Stand: 06.03.2012 18:56 Uhr  | Archiv

Gutachten zeigt Mängel im Jugendamt Itzehoe

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Auf der Suche nach Perspektiven für Pflegekinder ist man auch in Itzehoe.

Im Jugendamt Itzehoe im Kreis Steinburg läuft es gar nicht gut: Eine ineffiziente Organisationsstruktur, unterschiedlich umgesetzte Arbeitsstandards, komplizierte Arbeitsabläufe und insgesamt kein gemeinsames Ziel außer sparen, sparen, sparen. Zu diesem Urteil kommt ein Gutachten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, das von Jugendamtsleiter Harry Strößner vergangene Woche im Jugendhilfeausschuss vorgestellt wurde.

Gegenüber dem NDR-Magazin "Panorama - die Reporter" erklärte Strößner: "In den letzten 15 Jahren kamen zahlrieche neue Gesetze, wir mussten neue Aufgaben übernehmen und immer mehr Fälle betreuen, darauf mussten wir reagieren. Das haben wir auch gemacht, aber das führte zu einer eher urwüchsigen Organisationsstruktur, die nicht optimal geplant war." Leidtragende sind die Familien und Kinder, um die sich das Jugendamt Itzehoe eigentlich kümmern sollte. Schon 2009 hatten zwei Mitarbeiter offiziell ihre Überlastung angezeigt. "Daraufhin haben wir nach ersten eigenen Untersuchungen fünf neue Stellen geschaffen - und eben die externe Analyse in Auftrag gegeben", sagt Strößner.

Struktur des Amtes wird verändert

Jetzt soll die Struktur sich ändern: Aus ehemals vier Abteilungen werden drei. Es soll ein zusätzliches Front Office für den Sozialen Dienst geben, der für Hilfesuchende die zentrale Anlaufstelle wird. Und einige Aufgaben werden an externe Freie Träger vergeben - zum Beispiel die Betreuung von denjenigen Pflegefamilien, die ein Pflegekind aus einem anderen Landkreis aufnehmen. "Da werden wir ja von außen belegt und haben zum Beispiel keinen Einfluss darauf, wie viele Pflegekinder uns von anderen Kommunen in den Landkreis Steinburg geschickt werden. Das ist nicht planbar, da müssten wir auch ständig unser Personal anpassen, je nachdem wie viele Kinder in den Kreis kommen", rechtfertigt Harry Strößner dieses Outsourcing an einen Freien Träger.

Keine zwei Besuche im Jahr bei Pflegekindern

Die Betreuung der Pflegekinder und auch die Auswahl der Pflegeeltern bleibe aber weiterhin in der Hand des Jugendamtes Itzehoe. Wie das Jugendamt die Anforderungen aus dem neuen Vormundschaftsgesetz meistern soll, wurde im Gutachten nicht thematisiert. Bisher waren Besuche bei Kindern ein bis zwei Mal jährlich geplant, allerdings wurden nicht mal diese wenigen Besuche in allen Fällen wirklich durchgeführt. Seit Juli 2011 muss der Vormund dank einer Gesetzesänderung sein Mündel monatlich besuchen, aber es gibt eine Übergangsfrist bis Mai 2012.

Jugendamtsleiter Strößner gibt sich gegenüber Panorama optimistisch: "Dafür schaffen wir rechtzeitig zum Inkrafttreten des Gesetzes im Frühjahr eine neue Stelle." Ob das bei der ohnehin dünnen Personaldecke und den grundsätzlichen Mängeln im Jugendamt Itzehoe ausreicht, bleibt abzuwarten. Die Umstrukturierung soll bis Ende 2012 abgeschlossen sein.

Dieses Thema im Programm:

Panorama - die Reporter | 06.03.2012 | 21:15 Uhr

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