Stand: 20.05.2014 14:19 Uhr  | Archiv

Phantom von Lübeck: Rätsel um Flughafenchef

von Djamila Benkhelouf & Brid Roesner

Der Flughafen in Lübeck ist schon lange ein Sorgenkind: rote Zahlen, geringe Auslastung, wechselnde Geschäftsführer. Ende 2012 jedoch konnte der Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar als Investor gewonnen werden. Er übernahm den Flughafen für einen symbolischen Euro und versprach Millioneninvestitionen. Doch schon ein Jahr später blieben die Pachtzahlungen aus, im April 2014 dann verkaufte der Geschäftsmann die Anteile seiner Firma, zu der auch die Betreibergesellschaft des Flughafens gehörte, an Adam Wagner. Aber auch unter seiner Führung passierte am Flughafen nichts. Der neue Mann tauchte nicht einmal auf, war nicht zu erreichen, nicht für den Bürgermeister, nicht für den Flughafen, nicht für die Landesregierung. 

Gebäude des Flughafens in Lübeck © dpa Fotograf: Maurizio Gambarini

Phantom von Lübeck: Rätsel um Flughafenchef

Panorama 3 -

Seit Ende April ist der Flughafen Lübeck offiziell insolvent und die Insolvenzverwalter versuchen mit dem Geschäftsführer in Kontakt zu kommen. Doch der bleibt unauffindbar.

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Wo ist Adam Wagner?

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Adam Wagner bleibt unauffindbar, Briefe an ihn sind unzustellbar.

Panorama 3 hat sich auf die Suche nach einem Geschäftsmann gemacht, der offensichtlich kein Interesse an seinem Unternehmen hat.  Der Weg führt über Berlin bis nach Polen. Doch Adam Wagner ist an keiner der Adressen anzutreffen. In Polen finden die Reporterinnen aber den Dolmetscher, der beim Verkauf dabei war. Adam Wagner sei sein Geschäftsfreund, eine Telefonnummer könne er den Journalistinnen allerdings nicht geben. Und dem Bürgermeister des kleinen Ortes in Polen, in dem Adam Wagner wohnen soll, ist der Mann gänzlich unbekannt.

Dann gelingt es, den neuen Prokuristen, der mit Adam Wagner gemeinsam den Flughafen führen sollte, in Berlin ausfindig zu machen. Anonym berichtet er, er kenne Wagner erst seit Kurzem, hätte auch nicht gewusst, dass die Firma, die sie übernommen hatten, wirtschaftliche Schwierigkeiten gehabt hätte. Überhaupt, dass zur Firma ein Flughafen mit 100 Mitarbeitern gehört hätte, sei ihnen nicht bewusst gewesen.

Geschäftsmodell "Firmenbestattung"

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Geschäftsmodell "Firmenbestattung": Bücher verschwinden, Geschäftsführer fungieren als Strohmänner, tauchen ab, häufig ins Ausland, Post ist unzustellbar.

Was für den Laien kaum nachvollziehbar ist, zeigt für Experten viele  Anzeichen einer klassischen sogenannten Firmenbestattung. Bücher verschwinden, Geschäftsführer fungieren als Strohmänner, tauchen ab, häufig ins Ausland, Post ist unzustellbar. Sinn ist, Reste einer Pleitefirma zu Geld zu machen. Der alte Geschäftsführer bleibt so unbelastet und kann weiter Geschäfte machen - Gläubiger gehen leer aus. Die Abteilung Wirtschaftskriminalität des LKA Berlin spricht von einem lukrativen Geschäftsmodell. 

Über Anzeigen werben Unternehmen damit, kaputte Firmen schnell abzuwickeln, Geschäftsführer zu entlasten und die GmbH löschen zu lassen. Dafür lassen sie sich vom alten Geschäftsführer ordentlich bezahlen. Und bekommen Zugriff auf noch wertvolle Bestandteile des Unternehmens.  Je nach Vorgehensweise sei das mindestens sittenwidrig, oft aber auch schlicht illegal und damit strafbar.

Auf der Suche nach einem neuem Investor

Im Falle des Lübecker Flughafens konnte das Ausschlachten von Kapital durch die eingeleitete Insolvenz verhindert werden. Geschadet haben die Vorgänge dem Unternehmen trotzdem. Die Staatsanwaltschaft Lübeck prüft derzeit, ob sie Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung aufnimmt.

Und die Suche nach einem neuen Investor für den Flughafen Lübeck beginnt indes von vorn. Adam Wagner hingegen ist  bis heute nicht aufgetaucht.

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 20.05.2014 | 21:15 Uhr