Zeitreise

Die ersten Marine-Botschafter

Vor mehr als 50 Jahren unternahm die noch junge Bundesmarine die ersten Auslandsreisen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wieder Kontakte zu den einstigen Feinden geknüpft. Und die Marinesoldaten an Bord der Schiffe fungierten als erste Botschafter in blau.

Diejenigen, die in den ersten Jahren der Bundesmarine auf dem Schulschiff "Hipper" dabei waren, treffen sich noch immer jedes Jahr. Am zweiten Maiwochenende war die Bordkameradschaft "Hipper" in Kiel.

Die Marinesoldaten Erwin Claus und Uwe Lochner  Detailansicht des Bildes Erwin Claus und Uwe Lochner Botschafter für ein "neues" Deutschland

Mit einem Fördedampfer waren die 150 Männer auf der Kieler Förde unterwegs. Zwischen 1959 und 1964 hatten sie die Weltmeere bereist. Mit dabei waren Erwin Claus und Uwe Lochner. Sie waren die ersten Botschafter für ein anderes Deutschland, die ersten, die nach Jahrzehnten wieder ins Ausland fuhren. "Es war sicher ein glattes Parkett", räumt Uwe Lochner aus Kiel ein, "aber wir wollten Kontakte knüpfen mit anderen Landsleuten und zeigen: Das ist eine andere Generation, die da kommt".

Heimathafen des Kadettenschulschiffs "Hipper" war ab Januar 1959 an Kiel. Vorher fuhr das Schiff im Dienst der Royal Navy. Im September 1959 stach die "Hipper" mit ihrer Besatzung zur ersten Reise in See mit dem Ziel Karibik, USA und Kanada. Neugierig waren sie, wie sie wohl empfangen werden würden, sagen die Männer der ersten Besatzung. Erwin Claus aus Frankfurt am Main wurde sogar von einer Familie nach Hause eingeladen. "Dort durfte ich mir Bratkartoffeln wünschen, mit Süßwasser duschen und wurde von den Mädchen der Familie umworben", erinnert er sich noch heute.

Abenteurer und Diplomaten

Abenteuerlust, Fernweh, Romantik, das lockte Uwe Lochner aus Kiel und Erwin Claus aus Frankfurt am Main zur Marine. Obendrein waren sie neugierig auf fremde Länder. Doch ihre Aufgabe und Funktion hatten die Männer im Hinterkopf: "Wir waren da für die Bundesrepublik Deutschland". Einen guten Eindruck wollten wir machen, sagen beide. Bei Kranzniederlegungen in Peru, Botschafterbesuchen in Togo. Und immer wieder bei Empfängen auf der "Hipper", wenn sie anderen Nationen ihr Schiff zeigten. Die Verständigung funktionierte, zur Not mit Händen und Füßen, wissen die Zeitzeugen noch heute zu berichten. Und sie haben mehr mitgebracht als nur obligatorische Erinnerungsfotos. Relikte, die heute in der heimischen Schrankwand oder dem Gartenhäuschen liegen. Souvenirs haben sie mitgebracht, von Bongotrommeln aus Jamaika bis hin zu Buddhas von den Niagarafällen. Nach 41 Auslandsstationen und mehr als 160.000 Seemeilen wurde die "Hipper" 1964 außer Dienst gestellt und verschrottet. Das Schiff existiert nicht mehr. Was wirklich für die "Hipper"-Fahrer zählt, sind die Erinnerungen, die sie sich bewahrt haben. Auch wenn sie nur ein gutes Jahr an Bord waren, geprägt hat diese Zeit Uwe Lochner und Erwin Claus bis heute. "Wenn ich an die Erlebnisse denke, dann sind meine Träume wahr geworden", schwärmt Erwin Claus.

Und so haben sie bei ihrem Treffen nicht nur einen Ausflug auf der Förde gemacht, sondern auch einen Ausflug in ihre Vergangenheit. Bei ihrem Treffen haben sie auch einen Kameraden verabschiedet - mit einer Seebestattung. Wer einmal zur "Hipper" gehörte, der gehört immer dazu. Nicht nur sein Leben lang, sondern ewig.

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