Wie riskant ist der Eingriff?
Wie riskant ist der Eingriff? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Prof. Oliver Mann.
Video starten (03:39 min)Die Magenbypass-Operation wird bislang bei Menschen mit extremem Übergewicht eingesetzt, die es mit anderen Methoden nicht geschafft haben, ihr Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Der Eingriff wird minimal invasiv durchgeführt, also durch winzige Schnitte in der Bauchdecke – kann aber mehrere Stunden dauern.
Die Stilllegung eines großen Teils des Magens durch einen Magenbypass kann Altersdiabetes möglicherweise heilen. Mediziner machten diese Entdeckung zufällig.
Dabei verkleinern die Chirurgen den Magen auf etwa ein Fünftel seiner ursprünglichen Größe und verbinden ihn weiter unten mit dem Dünndarm, sodass der Magen und der Zwölffingerdarm überbrückt werden. Die Nahrung gelangt so schneller in den unteren Dünndarm.
Doch die Operation hilft nicht nur beim Abnehmen: Sie könnte die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2, auch als Altersdiabetes bezeichnet, revolutionieren. Bereits vor einiger Zeit bemerkten Mediziner zufällig, dass sich der Zuckerstoffwechsel stark übergewichtiger Diabetiker zum Teil innerhalb weniger Tage nach der Operation normalisierte – noch bevor der Gewichtsverlust einsetzte. Die Patienten mussten weniger Insulin spritzen, viele konnten schließlich sogar ganz darauf verzichten.
Wichtig ist ein streng strukturiertes Nachsorgeprogramm, lebenslang müssen die Patienten regelmäßig zur Kontrolle in die Klinik. Ein verändertes Geschmacksempfinden und weniger Hunger stellen sich nach der Operation ein. Außerdem müssen die Patienten stets langsam essen und gut kauen. Meist ist eine Zufuhr von Vitamin B12, Multivitaminen und Spurenelementen notwendig.
Warum die Operation in vielen Fällen auch den Diabetes verschwinden lässt, wissen die Forscher noch nicht sicher. Sie vermuten, dass das Hormon GLP-1 dabei eine Schlüsselrolle spielt. Es wird von speziellen Zellen im unteren Teil des Darms gebildet und bei Nahrungsaufnahme in den Blutkreislauf ausgeschüttet. Gelangt durch den Magenbypass die Nahrung schneller in diesen Bereich, wird mehr GLP-1 freigesetzt. Es wandert in die Bauchspeicheldrüse und lagert sich dort an die insulinproduzierenden Zellen an, die daraufhin mehr Insulin ausschütten - der Blutzucker sinkt.
Eine neue Studie aus Heidelberg zeigt nun, dass auch Patienten mit geringerem Übergewicht durch die Operation von ihrem Diabetes befreit werden können – eine Chance, Spätfolgen der Zuckerkrankheit zu vermeiden und die Sterblichkeit zu senken. Bei rund 70 Prozent der operierten Patienten verschwand der Diabetes zumindest vorübergehend, kann jedoch zurückkommen.
Zudem ist die große, komplizierte Operation nicht ungefährlich und kann sehr belastende Folgen wie Verdauungsprobleme oder schmerzhafte Verwachsungen im Bauchraum haben. Deshalb ist die Magenbypass-Operation für den Großteil der Diabetiker vorerst keine Alternative zu Medikamenten und sollte nur bei wirklich schweren Fällen zum Einsatz kommen.
Prof. Dr. Markus W. Büchler
Ärztlicher Direktor
PD Dr. med. Beat Müller
Leiter Sektion Minimal Invasive Chirurgie
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
PD Dr. Jens Aberle
Oberarzt Adipositas-Ambulanz
Sektion Endokrinologie und Diabetologie der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik
Universitäres Adipositaszentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Autorin des Fernsehbeitrags:
Annette Willenbücher