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Wie gesund ist Rohkost wirklich?

von Alexander Steininger

Grafik: Fisch und Fleisch mit bunten Bakterien in einer Pfanne. © NDR Detailansicht des Bildes Viele Nährstoffe werden beim Kochen zerstört. Deshalb schwören gesundheitsbewusste Menschen auf Rohkost. Denn in ihr stecken wichtige Vitamine und Spurenelemente. Außerdem enthält sie Mineral- und Ballaststoffe sowie sogenannte Flavonoide, die die menschlichen Zellen vor den berüchtigten freien Radikalen schützen. Diese stehen im Verdacht, Krebs auszulösen. Viele dieser wertvollen Stoffe würden beim Braten oder Grillen verloren gehen, denn sie sind nicht hitzeresistent. Zudem sind viele Vitamine wasserlöslich, etwa Folsäure, Vitamin B oder C.  Sie gehen also ins Wasser über, wenn man Pflanzen, die diese Stoffe enthalten, darin kocht.

Manche Menschen schwören deshalb auf eine strenge Rohkost-Ernährung. Es gibt sogar sogenannte Urköstler, die sich nur von rohem Obst und Gemüse ernähren. Aber: Ist es eigentlich wirklich gesünder, so viel Ungekochtes zu essen?

Kochen half zu überleben

Zumindest wäre das Überleben unserer Vorfahren in der Steinzeit fraglich gewesen, wenn sie nur Rohkost geknabbert hätten. Das haben Wissenschaftler der Harvard Universität herausgefunden. Denn die Erfindung des Kochens vor knapp zwei Millionen Jahren markierte einen wichtigen Entwicklungsschritt in der Menschheitsgeschichte. Und das direkt aus mehreren Gründen: Zum einen brachte es dem Homo Sapiens größere Überlebenschancen. Denn die Nahrung wurde kalorisch hochwertiger und nahrhafter. Das führte zu besserem körperlichem Wachstum. Vor allem das Gehirn wurde größer und entwickelte sich durch die reichere Nahrung. Diese ermöglichte es unseren Vorfahren auch, mehr Menschen zu versorgen - die Zahl der Nachkommen stieg.

Nahrung vielfältiger und nahrhafter

Reife Holunderbeeren an einem Strauch © picture-alliance / OKAPIA KG, Germany Detailansicht des Bildes Holunderbeeren sind roh für uns nicht genießbar. Auch die Ernährung wurde vielfältiger. Denn manche Lebensmittel werden durch Erhitzen überhaupt erst genießbar: Holunderbeeren etwa. Und Bohnen können ungekocht sogar giftig sein. Andere Lebensmittel wie etwa Fleisch oder Fisch sind besser verdaulich, wenn sie gekocht, gegrillt oder gebraten werden. Denn durch die Hitze verändern die Eiweiße ihre Struktur und können so vom Körper besser verwertet werden.

Besserer Krankheitsschutz und intensiveres Aroma

Grillen und Kochen hat aber auch hygienische Vorteile: Beim Erhitzen werden viele Krankheitserreger abgetötet, zum Beispiel gefährliche E.Coli-Bakterien oder Salmonellen. Ohne entsprechende ärztliche Behandlung führten solche Infektionen früher häufig zum Tod. Kochen schützte also letztlich auch die Gesundheit der Urmenschen.

Ein anderer Aspekt ist die Vorratshaltung: Geräuchertes Fleisch etwa lässt sich deutlich länger aufbewahren als rohes. Das half unseren Vorfahren, die kargen Steinzeit-Winter zu überleben. Und zu guter Letzt schmecken gebratene oder gekochte Speisen einfach intensiver. Originäre Geschmacksqualitäten treten deutlicher hervor, und es entstehen sogar neue Aromen. Beim Erhitzen werden die Zellstrukturen zerstört und Kohlenhydrate verwandeln sich zu Glukose, oder umgangssprachlich Zucker. Deshalb schmecken beispielsweise Zwiebeln süßlich, wenn man sie anbrät.

Experten raten zu ausgewogener Ernährung

Der Mensch ist übrigens das einzige Lebewesen, das seine Nahrung brät, grillt oder anderweitig aufbereitet. Die Forscher aus Harvard sagen deshalb: Erst das Kochen hat uns zum Menschen gemacht.

Buchtipps

Die 101 wichtigsten Fragen: Gesunde Ernährung
Von Claus Leitzmann
154 Seiten
Verlag: C.H.Beck (2010)
Preis: 9,95 Euro

Rohköstliche Gourmet-Rezepte - für Genießer
Von Teresa-Maria Sura
256 Seiten
Verlag: Schirner (2011)
Preis: 19,95 Euro

Das heißt aber natürlich noch lange nicht, dass wir jetzt nur noch Gekochtes essen und auf Rohkost ganz verzichten sollten. Denn anders als unsere Ahnen kämpfen wir auch nicht mehr ums tägliche Überleben. Seit wir aufgehört haben, unserer Nahrung hinterherzujagen, brauchen wir die vielen Kalorien gar nicht. Im Gegenteil: Heute essen wir eher zu viel, zu fett und zu süß. Übergewicht macht einem zunehmenden Teil der Bevölkerung zu schaffen. Und seit der Erfindung des Kühlschranks müssen wir uns um die Haltbarkeit der Nahrung auch keine Sorgen mehr machen.

Andererseits ist es auch nicht ratsam, sich nur von Rohkost zu ernähren. Denn dann kann es zu Problemen wie Untergewicht, Blut- oder Eisenmangel kommen. Eine gute Ernährung, so raten die Experten, ist ausgewogen: Neben gekochten Speisen hat darin auch Rohkost ihren festen Platz. Knackig und frisch - und voller wichtiger Vitamine.

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