Stand: 18.09.2017 13:28 Uhr

Was bedeutet Greening?

von Nils Naber

Im Durschnitt erhält ein landwirtschaftlicher Betrieb in Deutschland über die sogenannten "ersten Säule" der EU-Agrarförderung 180 Euro Basisprämie pro Jahr und Hektar. Zusätzlich bekommen alle Zahlungsempfänger auch die sogenannte Greening-Prämie in Höhe von rund 87 Euro / Hektar. In Deutschland erhält nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums jeder landwirtschaftliche Betrieb, der die Basisprämie erhält, auch die Greening-Prämie. Um die Prämie zu erhalten, muss ein landwirtschaftlicher Betrieb, der mehr als 15 Hektar Ackerfläche hat, seit 2014 auf 5 Prozent seiner Fläche sogenannte ökologische Vorrangflächen einrichten.

Landwirte können Grünflächen anrechnen lassen

Doch um diese Ziele zu erreichen, können Landwirte Blühstreifen anlegen oder sich Hecken anrechnen lassen. Allerdings machen Hecken und Baumreihen, sogenannte Landschaftselemente, nur rund 2 Prozent der ungewichteten ökologischen Vorrangflächen aus, lassen sich aber teilweise mit Faktor 2 anrechnen.

Auf  80 Prozent der Vorrangflächen stehen zwischenzeitlich sogenannte Zwischenfrüchte und Leguminosen, die den Boden natürlich mit Stickstoff anreichern. "Auf diesen Flächen durften bislang sogar Pflanzenschutzmittel, zum Einsatz gebracht werden, das bringt unter dem Strich fast nichts für die ökologische Vielfalt", meint Prof. Jessel. Faktisch müssen so gar nicht 5 Prozent der Betriebsfläche aus der Produktion genommen werden. 

Uneinigkeit über Greening-Erfolg

Prof. Friedhelm Taube, Agrarwissenschaftler von der Universität Kiel, wird noch deutlicher: "Alles, was über das sogenannte Greening bisher vereinbart worden ist, das ist belegt, bringt nichts für die Umwelt." Wenn Landwirte Maisstoppeln nach der Ernte nicht stehen ließen, sondern dort eine Winterfrucht einsähen würden, "dann ist das kein Greening, sondern dann  ist das Standard. Das ist gute fachliche Praxis." Zusätzliche Leistungen für die Umwelt könne er nicht erkennen. Doch Prof. Taube hält den Ansatz von Greening aber für richtig, nach dem Umweltleistungen der Landwirte bezahlt werden sollen.

Der Bauernverband hatte sich vor Jahren heftig gegen die Einführung des Greenings gewehrt. Am Ende habe man einen Kompromiss gefunden, mit dem man sich arrangieren konnte, meint Jürgen Hirschfeld vom niedersächsischen Landvolk. Er hält das Greening für einen Erfolg, weil man damit "flächendeckend Umweltleistungen" produziere.

Die "zweite Säule" der Gemeinsamen Agrarförderung in der EU (GAP) spielt momentan eine untergeordnete Rolle. In Deutschland werden in der Förderperiode 2014-2020 jährlich im Durchschnitt 1,4 Mrd. Euro an landwirtschaftliche Betriebe ausgeschüttet. Das Geld fließt laut Bundeslandwirtschaftsministerium für Einzelbetriebliche Förderung, Agrarumweltmaßnahmen, Förderung des ökologischen Landbaus und als Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete.

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 19.09.2017 | 21:15 Uhr