Anspruch auf Hörgeräteversorgung
Urteil des Bundessozialgerichts vom 17. Dezember 2009.
Link in neuem Fenster öffnenWenn der Fernseher immer lauter gestellt werden muss, wenn man die Vögel nicht mehr so laut zwitschern hört oder man meint, dass die anderen immer nuscheln, dann sind das die typischen Anzeichen für einen altersbedingten Hörverlust. Zum Glück gibt es heute eine große Auswahl an Hörgeräten, die diesen Verlust zumindest teilweise ausgleichen können. Sie werden immer kleiner und lassen sich ganz unauffällig im oder hinter dem Ohr verstecken.
Die neueste Generation von Hörgeräten verspricht fast unsichtbares Tragen bei verbesserter Technik. Welche Hörgerät-Varianten gibt es und was kosten diese?
Digitale Hörgeräte gibt es als sogenannte Im-Ohr-Hörgeräte - dabei ist der Gehörgang komplett verschlossen. Sie kommen vor allem bei einem ausgeprägten Hörverlust zum Einsatz. Die gesamte Technik ist dabei relativ unauffällig im Gehörgang untergebracht. Das hat auch Nachteile, denn durch den kompletten Verschluss des Gehörgangs wird dort das Mikroklima beeinträchtigt - das Ohr wird nicht so gut belüftet. Zudem kann die eigene Stimme anfangs fremd klingen und auch die Kaugeräusche können störend sein.
Anders ist es bei einem Hinter-dem-Ohr-Gerät, das in zwei Varianten angeboten wird. Bei der einen verschließt eine sogenannte Otoplastik den Gehörgang, das eigentliche Hörgerät wird hinter dem Ohr getragen. Am häufigsten kommen inzwischen Hinter-dem-Ohr Hörgeräte zum Einsatz, bei denen der verstärkte Schall über einen winzigen Hörschlauch in den Gehörgang geleitet wird.Der große Vorteil digitaler Hörgeräte besteht darin, dass sie am Computer auf die individuellen Hörbedürfnisse des Patienten eingestellt werden können. Doch die Technik hat ihren Preis: Je kleiner die Geräte, umso aufwendiger ist das technische Innenleben zur Steuerung des winzigen Sprachprozessors, der Mikrofone und Lautsprecher.
Digitale Hörgeräte gehören zur Grundversorgung. Die Anschaffungskosten für einfache Modelle werden von den Krankenkassen übernommen. Komfort-Modelle kosten zwischen 800 und 3.000 Euro pro Gerät. Die Krankenkassen erstatten allerdings nur die Pauschale von 400 Euro. Nur schwersthörige Patienten haben nach einem Urteil des Bundessozialgerichts Anspruch auf vollständige Kostenerstattung auch bei hochwertigen Geräten.
Einfache Hörgeräte sind nur mit simplen Sprachprozessoren ausgestattet und verfügen auch in der Regel nicht immer über zwei Mikrofone zur Schallaufnahme. Höherwertige Geräte besitzen hingegen generell zwei Mikrofone sowie leistungsstärkere Prozessoren. Die hochpreisigen Geräte sind zudem noch deutlich leistungsfähiger bei der Störschallunterdrückung. Sie sind kleiner und verfügen zum Beispiel über eine Bluetooth-Anbindung, mit der man auch über das Hörgerät telefonieren kann. Wichtig ist, dass der Patient mindestens drei verschiedene Hörgeräte jeweils mehrere Tage testet. Nur so lässt sich das geeignete Gerät finden. Anfangs kann das Knistern der Zeitung oder das Rauschen des Wassers fremd klingen. Daran muss sich das Gehör erst wieder gewöhnen.
Digitale Zusatzteile erhöhen Komfort
Die winzigen digitalen Bauteile ermöglichen den Einbau von zwei unterschiedlichen Mikrofonen: Das nach vorne gerichtete Richtmikrofon nimmt die Sprache des Gegenübers auf und leitet sie an den Verstärker weiter. Das nach hinten ausgerichtete Rundum-Mikrofon nimmt die Hintergrundgeräusche auf. So lassen sich die Mikrofone hochwertiger Hörgeräte entsprechend der Situation automatisch miteinander verschalten. Damit ist es möglich, zum Beispiel in einem Restaurant die Hintergrundgeräusche zu reduzieren und die Sprache des Gegenübers anzuheben. Im Konzertsaal hingegen wird der Raumklang automatisch verstärkt und der häufig auftretende Hall unterdrückt.
Schwierig - besonders für ältere Menschen - ist der Wechsel der winzig kleinen Batterien. Hier sind Hörgeräte mit wiederaufladbaren Akkus zu empfehlen. Manche Hörgeräte verfügen über eine sogenannte T-Spule: Damit lässt sich über einen Sender am Fernsehgerät der Ton direkt in das Hörgerät übertragen. Mit einer solchen Hörhilfe lässt sich auch die Musik aus der Hifi-Anlage übertragen. Geschieht das per Funk und nicht per Infrarot, hat man im ganzen Haus Empfang.
Birgit Hahm
Hörgeräteakustikermeisterin
Hauptstraße 42
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Fax (0441) 50 20 56
Dr. Michael Schulte
Audiologe
Hörzentrum Oldenburg GmbH
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26129 Oldenburg
E-Mail: info(at)Hoerzentrum-Oldenburg.de
Autor des Fernsehbeitrags:
Ulrich Neumann