Nordseereport

Alles neu!

Sonntag, 26. April 2015, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 27. April 2015, 01:30 bis 02:15 Uhr

Neue Saison, neues Glück - und vor allem ganz viel Arbeit. In jedem Frühjahr machen sich die Menschen an der Nordseeküste bereit für den Ansturm der Urlauber. Wer vom Tourismus lebt, der kann längst nicht mehr nur allein auf die Reize von Strand, Meer und guter Seeluft setzen. Innovationen sind gefragt. Neue Erholungskonzepte, neue Bauvorhaben, neue Restaurants mit neuen Speisen, neue Geschäfte und manchmal auch neue Schiffe - dahinter steckt immer viel Kreativität, oft eine Vision, wie das Leben am und mit dem Meer sein sollte, und manchmal sogar ein lang gehegter Traum.

Aufbruchsstimmung an der Nordsee

Der Nordseereport macht im April Station in den niederländischen Badeorten Cadzand und Domburg und schaut zu, wie sich die frisch gekürten Seeheilbäder auf die neue Saison vorbereiten, ohne ihre traditionsreiche Geschichte aus dem Blick zu verlieren. Auch andernorts an der Nordsee sind die Reporter dabei, wie die Menschen den jährlichen Neustart in die Saison bewältigen, sich mit viel Energie in ihr ganz persönliches Abenteuer stürzen - und sich dabei manchmal selbst neu erfinden.

Eine Frau in der Männerdomäne

Eine, die nicht zum ersten Mal einen Neuanfang wagt, ist Inka Munier. Sie ist die neue Pferdespediteurin von Juist. Die 50-Jährige kam vor 23 Jahren vom Bodensee auf die Insel. Ihre Leidenschaft für die Arbeit mit Pferden brachte sie mit. Kutschierte sie bisher Gäste, versorgt sie jetzt außerdem die Insulaner mit allem, was sie zum Leben brauchen. Ein Knochenjob im traditionellen Kutsch-Geschäft auf der autofreien Insel. Wenn die Frachter anlegen und meterhohe Kisten, Paletten, Container bringen, muss alles ganz schnell von Bord. "Der einzige Stress, den es auf der Insel gibt, ist beim Be- und Entladen", sagt die Pferde-Spediteurin.

Anpacken ist für Inka Munier kein Problem. 150.000 Euro hat sie in ihr neues Geschäft investiert, in die acht Kaltblüter, Personal und Kutschen. Die Pferde hat sie speziell für die neuen Aufgaben trainiert. Ein Traumjob für die "Pferdefrau". Schließlich sei die Insel mit ihren Pferdefuhrwerken ein Schatz, den es zu erhalten gelte, findet Inka Munier.

Baden wie die Könige

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Antje Wöhnke und das Team sind für die April-Sendung in Zeeland unterwegs.

Tradition und modernen Tourismus in Einklang zu bringen - in Cadzand, im Südwesten der Provinz Zeeland, nahe der Grenze zu Belgien, scheint das längst gelungen. Elf Kilometer Sandstrand und die meisten Sonnenstunden in den Niederlanden lockten schon seit Ende des 19. Jahrhunderts reiche Engländer und Adlige aus Schweden und Rumänien nach Cadzand. Feiner Sand, gute Luft, heilsames Meerwasser - doch offizielles Seeheilbad ist der 800-Einwohner-Ort erst seit 2014, ausgezeichnet von der European Spas Assocation und dem Deutschen Heilbäderverband. Auch der Badeort Domburg auf der Halbinsel Walcheren erhielt dieses Siegel. Ein Imagewandel für die Seebäder.

Karte: Cadzand und Domburg

Zeeländer leben länger

Die Heilkraft des Meeres als touristisches Markenzeichen und Kapital, das ist in den Niederlanden Neuland. Denn eine Kurtradition, etwa wie in Deutschland, gibt es dort nicht. Dafür aber viel Gesundheit, wie Projektleiterin Marlies Szobtschak weiß. "Die Leute aus Zeeland leben länger und leben gesünder. Hier gibt es weniger chronische Krankheiten und das Leben ist hier irgendwie gesünder als in allen anderen Teilen der Niederlande. Das haben wir uns bestätigen lassen."

Haizähne erzählen Geschichte

In Cadzand kann man auch eine Reise in die Erdgeschichte unternehmen. Denn Ebbe und Flut und der Strom der Westerschelde tragen vom Meeresboden vor der Küste Schichten ab - und spülen 50 Millionen Jahre alte Fossilien an den Strand, darunter Muscheln, Zähne und Wirbel von Fischen und Walen und Knochen von Säugetieren und Vögeln. Berühmt ist Cadzand allerdings für sein "schwarzes Gold", die Haifischzähne.

Zurück zum Fisch

Dass Neues auch eine Rückbesinnung auf Altes, Bewährtes sein kann, beweisen Barbara und Jan Geertsema. Die beiden Fischer aus Lauwersoog in der Provinz Groningen wollen neben ihrem Café ab Frühsommer auch eine "Fischwerkstatt" betreiben. In Workshops rund um den Fisch sollen Gäste alles lernen, was es für eine schmackhafte Zubereitung braucht: ausnehmen, filetieren, räuchern, würzen. Austernsuppe, Fonds aus Seetang und Strandkrabbe - die Gerrtsemas wollen den Teilnehmern neue Arten der Zubereitung beibringen. Und gleichzeitig für nachhaltiges Fischen und den bewussten Umgang mit den regionales Köstlichkeiten werben. Fragen, erklären, gemeinsames essen - das alles soll die Gäste dazu animieren, den Fisch aus der eigenen Gegend zu schätzen und zu genießen.

Redaktionsleiter/in
Marlis Fertmann
Redaktion
Susanne Wachhaus
Moderation
Antje Wöhnke
Produktionsleiter/in
Thomas Kay