Chat-Protokoll: Leistenbruch

Interview mit Prof. Marco Sailer.  Detailansicht des Bildes Professor Marco Sailer hat Fragen im Experten-Chat beantwortet. In Deutschland erleiden jährlich etwa 250.000 Menschen einen Leistenbruch. Viele von ihnen werden operiert, doch damit sind die Schmerzen in der Leiste oft noch nicht beseitigt. Denn innere OP-Narben oder auch durch die Operation geschädigte Nerven können noch lange Zeit später weh tun. Was für Alternativen gibt es? Wann muss man einen Leistenbruch überhaupt operieren?

Professor Marco Sailer, Leitender Arzt für Chirurgie im Bethesda Krankenhaus Hamburg-Bergedorf, hat Ihre Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Gast3: Nach einer minimal-invasiven Leistenbruch-OP (TEP-Methode) habe ich auch vier Wochen nach dem Eingriff noch Schmerzen im linken Hodenbereich - mit leichter Schwellung!

Prof. Sailer: Es könnte ein Bluterguss oder ein sogenanntes Serom (Ansammlung von Wundsekret) dahinter stecken. Ein Ultraschall kann Aufschluss geben.

 

Toni: Nach vielen Jahren habe ich wieder in der linken Seite einen kleinen "Beutel", den man mit der Hand wieder vorsichtig eindrücken kann.

Prof. Sailer: Das klingt nach einem Hernien-Rückfall. Auch hier wäre eine Vorstellung beim Arzt sinnvoll, gegebenenfalls eine Ultraschall-Untersuchung.

 

Guest11615: Ich hatte einen angeborenen Leistenbruch, der mit acht Jahren operiert wurde. Die Narbe ist groß. Heute bin ich 60 Jahre alt. Der Bruch ist wieder vorhanden. Urologe und Hausarzt halten eine OP (noch) nicht für notwendig. Was raten Sie?

Prof. Sailer: Ich rate in jedem Fall zu einer OP, um die Komplikation einer Darmeinklemmung zu vermeiden.

 

Antjes: Vor eineinhalb Jahren wurde ich an zwei Leistenbrüchen operiert (Sieben-Zentimeter-Schnitte). Seit einiger Zeit habe ich Verdauungsprobleme: Massive Blähungen und öfter kleine runde Kotkugeln. Kann da etwas nicht stimmen? Ich esse viel Obst und Gemüse, kaum noch Schokolade.

Prof. Sailer: Ich vermute zunächst einmal keinen Zusammenhang. Je nach Ihrem Alter empfehle ich vor allem eine Abklärung Ihres Dickdarms (Koloskopie).

 

Gonzo: Ich habe seit circa zwei Jahren einen Leistenbruch, aber keine Schmerzen. Ich möchte den Bruch jetzt operieren lassen. Stellt der bereits seit zwei Jahre dauernde Bruch ein Problem dar?

Prof. Sailer: Nein, aber die Entscheidung zur OP ist richtig, da es - wie gesagt - jeder Zeit zu einer Einklemmung des Darms kommen könnte.

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