Kommt das neue Verfahren für alle Patienten in Frage?
Kommt das neue Verfahren für alle Patienten in Frage? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Prof. Marcus Graefen.
Video starten (04:00 min)Muss aufgrund einer Krebserkrankung die Vorsteherdrüse (Prostata) entfernt werden, ist eine anschließende Inkontinenz eine gefürchtete Nebenwirkung dieser lebensrettenden Operation. Viele Patienten können nach der radikalen Prostataentfernung den Urin nicht mehr halten. Doch durch eine kleine Variation der Operationstechnik lässt sich die Blasenfunktion in mehr als 80 Prozent der Fälle so erhalten, dass die Männer sofort wieder kontinent sind.
Hamburger Mediziner haben ein neues Operationsverfahren entdeckt, bei dem es in der Regel gelingt, die Funktion der Blase zu erhalten.
Dies zeigen die Erfahrungen eines Hamburger Urologenteams. Die Experten erkannten bei der Auswertung ihrer Operationsergebnisse, dass bei einem aus ihrer Runde die Patienten direkt nach der OP häufiger gleich wieder den Harn halten konnten, als das nach den Oprationen der anderen der Fall war. Sie untersuchten darauf hin, was dieser Kollege anders machte. Dabei stellte sich heraus, dass er an der Stelle, an der die Harnröhre in die Prostata hineinragt, mehr vom Harnleiterschließmuskel stehen ließ als die anderen. Üblicherweise wird dieses Stück mitsamt der kranken Drüse entfernt - aus Angst, dass bösartiges Krebsgewebe zurückbleiben könnte.
Die neuen Daten ermutigten die Hamburger Forscher, den für die Kontinenz entscheidenden Schließmuskel zu erhalten und einen neuen Weg zu wagen. Um sicher zu sein, dass der Krebs auch tatsächlich entfernt ist, schicken sie nun noch während der Operation eine Gewebeprobe vom Schnittrand ins Labor und warten auf das Ergebnis. Sobald das Präparat in der Pathologie angekommen ist, wird es in einer sogenannten Schnellschnittdiagnostik unter dem Mikroskop untersucht - eine Methode, die zum Beispiel bei Brustkrebsoperationen schon seit langem etabliert ist.
Nur wenn auch im Schnittrand Krebszellen zu sehen sind, müssen die Operateure den Eingriff erweitern und das komplette Gewebe entfernen. Findet der Pathologe in der Gewebeprobe aber keine Krebszellen, wird das Gewebe erhalten und der Schließmuskel bleibt intakt. Die meisten Männer können dann ihre Blasenfunktion schon unmittelbar nach der Operation wieder kontrollieren.
Prof. Dr. Marcus Graefen
Urologe
Martini-Klinik am UKE GmbH
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 13 00
Fax (040) 741 05 13 23
PD Dr. Thorsten Schlomm
Urologe
Martini-Klinik am UKE GmbH
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 13 00
Fax (040) 741 05 13 23
Autorin des Fernsehbeitrags:
Annette Willenbücher