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Lebensgefahr durch Thrombose
Schweregefühl oder ein Ziehen im Unterschenkel - hinter diesen Beschwerden kann sich eine Thrombose verbergen. Wie wird diese diagnostiziert und behandelt?
Schweregefühl, Kribbeln, Ziehen im Unterschenkel, eine Schwellung am Bein oder Hitzegefühl: Was sich zunächst anfühlt wie ein harmloser Muskelkater, kann eine gefährliche Thrombose sein. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, drohen langwierige Probleme mit den Beinvenen (Postthrombotisches Syndrom) und es kann in seltenen Fällen sogar zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einer Lungenembolie kommen.
In unserem Körper sorgen viele biochemische Prozesse dafür, dass sich Blutgerinnung und das Fließen des Blutes in einem Gleichgewicht befinden. Doch manchmal stockt das Blut, wenn durch Bewegungsmangel, zum Beispiel durch langes Sitzen oder Liegen, die Zirkulation des Blutes behindert wird. Vor allem in den tiefen Beinvenen staut sich das Blut, Blutgerinnsel (Thromben) entstehen und können ein Gefäß verschließen.
Langes Sitzen im Auto oder Flugzeug ist nicht ungefährlich, denn es erhöht die Thrombosegefahr. Wenn diese nicht rechtzeitig erkannt wird, kann dies Lebensgefahr bedeuten. Wie bildet sich so ein Blutgerinnsel?
Stockt das Blut an einer Stelle, kann sich dort ein Blutpfropf (Thrombus) bilden, der die Blutversorgung an dieser Stelle behindert und im Extremfall das Gefäß völlig verschließt. Besonders gefährlich wird es, wenn sich ein solcher Thrombus oder auch nur ein Teil davon löst und vom Blutstrom mitgerissen wird. Wird er in die Lunge gespült und verstopft dort ein Gefäß, kommt es zur oft tödlichen Lungenembolie. In Ausnahmefällen kann der Thrombus durch ein angeborenes Loch im Herzen auch ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall verursachen.
Da die Symptome einer Thrombose nicht eindeutig sind, müssen zügig durchgeführte Untersuchungen Aufschluss geben, um Komplikationen zu vermeiden: Der sogenannte Wells-Test besteht aus einer gründlichen Befragung über mögliche Risikofaktoren sowie einer Untersuchung der Beine. Gibt es eine Differenz beim Umfang der Unterschenkel von mehr als drei Zentimetern? Lässt sich die Haut am betroffenen Bein eindrücken? Mit dem D-Dimere-Test werden bei Gerinnungsprozessen entstehende Abbauprodukte im Blut bestimmt. Eine Ultraschall-Untersuchung, die sogenannte Farbkodierte Duplexsonographie, kann Thromben schließlich genau lokalisieren. Heparinspritzen sorgen dafür, dass das Gerinnsel nicht größer wird und sich auflösen kann.
Wann ist die Thrombosegefahr erhöht?
Bei Schwangeren und Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, Tumorpatienten sowie bei Menschen mit einer Venenschwäche (zum Beispiel Krampfadern) und bei Rauchern ist die Thrombosegefahr erhöht. Eine erhöhte Gerinnungsneigung kann auch erblich bedingt sein. Da jede Verletzung die Blutgerinnung aktiviert, erhöhen auch Operationen das Thromboserisiko. Um es zu senken, verordnen Ärzte nach dem Eingriff Heparinspritzen.
Als Alternative sind seit Kurzem zwei neue Wirkstoffe auf dem Markt, die als Tablette eingenommen werden können: Dabigatran (Pradaxa ®) und Rivaroxaban (Xarelto ®). Beide sind bislang nur zur Thromboseprophylaxe nach Knie- oder Hüftgelenkersatz zugelassen. Derzeit wird aber geprüft, ob sie in Zukunft auch als Alternative zu Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar®) bei der längerfristigen Blutverdünnertherapie eingesetzt werden können. Eine weitere Methode, das Thromboserisiko bettlägeriger Patienten zu senken, ist die intermittierende pneumatische Kompression. Dabei bekommt der Patient eine luftgefüllte Manschette ums Bein gelegt, die sich wechselseitig mit Luft füllt und wieder entspannt. Für welche Patienten diese Technik in Frage kommt, wird derzeit in Studien untersucht.
Die Dauer der Thromboseprophylaxe richtet sich nach dem individuellen Risiko, in der Regel sollte sie für zwei bis vier Wochen durchgeführt werden. Bei einem stetig steigenden Anteil ambulant durchgeführter Operationen, steigt der Anteil an Patienten, die nur teilmobilisiert oder mit bestehenden Risikofaktoren für die Ausbildung einer Thrombose aus dem Krankenhaus entlassen werden. Daher muss insbesondere im ambulanten Bereich auf eine konsequente Thromboseprophylaxe geachtet werden.
Thrombosen vorbeugen
Patienten mit einer Störung der Blutgerinnung können sich in einer Gerinnungsambulanz regelmäßig untersuchen lassen. Mit einigen Vorbeugungsmaßnahmen lässt sich das Thromboserisiko senken: langes Sitzen und Stehen vermeiden, lieber viel laufen und liegen. Flugreisende sollten auf langen Strecken Kompressionsstrümpfe tragen und viel trinken, pro Flugstunde etwa 250 Milliliter alkoholfreie Getränke. Sie halten das Blut flüssig. Außerdem sollten sich Reisende so oft wie möglich bewegen und im Sitzen die Füße heben und senken. Damit wird die Muskelpumpe aktiviert und die Gefahr von Thrombosen verhindert.
Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Stavros Konstantinides Abteilung Kardiologie und Pneumologie Herzzentrum Göttingen Robert-Koch-Straße 40 37075 Göttingen
Interviewpartner im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Claudia Dellas Fachärztin für Innere Medizin Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen Abteilung für Kardiologie und Pneumologie Robert-Koch-Straße 40 37075 Göttingen E-Mail: dellas(at)med.uni-goettingen.de
Prof. Dr. Stephan M. Freys Chefarzt der Chirurgischen Klinik DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus gemeinnützige GmbH Gröpelinger Heerstraße 406-408 28239 Bremen E-Mail: chirurgie(at)diako-bremen.de
Alexander H. hat plötzlich Schwerzen im Bein. Nach einigen Tagen sucht er seinen Hausarzt auf. Bei einer Ultraschall-Untersuchung wird eine Thrombose am Bein festgestellt.
Menschen, die thrombosegefährdet sind, sollten vor eine langen Flugreise unbedingt einen Arzt aufsuchen. Welche Maßnahmen können getroffen werden? Visite informiert.
Wie zuverlässig sind Gentests und für wen kommen sie in Frage? Bei Thrombose zum Beispiel sind Gentests nur eingeschränkt sinnvoll. Visite erklärt warum.
Prof. Dr. Andreas Gal Direktor des Instituts für Humangenetik Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Martinistraße 52, 20246 Hamburg Tel. (040) 428 03 21 20, Fax (040) 428 03 51 38
Prof. Dr. Eike Sebastian Debus Direktor der Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Martinistraße 52 20246 Hamburg Tel. (040) 741 05 99 21
Dr. Josef Aumiller Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie/Allergologie Zentrum für Innere Medizin Katholisches Marienkrankenhaus gGmbH Alfredstraße 9 22087 Hamburg Tel. (040) 25 46 21 0 Fax (040) 25 46 21 10 E-Mail: aumiller.innere(at)marienkrankenhaus.org
Dr. Friedrich Altheide Hautarzt, Phlebologe Wandsbeker Marktstraße 48-50 22041 Hamburg Tel. (040) 652 35 51 Fax (040) 68 30 52