Stand: 21.02.2017 14:04 Uhr

Datenklau bei Kreditkarten

von Kaveh Kooroshy & Leonie Puscher

Die Passanten auf dem Wochenmarkt in Hamburg können es kaum glauben: Reporter von Panorama 3 haben sie gerade angesprochen und gefragt, ob sie ihre Kreditkarte einmal sehen dürfen. Kaum gezückt, gelingt es den Reportern, die Daten der Karte auszulesen - lediglich mit einem Smartphone.

EC-Karte an einem Handy

Datenklau bei Kreditkarten

Panorama 3 -

Mit einer App lassen sich die Daten von Kreditkarten problemlos auslesen. Anschließend kann man unter falschem Namen einkaufen. Panorama 3 hat den Selbstversuch gemacht.

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Neben der Kreditkartennummer und dem Ablaufdatum sind häufig auch konkrete Bezahldaten zu sehen: Wann wurde wo mit welchem Betrag gezahlt. Möglich wird das Auslesen durch einen NFC-Chip, den mittlerweile viele Kreditkarten in sich tragen. Er soll das Bezahlen mit Kreditkarte erleichtern. Die Karte muss nicht mehr in ein Lesegerät gesteckt werden, sondern es genügt, die Karte einfach an das Gerät zu halten. Kreditkarten mit einem NFC-Chip erkennt man an einem Symbol mit geschwungenen Strahlungswellen, wie es auch häufig an W-Lan-Hotspots zu sehen ist.

Mit einer App lassen sich die Daten auslesen

"Das Ganze ist gedacht für kontaktloses Bezahlen im Geschäft für Kleinstbeträge, bis 25 Euro", erzählt Sébastien Bonset, Redaktionsleiter des IT-Magazins "t3n". Doch die Technologie hat noch weitere Funktionen: Mit einer einfach herunter zu ladenden App kann jeder auf der Kreditkarte gespeicherte Daten auslesen, der ein Smartphone mit NFC-Chip besitzt - und das sind mittlerweile die meisten.

Bankenverband reagiert zurückhaltend

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Die Wellen auf den Karten zeigen an, dass die Kreditkarte mit einem NFC-Chip versehen ist.

Zwar muss man mit der Standardausrüstung sehr nah an die Kreditkarte herankommen, um sie auszuspähen, nämlich weniger als vier Zentimeter. Mit etwas Aufwand kann man sich jedoch eine Spezialantenne anfertigen, mit der man die Sendekraft verstärken kann: Bei einem Test des Bayerischen Rundfunks vor einigen Wochen gelang es, mit einer solchen Antenne Daten aus 17 Zentimeter Entfernung abzuschöpfen. "Das ist der Beleg, dass es nicht zu 100 Prozent sicher ist und dass man mit Bastelei und ein bisschen Findigkeit das Ganze ein bisschen unsicherer machen kann, als es die Banken gerne hätten", so Bonset.

Ein brisanter Befund, denn noch immer kann man bei Internetshops wie Amazon lediglich mit Kreditkartennummer und Ablaufdatum der Karte einkaufen - dank abgeschöpfter Daten auch auf fremde Rechnung. Der Bankenverband reagierte auf die BR-Recherchen zurückhaltend: "Im Prinzip brauchen Sie bis zu vier Zentimeter", sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. "Ich lass mich jetzt nicht darauf ein zu sagen, dass es unsicher ist. Es ist ein sicherer Bezahlvorgang", sagte die damalige Sprecherin.

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21.02.2017 21:15 Uhr

Mit einer kostenlosen App lassen sich die Daten von Kreditkarten auslesen. Mit diesen Daten kann man dann problemos einkaufen - auch unter falschen Namen. Video (00:41 min)

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 21.02.2017 | 21:15 Uhr