Zeitreise: 60 Jahre Taschenbücher aus Leck

Ein Taschenbuch liegt auf einem Laufband © NDR Detailansicht des Bildes Der Rotations-Druckmaschine hat das Lecker Unternehmen Clausen und Bosse seinen Erfolg zu verdanken. Die RoRoRo-Taschenbücher stammen aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals gab es noch keine Buchdruckereien, und niemand hatte das Geld für gebundene Bücher. Da kamen Rowohlts-Rotations-Romane auf den Markt. Das Besondere dabei waren die Zeitungs-Rotations-Druckmaschinen, mit denen billiges Papier bedruckt wurde. Die damit produzierten Hefte hielten jedoch nie sehr lange. Aus Schleswig-Holstein kam 1950 dann die bahnbrechende Erfindung: Das klebegebundene Taschenbuch, hergestellt bei Clausen und Bosse in Leck. In dem damals sehr kleinen nordfriesischen Ort gab es noch nicht einmal einen Buchladen.

Zum Binden nach Niedersachsen

Zwei Hände halten vier Taschenbücher fest © NDR Detailansicht des Bildes Die ersten vier Taschenbücher wurden in Leck gedruckt, aber noch im niedersächsischen Verden gebunden. 1950 entdeckte der Hamburger Verleger Ernst Rowohlt in Leck eine alte Zeitungsdruckmaschine in der Druckerei Christian Jessen Sohn, dem Vorgängerbetrieb von Clausen und Bosse. Sie nannte sich Vomag und war besonders gut dafür geeignet, auch kleine Bücher zu drucken. Man kam ins Geschäft. Gedruckt wurde allerdings mit Unterbrechung: Mittags musste zunächst der Regionalteil des Südtondern-Tageblatts in den Druck. Die ersten vier Taschenbücher wurden dann zwar in Leck gedruckt, reisten aber anschließend 300 km nach Verden an der Aller, um dort gebunden zu werden. Dieses Verfahren war umständlich und teuer. Deshalb wurde gefordert, die gesamte Produktion nach Leck zu verlegen - sonst werde der Auftrag wieder entzogen. Die Nordfriesen reagierten schnell und sagten zu. Bald produzierten sie zwei Mal im Monat 50.000 Bücher. Mit dem sogenannten Lumbeck-Verfahren ließen sich Bücher herstellen, die im Verkauf 1.50 DM kosteten.

Zweitgrößte Druckerei Deutschlands

Dabei hätte die Geschichte mit den Taschenbüchern aus Leck auch ganz anders verlaufen können. Bei Clausen und Bosse erzählen sie sich noch immer die Geschichte von dem Buchbinder aus Hamburg: Er habe gesagt, dass sie ebenfalls solche Druckmaschinen hatten. "Aber Taschenbücher oder Bücher in Klebebindung wollte doch in der Hansestadt keiner machen." Leck ist sich dafür nach wie vor nicht zu schade: Taschenbücher oder Hardcover, geklebt oder gebunden, sogar auch auf Englisch und mit weltweiter Auslieferung. Dank dieser Taschenbücher, mit denen sie damals angefangen haben, ist Clausen und Bosse heute die zweitgrößte Druckerei Deutschlands. Eine Auflage von 50.000 Büchern ist jetzt übrigens in gut zwei Stunden erledigt.

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