Stand: 02.09.2014 17:19 Uhr  | Archiv

Das schlechte Image von Fracking

von Thomas Berbner, Johannes Jolmes & Jasmin Klofta

Schon der Begriff "Fracking" verursacht bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl. "Fracking", das verbindet man schnell mit Erdbebengefahr, mit einer möglichen Gefährdung des Trinkwassers und der Verunreinigung der Umwelt durch giftige Chemikalien. Dementsprechend groß ist die Ablehnung von "Fracking" in der Bevölkerung.

Das Hydraulic Fracturing (Fracking) ist eine umstrittene Methode zur Erdgasförderung. Dabei wird zunächst senkrecht in den Boden gebohrt bis zu der Gesteinsschicht, aus der das Erdgas gefördert werden soll. Von dort aus geht es mit der Bohrung waagerecht in das erdgashaltige Gestein hinein. Dort werden die Rohre dann mit Geschossen durchlöchert. Nun beginnt der eigentliche Frack-Vorgang. Der mechanische Druck des Wassers reicht aus, damit Risse - die sogenannten Fracks - im Gestein entstehen. Um die Risse offen zu halten, werden dem Wasser Sand und weitere chemische Zusätze beigemischt.

Auf einem Protestschild steht "Keine Chemie in unserer Erde!" © imago stock&people

Das schlechte Image von Fracking

Panorama 3 -

Gefährdetes Grundwasser, Erdbeben, kaum beherrschbare Umweltrisiken? Fracking ist zwar keineswegs harmlos, aber auch nicht so gefährlich, dass man es kategorisch ablehnen sollte.

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Politik will Fracking regeln

300 Mal wurde bislang in Deutschland gefrackt, allerdings nur bei der sogenannten "konventionellen Erdgasförderung". Bei dieser Förderart wird Erdgas in Sandstein aus Tiefen von 3.000 bis 5.000 Meter gefördert. Doch jetzt gibt es Planungen, Gas auch aus höheren Schichten, aus Schieferstein, zu fördern. Und hierum geht der eigentliche Streit. Mit dieser "unkonventionellen Erdgasförderung" soll Erdgas gefördert werden, das bislang nicht zugänglich war.

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Laut Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, ist Fracking eine Risikotechnologie.

Die Politik will das Fracking nun regeln: Mehrere Bundesländer, darunter Hessen, Thüringen oder Schleswig-Holstein haben bereits angekündigt: solches Fracking wird es dort nicht geben. Zuletzt hat eine 634 Seiten lange Studie des Bundesumweltamtes die Risiken von Fracking untersucht. Bei der Vorstellung der neuen Studie erklärt die Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger: "Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie."

Aus juristischen Gründen sei ein Verbot von Fracking zwar nicht möglich, aber Krautzberger sprach sich für weitreichende Umweltanforderungen aus, die "einem Verbot von Fracking gleichkommt." Im Interview mit Panorama erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, sie halte Fracking "für hochgefährlich, denn für uns stehen Mensch und Gesundheit und gesundes Trinkwasser im Vordergrund".

Die Lage scheint klar zu sein. Fracking ist eine gefährliche Technologie, deren Risiken wissenschaftlich belegt sind. Wir fragen beim Leiter der Studie, dem Hydrogeologen Uwe Dannwolf, nach, warum genau Fracking eine "Risikotechnologie" ist. "In unserem Gutachten stehen solche Worte nicht drin", sagt Dannwolf. "Was Frau Krautzberger macht, kann ich ihr nicht vorschreiben, wir können nur auf das Gutachten verweisen und sagen, ich würde es so nicht auslegen." Zu den Äußerungen des Leiters der wissenschaftlichen Studie möchte sich Umweltministerin Hendricks nicht äußern. Sie verweist darauf, sie kenne die Äußerungen nicht. Generell stimme sie weiterhin mit der Position des Umweltbundesamts in Sachen Fracking überein.

Brennende Wasserhähne

Immer wieder taucht in der Debatte der inzwischen berühmte "brennende Wasserhahn" auf. Er stammt aus der Dokumentation "Gasland" von 2010. Der Film beschreibt, wie die USA angeblich trotz vieler Warnzeichen flächendeckend auf Fracking setzen. Eine Schlüsselszene ging um die Welt: Ein Mann aus Colorado dreht seinen Wasserhahn in der Küche auf, hält ein Feuerzeug daneben und schon sticht eine Riesenflamme der Kamera entgegen. Viele Medien zeigten dieses Bild - auch Panorama

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Der berühmte "brennende Wasserhahn" aus dem Film "Gasland".

Doch es gibt ein Problem: "Die brennenden Wasserhähne haben überhaupt gar nichts mit Fracking zu tun", sagt Uwe Dannwolf. Die Erklärung ist eine andere: In bestimmten Regionen der Erde kommt Methangas nicht nur tief unten in der Erde vor ("thermogenes Gas"), sondern es entsteht zusätzlich weiter oben an der Oberfläche ("biogenes Gas"). In "Gasland" brennt biogenes Gas. Auch in Europa gibt es dieses Naturphänomen, in Holland zum Beispiel: Nördlich von Amsterdam steigt Methangas aus Oberflächenwasser auf. Die Anwohner leiten es seit rund 100 Jahren in umgebaute Brunnen und von dort ins Haus, wo sie Lampen und Kochplatten damit betreiben. In der Region gibt es über 200 dieser Brunnen - Erdgasbohrungen oder Fracking dagegen nicht.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 02.09.2014 | 21:15 Uhr