Sportclub Story - Der Blues des Boxers

Staatssicherheit im Sport

Sonntag, 22. Oktober 2017, 23:45 bis 00:15 Uhr

Dirk Schäfer © NDR Fotograf: NDR

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Dirk Schäfer zählte zu den größten Box-Talenten der DDR. Bis die Staatssicherheit seine Karriere zerstörte. Jetzt ist er Straßenmusiker. Rock, Blues, er spielt 50 Dylan-Songs. In Schwerin kennt ihn jeder. Dass er mal DDR-Meister im Boxen war, daran erinnern sich nur die wenigsten. Dass die Staatssicherheit seine Karriere zerstörte, wusste niemand. Bis heute.

Schäfer boxte Anfang der 1980er-Jahre bei Traktor Schwerin. Er war auf bestem Wege, sich für die Weltmeisterschaft 1982 in München zu qualifizieren. Die Stasi stellte das vor ein Problem. Sollte man tatsächlich jemanden mitnehmen, der sagte: "In der DDR kann auch nicht jeder werden, was er gerne möchte"? Von dem man nicht wusste, ob er nicht im Westen bleiben würde?

"In Unehren" ausdelegiert

Schäfer wurde systematisch überwacht. Mindestens fünf inoffizielle Mitarbeiter und drei weitere Spitzel der Staatssicherheit waren auf ihn angesetzt. Darunter Richard Nowakowski, der Vize-Olympiasieger von Montreal. Und IMS "Frank". Unter diesem Decknamen war Fritz Sdunek, der spätere Weltmeister-Trainer, erfasst. Die IMs sollten ermitteln, mit wem sich Schäfer traf. Wohin er ging. Worüber er sprach. Seine Pakete wurden von der Stasi geöffnet, seine Briefe gelesen. Ergebnis: Schäfer sei mit den falschen Leuten unterwegs und hätte vor allem an "Jazzkonzerten und Gesprächsrunden in kirchlichen Einrichtungen" teilgenommen. Der junge Boxer wurde noch 1982 aus seinem Club verbannt und "in Unehren" ausdelegiert.

Dem Sportclub liegen die Stasi-Unterlagen zu diesem Fall vor. Der Film zeigt, wie die DDR mit Dirk Schäfer eines seiner größten Talente fallen ließ. Weil er nicht ins System passte.

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Staatssicherheit im Sport: Der Blues des Boxers

Dirk Schäfer war einer der talentiertesten Boxer der DDR. Der Schweriner stand vor einer großen Karriere, doch mit seiner Unangepasstheit eckte er an. Heute singt er auf der Straße Bob-Dylan-Songs. mehr

Autor/in
Benjamin Unger
Matthias Hufmann
Redaktion
André Keil
Peter Carstens