Sendedatum: 30.08.2009 19:30 Uhr  | Archiv

Harro Schulze-Boysen und die "Rote Kapelle"

Harro Schulze-Boysen war Mitbegründer der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle".

Im Dezember 1942 wurde der Kieler Harro Schulze-Boysen in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Er war Mitbegründer der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle", gemeinsam mit Künstlern, Schriftstellern und Journalisten. Obwohl der Name von den Nationalsozialisten geprägt wurde, ist er heute in der Forschung und in der Öffentlichkeit akzeptiert.

Weitergabe von Geheimnissen an die Sowjetunion

1942 wurde Schulze-Boysen in Berlin-Plötzensee hingerichtet. 2009 wäre er 100 Jahre alt geworden. In Kiel erinnert nur eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Feldstraße 68 an den Sohn der Stadt. Harro Schulze-Boysen war Oberleutnant im Luftfahrtministerium und gab militärische Geheimnisse an die Sowjetunion weiter. So warnte er Moskau auch vor dem deutschen Überfall auf des Land. Bis heute ist umstritten, ob Stalin die Nachricht erhalten hat. Die Gestapo kann einen Funkspruch der "Roten Kapelle" abfangen, entlarvt Schulze-Boysen und kann ihn und seine Gruppe verhaften.

Frühzeitiger Widerstand gegen Hitler

Ohne die Widerstandsgruppen gegeneinander ausspielen zu wollen, weist Jan Tönnies, der Cousin von Harro Schulze-Boysen, darauf hin, dass die "Rote Kapelle" umfassender war als zum Beispiel die regional begrenzte Gruppe der "Weißen Rose". Sie wehrte sich auch viel früher gegen Hitler als die Widerstandskämpfer des "20. Juli" um Graf Stauffenberg. Deswegenb sei es ungerecht, dass viele auch heute noch die Männer und Frauen der "Roten Kapelle" verschweigen wollen. Der Grund: nicht an England oder die USA wurden die Informationen geliefert, sondern an die Sowjetunion. Schulze-Boysen, sagt Tönnies, war sicher kein Kaderkommunist, liebte viel zu sehr seine Freiheit, als dass er sich der Partei hätte unterordnen können.

Hinrichtung am 22. Dezember 1942

Harro Schulze-Boysen, seine Frau Libertas und die anderen Widerstandskämpfer wurden vor dem Volksgerichtshof angeklagt und zum Tode verurteilt. Am 22. Dezember wurde Harro Schulze-Boysen in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Er hat kein Grab. Seine Familie bedauert, dass Kiel, die Stadt in der er geboren ist, sich nicht zu ihrem Sohn bekennt. Schön wäre es, so der Cousin Jan Tönnies, wenn in Kiel eine Straße oder eine Schule nach Harro Schulze-Boysen benannt würde.

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Schleswig-Holstein Magazin | 30.08.2009 | 19:30 Uhr