Vorsicht vor Blitzeis auf den Straßen!
Autofahrer aufgepasst: In Teilen Norddeutschlands kann es auf den Straßen und Fußwegen immer noch glatt sein. Für den Harz wird zudem vor Schneeverwehungen gewarnt. mehr
Temperaturen weit unter Null, verschneite Landschaften - der Winter hat den Norden fest im Griff. Doch die Idylle ist trügerisch und gefährlich: Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle treten jetzt 20 bis 50 Mal häufiger auf als in der warmen Jahreszeit. Wer aus der warmen Wohnung hinaus in die extreme Kälte geht und sich dort zum Beispiel beim Schneeschippen überanstrengt, kann damit sein Herz gefährden - eine sogenannte Winterangina droht.
Der Winter hat den Norden fest im Griff. Doch unser Organismus ist nicht an dieses sibirische Wetter gewöhnt.
Viele Patienten, bei denen das Herz bereits vorgeschädigt ist, merken erst etwas von ihren Herzproblemen, wenn es extrem kalt ist: Das Blut liefert plötzlich nicht mehr so viel Sauerstoff, wie der Körper braucht, weil sich die Arterien wegen der Kälte noch zusätzlich verengen und der Blutdruck ansteigt. Eine bereits verengte Arterie wird verschlossen - die Folge ist ein Herzinfarkt. Wer beim Hinausgehen in die Kälte Schmerzen, Druck oder Brennen im Brustkorb verspürt, sollte die Beschwerden umgehend bei einem Arzt abklären lassen.
Der Kältestress wirkt sich nicht nur auf das Herz aus, sondern auch auf andere Gefäße. So können Thrombosen, zum Beispiel im Bein, bei Kälte besonders gefährlich werden. Nicht selten führen Thrombosen bei niedrigen Temperaturen zu einem schnellen Tod, denn in der Kälte verändert sich die Zusammensetzung des Blutes: Die Zahl der roten Blutkörperchen steigt, das Plasmacholesterin und das Plasma-Fibrinogen nehmen zu - alles Faktoren, die dafür bekannt sind, dass sie das Thromboserisiko erhöhen. Auch die Lunge leidet unter Anstrengungen in der Kälte: Atemwegerkrankungen, Auskühlungen und Asthma können die Folgen sein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen.
Wer bei Kälte durch den Mund atmet, läuft Gefahr, seine Bronchien auszukühlen.
Aber auch wer fit und gesund erscheint, kann schnell chronisch krank werden, denn Sport bei arktischen Temperaturen hat seine Tücken. Die zu hohe Belastung bei Kälte überfordert die Abwehrkräfte. Schuld ist der sogenannte Open-Window-Effekt: Je intensiver das Training ist, desto mehr Stresshormone werden produziert. Sie steigern die Leistung, senken aber die Zahl der Antikörper im Blut. Deshalb ist der Körper nach dem Training besonders anfällig für Infekte.
Zudem ist die kalte, trockene Atemluft Gift für das Bronchialsystem, warnen Experten: Je höher das Tempo, desto größer ist die Luftmenge, die eingeatmet wird. Wer durch den Mund atmet, läuft Gefahr, seine Bronchien auszukühlen oder sie chronisch zu entzünden und ein Belastungsasthma zu entwickeln. Das trifft nicht nur Freizeitsportler: In einer Studie wurden die schwedischen und norwegischen Ski-Nationalmannschaften untersucht - alle Sportler hatten ein Belastungsasthma entwickelt.
Zwar sollte niemand im Winter grundsätzlich auf sportliche Aktivitäten verzichten, dennoch gilt es insbesondere bei Kälte nicht zu übertreiben. Wichtig ist auch die richtige Kleidung: Wer zu sehr friert, riskiert eine Erkältung, und wer zu sehr schwitzt, belastet den Organismus und bekommt durch den Wärmeverlust auch eine Erkältung. Hinzu kommt, dass sich Viren im Winter besonders schnell von Mensch zu Mensch verbreiten.
Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Britta Goldmann
Internistin, Kardiologin
Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Dr. Frank Sonntag
Internist, Kardiologe
24558 Henstedt-Ulzburg
Autorin des Fernsehbeitrags:
Brid Rösner