Sendedatum: 17.09.2017 19:30 Uhr

Zeitreise: Grundsteinlegung des Nord-Ostsee-Kanals

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Uwe Steinhoff beschäftigt sich mit der Kanal-Geschichte und hält regelmäßig Vorträge.

Uwe Steinhoff ist Kapitänleutnant außer Dienst. Er ist fasziniert von der Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals. Steinhoff blickt auf ein Bild von der Grundsteinlegung des Nord-Ostsee-Kanals, daneben eine Aufnahme vom Bau des meist befahrenen Seekanals der Welt. "Kaum vorstellbar, mit welchem körperlichen Einsatz bei der damaligen Technik ein solches Bauvorhaben vollzogen wurde", sagt Steinhoff. Die Ingenieure und Techniker hätten Hochachtung verdient.

Ein ein Foto in Schwarz-Weiß vom Nord-Ostsee-Kanal.

Zeitreise: Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals

Schleswig-Holstein Magazin -

Er teilt Schleswig-Holstein in zwei Hälften und erspart Schiffen einen Umweg von 450 Kilometern: der Nord-Ostsee-Kanal. Den Grundstein legte Kaiser Wilhelm vor 130 Jahren.

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Der Kanal ist Sache des Kaisers

130 Jahre ist es nun her, dass Kaiser Wilhelm I. persönlich das Startsignal gab. Am 3. Juni 1887 legte er den Grundstein für den Nord-Ostsee-Kanal im damaligen Dorf Holtenau, das nun zu Kiel gehört. Den Anstoß dafür hatte Reichskanzler Otto von Bismarck gegeben. Er wollte die deutsche Flotte auf Nord- und Ostsee gleichermaßen einsetzen können. Seine Gegner, allen voran Generalfeldmarschall von Moltke, hätten lieber in eine zweite Seeflotte investiert, aber Bismarck setzte sich durch.

Frühe Pläne der Wikinger

"Er war nicht der erste, der einen Kanal durch Schleswig-Holstein wollte", sagt Rüdiger Bock vom Verein Maritimes Viertel. "Schon die Wikinger schmiedeten im siebten Jahrhundert die ersten Pläne." Eine Karte in der Nord-Ostsee-Kanal-Ausstellung zeigt die vielen Ideen, die es für eine Kanaldurchquerung gab. Von der damals blühenden Handelsstadt Haithabu an der Schlei waren zwischen der Ostsee und der Nordsee nur 16 Kilometer Landweg zu überbrücken. Aber die Pläne wurden nicht umgesetzt.

Tausende Arbeiter für ein Millionen-Projekt

Der direkte Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals war der Eiderkanal, den der dänische König Christian VII. von 1777 bis 1784 bauen ließ. Er begann in Kiel und mündete bei Rendsburg in die Eider, die bei Tönning die Nordsee erreicht. Jedoch dauerte eine Fahrt durch Kanal und Eider noch drei bis vier Tage. Für die Überfahrt von Flotten musste der Nord-Ostsee-Kanal her. So schufteten bald bis zu 9.000 Arbeiter gleichzeitig. Fast 99 Kilometer sollte der Kanal lang werden und 156 Millionen Reichsmark kosten. 80 Millionen Kubikmeter Erdreich sind in der Bauphase von 1887 bis 1895 bewegt worden.

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Kreative Ideen der Ingenieure

Der Aushub des Kanals wurde mit speziell entwickelten Eimerkettenbaggern und Lorenbahnen fortgeschafft. Der Kaiser hatte hohe Anforderungen an die Ingenieure und Arbeiter: Sie sollten einen neuen Kanal bauen, aber der alte Eiderkanal sollte weiterhin befahrbar bleiben. Da war Ingenieurskunst und Einfallsreichtum gefragt. Uwe Steinhoff hält Vorträge über den Kanalbau. Er ist davon begeistert, auf welchen hohem technischen Stand die Menschen damals waren und welche Infrastruktur sie auffuhren: Ob Gleisanlagen, Trockenbagger, Elektrizitätswerke, die in der Nähe des Kanals benötigt wurden, oder die beispielhafte Versorgung der Arbeiter - dem Kaiser war kein Aufwand für seinen schönen Kanal zu schade.

Von der Elbe bis zur Förde

Wälder weichen Gleisen

Der Nord-Ostsee-Kanal ist ein Durchstichkanal: Er liegt über seine gesamte Strecke auf Normalnull. Doch das unebene Gelände um den Kanal musste angeglichen werden. Allein die Infrastruktur dafür heranzuschaffen, brachte die Arbeiter an ihre Grenzen. Da konnten selbst die damaligen technischen Neuerungen nur bedingt helfen. Allein der Aufbau eines Trockenbaggers dauerte zum Beispiel bis zu drei Monate. "Um einen Trockenbagger fahren lassen zu können, mussten sie Gleise legen. Und Gleise kann man nur legen, wo ein ebenes Gelände ist. Aber eben das gab es nicht", weiß Uwe Steinhoff. "Es war wilde Landschaft. Mit Mooren, mit Bergen, bewaldet. Da mussten ganze Wälder abgeholzt werden, um dort überhaupt die Gleise legen zu können." Der Kanalbau veränderte das Gesicht der Landschaft Schleswig-Holsteins. Höfe und Ortschaften mussten verlegt werden. Gemeinden wie Sehestedt bei Rendsburg wurden in zwei Teile geschnitten und landwirtschaftliche Betriebe durchtrennt.

Arbeiter leisten sich Bier und Schnaps

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Der Historiker Rüdiger Bock ist Mitglied im Verein Maritimes Viertel. Er betreut die Kanalausstellung in der Maschinenhalle der Technischen Marineschule.

Ein Kanalarbeiter bekam 3,30 Mark pro Schicht. Das war etwa 30 Prozent mehr als das damalige Durchschnittseinkommen. Ein großer Teil des Lohns wurde in Bier und Schnaps investiert. Davon zeugt auch eine im März 2017 gefundene historische Bierkiste. Sie wurde bei Vorarbeiten zum Ersatzneubau der Kleinen Schleuse in der Südkammer gefunden. "Der Bierkasten scheint aus der frühen Bauzeit zu stammen", sagt Rüdiger Bock vom Verein Maritimes Viertel. Er hat den den historischen Bierkasten in die Sammlung seiner Nord-Ostsee-Kanal-Ausstellung aufgenommen.

Eröffnung nach acht Jahren Bauzeit

In den Räumen der ehemaligen Technischen Marineschule gibt es viele Modelle und Exponate, die von Grundsteinlegung und Bau des Nord-Ostsee-Kanals erzählen. Nach nur acht Jahren Bauzeit war der Kanal fertig. Er hatte zum Bauende eine Länge von knapp 90 Kilometern, eine Breite von 58 Metern und eine Tiefe von 8,5 Metern. Am 20. Juni 1895 war die Kanaleröffnung. Kaiser Wilhelm II. fuhr mit seiner Yacht "Hohenzollern" als erster in den neuen Kanal bei Brunsbüttel ein. Tausende an den Ufern jubelten, als die Yacht des Kaisers das schwarz-weiß-rote Band passierte gefolgt von den Schiffen der Ehrengäste. In Kiel bei der Schlusssteinlegung verkündete Wilhelm II. dann, dass die Wasserstraße Kaiser-Wilhelm-Kanal heißen sollte. Ob als Andenken an seinen verstorbenen Großvater, Kaiser Wilhelm I., der den Grundstein gelegt hatte oder aber als Ehrung seiner selbst, verriet er nicht. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges heißt der Kanal aber so, wie es seine Erbauer und Erdenker vorgesehen hatten: Nord-Ostsee-Kanal.

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Schleswig-Holstein Magazin | 17.09.2017 | 19:30 Uhr