Dieses Thema im Programm:
Die Einwohner von Grauel finden ihren Ort überhaupt nicht zum Grauen.
"Komm rin un schnack di ut, geh rut und halt die Schnut" - so lautet das Motto der Einwohner von Grauel. Kein Tratsch wird nach einem Schnack im Haus nach draußen weitergetragen. In dem Dorf in der Nähe von Hohenwestedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde hat aber keiner die "Schnut" gehalten, im Gegenteil, die Menschen dort erwiesen sich erfreulicherweise als äußerst redselig und zeigefreudig.
So haben uns zwei Grauler sofort nach unserer Ankunft den ganzen Stolz des Dorfes gezeigt. Einen trostlosen, grauen Transformatorkasten haben sie bemalen lassen. Aber nicht mit irgendeinem Motiv, sondern mit ihrer eigenen Dorfgeschichte. Darauf abgebildet sind Szenen aus der Zeit, in der Grauel noch ein Köhlerdorf war. Seinen Namen hat Grauel nämlich von den Köhlern, die sich hier einst angesiedelt hatten. Wenn die dann in der Dunkelheit ihre Meiler betrieben, um Kohle herzustellen, sagten die Menschen über das nächtliche Glimmen "da ist es gruelich" oder "graulich".
Eigentlich ist es in Grauel gar nicht zum Grauen, sondern so schön, dass die Einwohner sagen: hier lebt es sich genial. Einzig brauchen sie reichlich Kondition, zumindest beim Radfahren. Denn: Grauel ist hügelig. Dafür aber schwärmen die meisten der 250 Einwohner vom Ausblick auf das Niederungstal der Buckener Au. Und der scheint schon vor Jahrhunderten Menschen hergelockt zu haben. Denn Ende der 60er Jahre wurde bei Renovierungsarbeiten an einem Schornstein eines Bauernhauses ein Silberschatz entdeckt. Mehr als drei Kilogramm schwer waren die Silbermünzen, die Handwerker zu Tage förderten. Der Enkel der Hausbesitzerin berichtete uns, dass ein Großteil der Münzen im Hohenwestedter Heimatmuseum zu sehen ist, ein Teil jedoch ist bis heute seinen Angaben nach verschollen.
Das Dorf Grauel in der Nähe von Hohenwestedt im Kreis Rendsburg hat 250 Einwohner. Wir fragen nach der Entstehung des ungewöhnlichen Namens.
In dem Haus nebenan hat der neue Besitzer auch noch keine Hinweise auf den weiteren Verbleib des Schatzes. Gefunden hat er jedenfalls nichts, obwohl sein Anwesen schon den Eindruck erweckt, er habe einen Silberschatz gefunden und davon profitiert, denn der einst größte Hof des Dorfes ist modernisiert und schick hergerichtet. Direkt neben dem Gebäude von 1877 steht ein Storchennest, eines das jeder überall sehen kann. Denn die Familie hat eine Webcam auf das Nest gerichtet, die rund um die Uhr unter der Adresse www.theoundkaethe.de im Internet das Nest zeigt. Theo und Käthe sind die Störche, die sich im vergangenen Jahr hier nieder gelassen haben. Inklusive Nachwuchs Paulchen. Doch bei einem Sturm ist Paulchen aus dem Nest gepurzelt. Er starb. Seine Eltern kehrten in diesem Frühjahr nicht wieder nach Grauel zurück.
Immer wieder ein Hingucker ist im Ortsteil Altenjahn der Kräutergarten von Traute Struve. Den kann jeder besichtigen – inklusive Führung. Vor sechs Jahren grasten hier noch Schafe. Doch dann hat die Landwirtin unzählige Beete, Wege und romantische Ecken und Plätzchen geschaffen. Und dort zieht sie alle erdenklichen Kräuter, von Heil- über Küchenkräutern bis hin zu exotischen Exemplaren. Probieren ist bei ihr erlaubt, sie tauscht auch Pflanzen, kaufen kann man allerdings nichts. Trotzdem lohnt sich ein Ausflug zu ihr, denn auf einer riesigen Fläche und mehreren Ebenen kann der Besucher hier verschiedene Themenbeete entdecken, vom Mozartbeet, über das Goethebeet bis hin zum Apothekengarten. Überall finden sich die passenden Kräuter mitsamt Accessoires und Sprüchlein und es duftet an allen Ecken. "Der Garten ist mein Leben", sagt Traute Struve, während vor der Tür schon die nächsten Besucher auf sie warten. Stundenlang kann man sich hier umgucken und Tolles entdecken. Und das gilt für ganz Grauel.