.
Die Patienten müssen auf Brot, Nudeln, Kartoffeln und Süßigkeiten verzichten, dafür müssen sie viele gute Fette und Eiweiße essen. Günstige fetthaltige Lebensmittel sind zum Beispiel: rotes Fleisch, Kokosfett, Milchprodukte, Leinöl und fetter Seefisch. Viel Eiweiß enthalten Fleisch, Fisch, Eier, Käse und Nüsse. Wer tierische Lebensmittel als Eiweißlieferanten ablehnt, kann auf Eiweißkonzentrate aus der Apotheke zurückgreifen. Vor einer Ernährungsumstellung sollten Patienten auf jeden Fall den behandelnden Arzt um Rat fragen, denn bei Vorerkrankungen wie zum Beispiel einer Nierenschwäche dürfen keine großen Mengen Eiweiß verzehrt werden.
Wissenschaftlich nachgewiesen ist die Wirkung der ketogenen Ernährung auf das Tumorwachstum noch nicht. Noch in diesem Jahr werden weitere Studienergebnisse erwartet.
Dr. Frank Lange-Wühlisch
Internist
Klosterstraße 7
23858 Reinfeld
Tel. (04533) 16 19
Fax (04533) 79 12 16
Dr. Benjamin Tuschy
Assistenzarzt
Frauenklinik des Universitätsklinikums Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Tel. (0621) 383 22 88
Prof. Dr. rer. hum. biol. Ulrike Kämmerer
Humanbiologin
Universitäts-Frauenklinik Würzburg
Josef-Schneider-Straße 4
97080 Würzburg
Autorin des Fernsehbeitrags:
Kerstin Michaelis