Sexismus-Aufschrei: Ende des Schweigens Mein Norden

von M. Gantz, J. Körner, A. Ringling, J. Witte

Rainer Brüderle schweigt. Dafür sprechen seine Parteifreunde. Über die Äußerungen ihres FDP-Fraktionschefs gegenüber einer Journalistin des Magazins "Stern". Abends an der Bar, am Rande des Dreikönigstreffens, so hatte sie geschildert, habe Brüderle eine Bemerkung über ihre Brüste gemacht. "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen". "Die Vorwürfe gegen ihn sind durchsichtig und haltlos", poltern seine Mitstreiter. Das sei eine Kampagne gegen die gesamte FDP. Für die Liberalen steht fest: Die Reporterin habe die Begegnung an der Hotelbar benutzt, um Brüderle in ein falsches Licht zu rücken.

Sexismus-Aufschrei: Ende des Schweigens

Panorama 3 - 29.01.2013 21:15 Uhr

Im Internet, bei der Arbeit, im Bus: In Panorama 3 berichten sowohl Journalistinnen als auch junge Auszubildene über ihre Erfahrungen mit alltäglichem Sexismus.

Tatsächlich? In Berlin haben einige Journalistinnen dem Mann, der die FDP in den Bundestagswahlkampf führen soll, einen zweifelhaften Spitznamen verpasst: "Popo-Grapscher". Frauen berichten von unangenehmen Begegnungen mit Rainer Brüderle. Und seinen Händen. Über anzügliche Sprüche. Nicht nur abends nach ein paar Gläsern Rotwein, sondern auch tagsüber, im Bundestag. Die Begegnungen liegen zum Teil Jahre zurück, was der These der FDP-Riege widerspricht, hier werde jemand falsch dargestellt. Auch wenn die Partei nach wie vor zu ihrem Spitzenkandidaten steht, die Sexismus-Debatte ist unweigerlich mit ihm verknüpft.

Die Debatte geht weit über Brüderle hinaus

Der Stern-Artikel  Detailansicht des Bildes "Der Herrenwirtz"-Artikel im Stern war der Auslöser der Debatte. Dabei ist es nicht Brüderle allein, der gegenüber Journalistinnen zum Herrenwitz neigt. Allzu oft nutzen auch andere, männliche Parteifunktionäre unterschiedlicher Couleur, ihre Stellung für Verbalübergriffe. Eine Demonstration von Macht. Eine Abqualifizierung, um die Position gegenüber den Journalistinnen deutlich zu machen. Und damit ist die Debatte über Sexismus kein reines Phänomen Rainer Brüderle, sondern ein Gesellschaftliches.

Im Internet, bei der Arbeit, im Bus. Überall erzählen plötzlich Frauen ihre Geschichten. Begegnungen mit Männern, die sie bisher nur ihren Freundinnen anvertraut haben. Oft spielt der Vorgesetze eine Rolle. Und die Verzweiflung von Frauen, wie sie verbalen Anzüglichkeiten oder gar Übergriffen begegnen sollen. Lange haben sie darüber geschwiegen. Mit der Debatte um Sexismus hat das ein Ende.

Weitere Informationen
Bloggerin Merle Stöver. © NDR
 
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Interview zur Sexismus-Debatte

29.01.2013 | 21:15 Uhr

Merle Stöver schreibt in ihrem Weblog über Feminismus und Machtstrukturen. Sie sagt: "Frauen haben lange nicht darüber geredet, wie viel Sexismus sie ertragen müssen."

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In ihrem Weblog schreibt Merle Stöver über Feminismus und Machtstrukturen. In ihren Worten ein Ort, um Feminismus zu erklären, zu begreifen und zu diskutieren.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 29.01.2013 | 21:15 Uhr

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Sexismus-Aufschrei: Ende des Schweigens

29.01.2013 | 21:15 Uhr

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