Ist IORT schon Standard
Ist die individuelle Therapieplanung für Brustkrebs-Patientinnen schon Standard? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Prof. Tjoung-Won Park-Simon.
Video starten (05:53 min)In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 57.000 Frauen an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs hierzulande die häufigste Krebserkrankung der Frau. Jede neunte Frau muss damit rechnen, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Durch verbesserte diagnostische Verfahren und das flächendeckende Mammografiescreening werden Mammakarzinome zunehmend in frühen Stadien festgestellt. So können mittlerweile zwei von drei Frauen geheilt werden.
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Heute können aber bereits zwei von drei erkrankten Patientinnen geheilt werden - durch individuell geplante Therapien.
Verschiedene Behandlungsoptionen stehen heute zur Verfügung: Chemo- und Strahlentherapie, Operation und Antikörper. Vier Bausteine einer Brustkrebstherapie, die unterschiedlich kombiniert werden können. Die radikale Entfernung des Tumors gefolgt von einer mehrwöchigen (fünf bis sechs Wochen) Bestrahlung der gesamten Restbrust ist bisher die Therapie der Wahl. Dabei können heute 60 bis 90 Prozent aller Tumoren brusterhaltend entfernt werden. Die postoperative Ganzbrustbestrahlung senkt das Risiko für das Wiederauftreten des Krebses von etwa 30 auf fünf bis zehn Prozent. Etwa 90 Prozent der Tumore, die wieder auftreten (Rezidiv), entstehen in unmittelbarer Nähe zur ursprünglichen Tumorlokalisation auf.
Mit der sogenannten intraoperativen Radiotherapie (IORT) steht seit etwa zehn Jahren ein neues Therapiekonzept zur Verfügung. Dabei wird noch während der Operation unmittelbar nach der Entfernung des Tumors das sogenannte Tumorbett bestrahlt. Die Bestrahlung dauert etwa eine halbe Stunde. Dabei wird die Strahlendosis gezielt in das Operationsfeld abgegeben.
Die Vorteile dieser Methode liegen insbesondere in der frühen und zielgerichteten Bestrahlung des Restgewebes vor dem Wiedereinsetzen eines möglichen Tumorzellwachstums. Zu keinem anderen Zeitpunkt kann das Tumorbett besser identifiziert werden als während der Operation. Zudem kann der Strahlengang so genau gesteuert werden, dass umliegendes Gewebe und Organe, insbesondere die Haut, geschont werden können. Durch den Einsatz niederenergetischer Röntgenstrahlung kann außerdem die biologische Wirksamkeit erhöht werden.
Durch die gezielte Bestrahlung verkürzt sich die anschließende Strahlentherapie und die damit verbundenen belastenden Nebenwirkungen um etwa ein bis zwei Wochen. Allerdings ist die IORT nur für Tumoren bis zu einer Größe von maximal 3,5 Zentimetern geeignet. Dennoch sind die bisherigen Studienergebnisse vielversprechend. Die Kosten für die IORT werden von den Krankenkassen übernommen. Ob sich eine Patientin für den Einsatz der intraoperativen Bestrahlung eignet, ist abhängig vom Alter der Patientin sowie der Tumorgröße und -lokalisation.
Interviewpartner im Beitrag und Studio:
Prof. Dr. Tjoung-Won Park-Simon
Gynäkologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Carl-Neuberg-Str.1
30635 Hannover
Tel. (0511) 532 95 45
E-Mail: park-simon.tjoung-won(at)mh-hannover.de
Prof. Dr. Peter Hillemanns
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Carl-Neuberg-Straße 1
30635 Hannover
Tel. (0511) 532 61 44
E-Mail: frauenklinik(at)mh-hannover.de
Prof. Dr. Michael Bremer
Leitender Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie
Ambulanzzentrum der MHH GmbH, Fachbereich Strahlentherapie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße1
30635 Hannover
Tel. (0511) 532 25 75
Fax: (0511) 532 97 97
E-Mail: bremer.michael(at)mh-hannover.de
Autorin des Fernsehbeitrags:
Anna Schubert