Was sind die häufigsten Gründe
Was sind die häufigsten Gründe für eine Erektionsstörung? Prof. Frank Sommer im Interview mit Moderatorin Vera Cordes
Video starten (05:26 min)Obwohl allein in Deutschland mehr als vier Millionen Männer an Erektionsstörungen leiden, ist dieses Problem noch immer ein Tabuthema. Die meisten Betroffenen verdrängen es lange in der Hoffnung, es werde sich von selbst wieder regeln.
Die wenigsten Männer müssen ihre Potenzprobleme hinnehmen. Zahlreiche Methoden und Medikamente können helfen. Was sind die häufigsten Gründe und was kann man dagegen tun?
In 80 bis 90 Prozent der Fällen sind Stress, Versagensängste oder Partnerschaftsprobleme mit verantwortlich für dieses Problem. Doch bei vielen Betroffenen finden sich auch organische Ursachen, und die können auch noch ganz andere Folgen haben - bis hin zu lebensbedrohenden Krankheiten. In vielen Fällen nehmen Erektionsstörungen allmählich zu, bis schließlich gar nichts mehr geht. Mediziner sprechen dann von einer erektilen Dysfunktion. Die häufigsten körperlichen Ursachen sind Durchblutungsstörungen durch Rauchen, die "Zuckerkrankheit" Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen.
Normalerweise gelangt nur eine geringe Menge Blut über die Arterien in den Penis. Vergrößern sich dessen Hohlräume (Schwellkörper) aber durch sexuelle Reize, fließt mehr Blut hinein und der Penis erigiert. Durchblutungsstörungen erschweren die Füllung der Schwellkörper und damit die Erektion. Da Durchblutungsstörungen nicht nur die Potenz gefährden, sondern auch Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen können, kann eine Erektionsstörung auch ein lebensrettendes Warnzeichen sein. Deshalb sollten Männer sie nicht ignorieren oder einfach hinnehmen, sondern ärztlichen Rat suchen.
Spezielle Gefäß-, Ultraschall- und Blutuntersuchungen sowie weitere Tests können Hinweise auf die Ursache geben. Nicht selten ist auch ein Medikament die Ursache für die ungewollte Lustlosigkeit. Vor allem Blutdrucksenker wie Betablocker und Kalziumantagonisten können das sexuelle Verlangen und die Potenz beeinträchtigen. Erfährt der Arzt von den Problemen, kann er auf Medikamente ohne diese Nebenwirkungen ausweichen. Niemals sollten Patienten aber aus Scham ihre Medikamente eigenmächtig reduzieren oder absetzen, denn dadurch kann der Blutdruck gefährlich entgleisen. Auch Arzneien gegen Rheuma, Allergien, Herzrhythmusstörungen oder Depressionen können die Potenz beeinträchtigen.
Doch es gibt auch Medikamente, die helfen, die Erektionsstörung zu beheben. Am bekanntesten sind die Phosphodiesterase(PDE)-Hemmer Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®). Sie verhelfen den meisten Betroffenen wieder zu einer befriedigenden Sexualität. Für Männer, die bestimmte Herzmedikamente einnehmen müssen, sind sie allerdings wegen gefährlicher Wechselwirkungen nicht geeignet. Andere medikamentöse Verfahren wie Apomorphin-Lutschtabletten, Yohimbin oder die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) spielen durch den Erfolg der PDE-Hemmer heute kaum noch eine Rolle, ebenso wie mechanische Hilfen (Penisring, Vakuumpumpe).
Auch ein gezieltes Muskeltraining kann die Manneskraft stärken, denn die Beckenbodenmuskulatur spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Erektion wie auch beim Samenerguss. Die Muskeln im Beckenboden helfen, den Blutabfluss aus den Schwellkörpern durch Abpressen der Venen zu verhindern und erhöhen gleichzeitig den Druck in den Schwellkörpern. Bei 40 bis 45 Prozent der Männer mit Erektionsstörungen sind sie geschwächt. Ein gezieltes Training unter physiotherapeutischer Anleitung macht diese Muskeln wieder fit für die Liebe.
Hat ein Mann über längere Zeit starken negativen Stress, kann das permanent erhöhte Stresshormon Kortisol zum Abbau der glatten Muskelzellen im Penis führen. Dieser Abbau ist teilweise reversibel, der Wiederaufbau der Muskelzellen lässt sich mit Hormonen und einem Schwellkörpertraining per Vakuumpumpe fördern. Helfen all diese Therapien nicht, zum Beispiel weil bei einer Prostataentfernung die für die Erektion verantwortlichen Nerven geschädigt wurden, bleibt als letzter Ausweg eine Prothese, ein hydraulisch betriebenes Schwellkörperimplantat.
Prof. Dr. Frank Sommer
Urologe, Univ. Prof. für Männergesundheit
Leiter Abteilung Männergesundheit
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 50 56
Fax (040) 741 05 47 34
Nilüfer Özkanli
Physiotherapie, Medizinische Trainingsstherapie
Im Zenith
Mittelweg 161
20148 Hamburg
Tel. (0163) 174 46 63
Autorin des Fernsehbeitrags:
Jutta Rosbach