Gefährlicher Medikamentenmix
Krank durch Arzneimittel? Experten glauben, dass rund zehn Prozent der Krankenhauseinweisungen bei Menschen über 65 aufgrund falscher oder zu hoch dosierter Medikamenten erfolgt. mehr
Auch frei verkäufliche Arzneimittel haben häufig Nebenwirkungen.
Kaum jemand kontrolliert den Inhalt seines Arzneischranks regelmäßig. Über die Jahre sammeln sich so jede Menge Tropfen und Pillen an. "Viele Menschen kaufen zu viele Medikamente auf Vorrat", sagt Anette Kullik, Apothekerin in Hamburg. Besser sei es, genau zu überlegen, was man wirklich braucht: "Eine Hausapotheke ist eine Zusammenstellung für den Notfall, hauptsächlich für kleine Unfälle oder kleine Verletzungen, die im Haushalt passieren."
Grundsätzlich gilt: Wer krank ist, sollte sich nicht zu lange selbst behandeln, sonst drohen womöglich Folgeschäden, warnt der Hamburger Allgemeinmediziner Kai-Uwe Helmers. Denn auch frei verkäufliche Arzneimittel haben häufig Nebenwirkungen. Helmers rät, gegen Schmerzen Paracetamol in die Hausapotheke zu legen. Frauen, die unter Regelschmerzen leiden, sollten ein Medikament mit dem Wirkstoff Ibuprofen im Haus haben.
Antibiotika sollten dagegen, wie alle verschreibungspflichtigen Medikamente, in jedem Krankheitsfall vom Arzt verordnet werden. Für alle Arzneien gilt: Sie sollten kindersicher an einem trockenen, dunklen und kühlen Ort aufbewahrt werden. Apothekerin Kullik rät außerdem, die Präparate in der Originalverpackung zu belassen: "Ich schlage zudem vor, auf jedes angebrochene Arzneimittel ein Anbruchdatum zu schreiben. Zudem ist es sinnvoll, in die Hausapotheke ein Zettelchen mit der Telefonnummer der Giftzentrale oder dem Notruf zu legen. So hat man sie im Notfall schnell griffbereit."
Den Inhalt ihres Arzneischrankes sollte man mindestens einmal im Jahr kontrollieren und angebrochene oder abgelaufene Medikamente wegwerfen. Die meisten Arzneien dürfen mit dem Hausmüll entsorgt werden. In den Abfluss oder die Toilette gehören sie nicht, denn das belastet das Grundwasser. Auch Ärzte und Apotheker nehmen Medikamente meist zurück - auch wenn sie nicht dazu verpflichtet sind.