Was passiert bei einer Stammzell-Therapie?
Nach einem Infarkt sind die betroffenen Areale des Herzens zum Teil zerstört, doch im Umfeld überleben oft Herzmuskelzellen. Diese werden durch Stammzellen aktiviert.
Video starten (00:31 min)Vor zehn Jahren wurden Stammzellen aus dem Knochenmark erstmals eingesetzt, um das Herz nach einem Infarkt zu reparieren. Seitdem versuchen Forscher weltweit, mit Hilfe von Stammzellen das Herzmuskelgewebe nach erfolgreicher Wiederherstellung der Blutversorgung wiederzubeleben.
Nach einem Infarkt ist das Herzmuskelgewebe durch Sauerstoffmangel zum Teil zerstört. Doch im Umfeld können Zellen überleben und durch Stammzellen wieder aktiviert werden.
Nach einem Infarkt sind die betroffenen Areale des Herzens durch den Sauerstoffmangel zum Teil zerstört und vernarbt, doch im Umfeld des abgestorbenen Gewebes überleben oft Herzmuskelzellen den Infarkt, funktionieren aber nicht mehr richtig . Diese noch nicht abgestorbenen Zellen befinden sich im sogenannten Winterschlaf. Sie haben ihre Funktion auf das Wesentliche reduziert, lassen sich aber wiederbeleben.
Spritzen Ärzte körpereigene Stammzellen in diese Regionen, lassen sie neue kleine Blutgefäße wachsen und aktivieren die Winterschlafzellen, sodass sie wieder arbeiten und das Herz wieder besser schlagen und pumpen kann. Inzwischen können die Mediziner gut einschätzen, ob ein Patient von der Stammzelltherapie profitieren kann.
Im ersten Schritt entnehmen sie Knochenmark aus dem Beckenkamm des Patienten, das die wertvollen Stammzellen enthält. Derzeit bevorzugen die Ärzte für eine Therapie am Herzen patienteneigene Stammzellen aus Knochenmark und keine Spenderstammzellen. Mit Hilfe spezieller Verfahren werden die Stammzellen von den anderen Bestandteilen des Knochenmarks getrennt und aufbereitet. Dann spritzen die Ärzte die so präparierten Stammzellen gezielt in die Winterschlafregionen des Herzens, also in das wieder belebbare Herzgewebe. Hier regen sie, vermutlich über Botenstoffe, den Selbstheilungsprozess der Herzmuskelzellen und das Wachstum neuer Gefäße an, auch wenn die Stammzellen selbst schon nach kurzer Zeit nicht mehr im Gewebe nachweisbar sind.
Durchschnittlich zehn Prozent mehr Pumpleistung lassen sich nach den bisherigen Erkenntnissen durch die Stammzelltherapie erreichen. Das bedeutet etwa 30 Prozent mehr körperliche Leistungsfähigkeit, keine Atemnot mehr, eine höhere Lebensqualität und -erwartung für den Patienten.
Doch nicht für jeden Infarktpatienten kommt die Stammzellinjektion in Frage. Voraussetzung ist, dass der Infarkt mindestens zwei und maximal acht Wochen zurückliegt. Das Herz muss eine Pumpschwäche aufweisen sowie noch nicht ganz abgestorbene Winterschlafareale.
Sind diese Voraussetzungen gegeben, erfolgt die Stammzellinjektion meist kombiniert mit einer Bypass-Operation. Bestätigen sich die bisherigen Erfolge, erwarten die Forscher eine allgemeine Zulassung der Stammzelltherapie ab 2014. Bis dahin wird dieses Verfahren nur im Rahmen einer klinischen Studien getestet.
Prof. Dr. Gustav Steinhoff
Herzchirurg
Direktor Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie
Universitäres Herzzentrum Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. (0381) 494 61 01
Fax (0381) 494 61 02
Dr. Alexander Kaminski
Herzchirurg
Universitäres Herzzentrum Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock
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Fax (0381) 494 61 02
Autorin des Fernsehbeitrags:
Susanne Kluge-Paustian