Man sieht es nicht und man schmeckt es nicht: Bisphenol A (BPA) ist eine Umweltchemikalie, die zum Beispiel in Thermopapier (zum Beispiel Kassenbelege) steckt, in Bodenbelägen - und in Konservendosen. Für eine Studie ließen US-amerikanische Forscher Studenten eine Woche lang Dosensuppen essen. Daraufhin stieg der BPA-Wert in deren Urin Tag für Tag deutlich an, am Ende bis auf das Tausendfache.
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Bisphenol A - Gift aus Dose
Bisphenol A ist eine Umweltchemikalie, die in Kassenbons oder Konservendosen steckt. Visite hat acht Lebensmittel in Dosen getestet - und wurde fündig.
Bisphenol A steht im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit und die geistige Entwicklung zu beeinflussen. In sehr niedriger Dosis wirkt es als Hormon und kann langfristig Brust- und andere Genitalkrebsformen fördern. Gelangt BPA in Gewässer mit Kaulquappen, entwickeln sich mehr weibliche Frösche. Experten warnen, diese eindeutige Wirkung bei Tieren lasse auch für den Menschen Folgen erwarten. Toxikologen der Berliner Charité fanden die Umweltchemikalie sogar bei ungeborenen Kindern.
Acht Lebensmittel in Dosen im Test
Als Hauptverursacher der Bisphenol-A-Belastung gelten Konservendosen. Visite ließ acht Lebensmittel in Dosen testen: Sauerkraut, Ravioli, Tomaten mit Basilikum, Birnen, Corned Beef, Tomatensuppe, Gemüsemais und Tunfisch in Öl. Das Ergebnis: Alle Lebensmittel waren mit BPA belastet, am stärksten der Dosenmais mit 0,045 Milligramm pro Kilo, gefolgt vom Tunfisch in Öl mit 0,038 Milligramm. Die übrigen Lebensmittel wiesen geringere BPA-Spuren auf.
Auch wenn alle gemessenen Werte deutlich unter dem geltenden EU-Grenzwert liegen, halten Experten diese Ergebnisse für beunruhigend. Da immer mehr Studien gesundheitliche Effekte schon bei geringsten Konzentrationen vermuten lassen, wird bereits seit Jahren diskutiert, ob dieser Grenzwert nicht deutlich herabgesetzt werden muss.
Störung der Sexualentwicklung
Eine mögliche Folge der BPA-Belastung sind Störungen der Sexualentwicklung. In einer großen Studie mit mehr als 1.000 Teilnehmern rangierte die Spermienqualität deutscher Männer auf dem zweitschlechtesten Platz in Europa. Bei einem beträchtlichen Teil der Probanden war die Zeugungsfähigkeit um die Hälfte verringert. Bei gut einem Drittel der Männer war die Spermienqualität so eingeschränkt, dass es bei Kinderwunsch erheblich länger dauert, bis die Paare schwanger werden können. Unfruchtbarkeit, schlechte Spermienqualität und Libidoverlust wurden auch bei chinesischen Arbeitern gefunden, die Bisphenol A kontinuierlich in hoher Dosierung aufnahmen.
Manfred Krautter ist Experte für Lebensmittelsicherheit. Er kann nicht verstehen, dass die EU keine niedrigeren Grenzwerte für Bisphenol A vorgibt. Denn es soll auch Auswirkungen auf den Menschen haben.
Dass wegen solcher Effekte Babynahrung seit 2008 nur noch in Gläschen verkauft werden darf und BPA in Babyflaschen verboten wurde, könne nur ein erster Schritt sein, so Experten. Dass es auch ganz ohne Bisphenol A in Lebensmitteln geht, zeigen Verbote in Frankreich und Belgien.
Jurek Vengels arbeitet für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er rät Verbrauchern lieber auf Dosen zu verzichten, auch auf Getränke-Dosen.
Dr. Andreas Gies Abteilungsleiter Umwelthygiene Umweltbundesamt
Manfred Krautter Experte für Lebensmittelsicherheit Parkstraße 25 65189 Wiesbaden
Prof. Dr. Werner Kloas Zoologe, Endokrinologe Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Müggelseedamm 310 12587 Berlin
Prof. Dr. Gilbert Schönfelder Toxikologe Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie Charité Universitätsmedizin Berlin - Campus Mitte Charitéplatz 1 10117 Berlin
Prof. Dr. Uwe Paasch Androloge Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Universitätsklinikum Leipzig Philipp-Rosenthal-Straße 23 04103 Leipzig
Jurek Vengels Wissenschaftlicher Mitarbeiter Chemikalienpolitik und Nanotechnologie Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) Am Köllnischen Park 1 10179 Berlin
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