Panorama 3

Dienstag, 05. September 2017, 21:15 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 07. September 2017, 02:15 bis 02:45 Uhr

Zwei Wähler  in Kiel  zu einem Wahllokal für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein. © dpa-Bildfunk Fotograf: Daniel Reinhardt

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In Elmshorn ist die Demokratie auf dem Tiefpunkt: Besonders viele Nichtwähler leben im Stadtteil Hainholz. Viele Menschen mit wenig Bildung, wenig Arbeit, wenig Kaufkraft. Sie fühlen sich abgekoppelt von der Gesellschaft. Am 24. September ist Bundestagswahl, und Reporter des NDR Politikmagazins Panorama 3 wollen mit den Menschen dort über Politik sprechen. Wählen ist aus ihrer Sicht sinnlos, denn Politik verbessere ihr Leben nicht. Sie informieren sich weniger und haben aufgegeben, Einfluss auf die Politik zu nehmen.

Elmshorn: Keine Lust auf Politik

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Dr. Ernst Dieter Rossmann (r.) von der SPD sucht das Gespräch mit den Bürgern.

Wo sind die Politiker, die auch hier die Menschen vertreten sollen? Sie sind selten an Orten wie Hainholz. An Orten, die zu den sogenannten sozialen Brennpunkten zählen. Denn sie wissen, Stimmen können sie hier nicht holen. Und so entfremden sich beide Seiten immer mehr voneinander. Ein Teufelskreis. Elmshorn steht für eine Ungleichheit der Wahlbeteiligung, eine soziale Spaltung der Wählerschaft. Demokratie wird zu einer exklusiven Veranstaltung aus den mittleren und oberen Sozialmilieus - den oberen zwei Dritteln der Gesellschaft.

Viele Bürger wissen noch nicht, wen sie wählen werden. Der Frust ist vielerorts groß, das Vertrauen in die Politiker oftmals gestört. Was genau ist der Grund für die Kluft zwischen Wählern und Politikern?

Usedom: AfD bei Protestwählern hoch im Kurs

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Wolgaster bei einer Mahnwache zum Erhalt der Kinderstation des Krankenhauses.

Auf Usedom treffen die Reporter auf Protestwähler. Auf der mecklenburgischen Insel haben bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr knapp 40 Prozent die AfD gewählt. Bei vielen hatte das so gut wie nichts mit der Flüchtlingskrise zu tun. Viele Usedomer wollten den etablierten Parteien einen Denkzettel verpassen. Denn sie fühlten sich von ihnen einfach nicht gehört.

Sie haben gekämpft gegen die Schließung der Kinder- und Geburtsstation ihres Krankenhauses. Sie haben alles versucht, um mit den Politikern ins Gespräch zu kommen, mit ihnen zu diskutieren, warum sie diese Stationen brauchen. Aber keiner hat ihnen zugehört. Es hat ihnen auch keiner zugehört, als die Kreisgebietsreform kam: viele Ämter, aber auch das Amtsgericht wurden geschlossen. Jetzt müssen die Menschen sehr weite Strecken zurücklegen, um Gerichtstermine wahrzunehmen oder zum Finanzamt zu gehen. Sie fühlen von der Politik verlassen. Auch auf Usedom verliert die Demokratie. Der Staat zieht sich tatsächlich aus der Fläche zurück. Und diesen Frust nutzen die Populisten. 

Die Politiker-Interviews
03:00

"Nicht zutexten - sondern zuhören"

05.09.2017 21:15 Uhr

Katrin Göring-Eckardt von den Grünen findet, man muss schwierige Gespräche suchen. Sie will an Orte gehen, wo sie nicht nur mit Anhängern konfrontiert ist. Video (03:00 min)

03:14

"Persönliches Gespräch ist nicht zu ersetzen"

05.09.2017 21:15 Uhr

Der CDU-Politiker Johann Wadephul spricht über seine Erfahrungen im Umgang mit Politikverdrossenheit. Persönlicher Kontakt ist für ihn das wichtigste Instrument dagegen. Video (03:14 min)

03:19

"Die Politiker gibt es nicht"

05.09.2017 21:15 Uhr

Für den Linken-Politiker Dietmar Bartsch ist wichtig, dass es Unterschiede zwischen den Parteien und den Politikern gibt. Nur dann gebe es auch politische Alternativen. Video (03:19 min)

03:18

"Man kann Dinge verändern - auch zum Guten"

05.09.2017 21:15 Uhr

Thomas Oppermann von der SPD will Menschen erreichen, die die Politik aufgegeben haben. Ansonsten sei die Demokratie gefährdet, denn sie lebe vom Glauben an Veränderung. Video (03:18 min)

Politiker müssen andere Wege gehen

Und wie empfinden Politiker das? Glauben sie auch an eine Kluft zwischen ihnen und den Wählern? Ja, sagt René Schneider. Er ist SPD- Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag und hat festgestellt, dass er als Politiker andere Wege gehen muss, um mit den Wählern ins Gespräch zu kommen. Volk und Volksvertreter haben sich entfremdet.

Vor der Bundestagswahl reisen unsere Reporter durch den Norden. In einer Schwerpunktsendung ergründen sie die Enttäuschungen und die Gründe für die Entfremdung der Politik von bestimmten Wählergruppen. Sie fragen bei Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Thomas Oppermann (SPD), Johann Wadephul (CDU) und Dietmar Bartsch (Die Linke) nach, was sie tun wollen, um das Vertrauen der Verlorenen zurückzugewinnen.

Weitere Informationen

Fünf Fragen an Wahlkampfberater Frank Stauss

05.09.2017 21:15 Uhr

Verstehen sich Wähler und Volksvertreter noch und sprechen sie die gleiche Sprache? Oder reden Bürger und Politiker aneinander vorbei? mehr

Produktionsleiter/in
Nicole Deblaere
Regie
Wolfram Kettner
Michael Valentin
Dirk Sander
Moderation
Susanne Stichler
Redaktion
Jochen Becker
Grit Fischer
Martin Munz
Iris Ockenfels
Maike Rudolph
Redaktionsleiter/in
Sven Lohmann