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Panorama Nord

Zum 50-jährigen Panorama-Jubiläum prodzierte die "Menschen und Schlagzeilen"-Redaktion drei Folgen "Panorama Nord" für das NDR Fernsehen. mehr

 

MRSA - Gefährliche Keime aus dem Supermarkt

Reporter von "Panorama Nord" haben in einem Supermarkt mit gefährlichen Keimen belastetes Hähnchenfleisch gefunden: Bei Laboruntersuchungen im Auftrag des Magazins wurde der Keim im Auftauwasser von tiefgefrorenem Hähnchenfleisch zweifelsfrei nachgewiesen. Experten gehen davon aus, dass eine größere Menge an Fleisch belastet sein könnte.

MRSA-Keime im Essen

Gefährliche Keime im Hähnchenfleisch gefunden: Bei Laboruntersuchungen wurden gefährliche Keime im Auftauwasser von tiefgefrorenem Hähnchenfleisch nachgewiesen.

Der Produzent des Masthähnchens bestätigte gegenüber "Panorama Nord" die Anwesenheit einer "multiresistenten Keimart" im Geflügelfleisch und weist auf die "Notwendigkeit des Durchgarens" hin. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft teilt auf Anfrage mit, dass nicht auszuschließen sei, dass in Auftauwasser von Geflügelfleisch "einzelne MRSA-Keime" gefunden werden könnten. Weiter heißt es: "Eine ursächliche Gefährdung durch das Lebensmittel ist jedoch nicht nachgewiesen". Darüber hinaus unterstütze der Verband allerdings neue Erkenntnisse über die Verbreitung von MRSA.

Robert-Koch-Institut findet Keime in einem knappen Drittel der Proben

Bereits im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei Untersuchungen von Mastgeflügel in fast jeder dritten Probe MRSA-Bakterien im Auftauwasser gefunden. Zwar hatte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in der Vergangenheit den Verzehr von Fleisch von MRSA-positiven Tieren für unbedenklich erklärt. Auch das RKI hält Fleisch, das erhitzt wurde, für ungefährlich. Dennoch sind die Keime im Auftauwasser des rohen Fleisches für den Verbraucher potenziell gesundheitsschädigend.

Bakterien können schwere Entzündungen auslösen

Hähnchen bei der Zubereitung © NDR Detailansicht des Bildes Wer bei der Zubereitung eines mit MRSA verseuchten Hähnchens keine Handschuhe trägt, kann infiziert werden - zum Beispiel durch kleine Wunden an der Hand. So können die Bakterien bei der Zubereitung - etwa über eine kleine Wunde an der Hand - in den menschlichen Körper gelangen und dort laut RKI im schlimmsten Fall tiefgehende Entzündungen auslösen: "Wenn ich ein solches Masthähnchen zubereite, dann fasse ich es ja an und dann habe ich auch die Hände damit kontaminiert. Und wenn ich Wunden an den Händen habe – kleine Schnittwunden, kleine Eintrittspforten – können daraus natürlich tiefgehende Hautweichgewebeinfektionen resultieren", sagte der RKI-Mikrobiologe Wolfgang Witte im Gespräch mit "Panorama Nord".

RKI: Einweghandschuhe benutzen

Zum Schutz rät das RKI bei der Zubereitung des Fleisches Einweg-Handschuhe zu benutzen. MRSA-Bakterien sind multiresistente Keime, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent sind, sich also sehr schlecht behandeln lassen. Bisher ist vor allem die Gefahr von multiresistenten, sogenannten Krankenhauskeimen bekannt, die insbesondere in Kliniken auftreten. Nach Schätzungen des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung verläuft für 15.000 Patienten eine Infektion mit diesen Keimen jedes Jahr tödlich.

Gefahr lauert auch bei tierischen MRSA-Bakterien

Ein Geflügelzüchter beim Kontrollgang durch seinen Hähnchenstall. © dpa - Bildfunk Fotograf: Ingo Wagner Detailansicht des Bildes Quelle der MRSA-Keime? Die moderne Massentierhaltung gerät wegen ihres Antibiotika-Einsatzes immer wieder in Verdacht. Darüber hinaus geht mittlerweile auch von sogenannten Tier-MRSA-Bakterien, die von Nutztieren auf den Menschen übertragen werden können, eine große Gefahr aus. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen dem massiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung und dem vermehrten Auftreten von MRSA-Keimen bei Tieren: "Mit Antibiotika im Stall züchten wir ungewollt Resistenzen, und Antibiotika sind das Schwert im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Dieses Schwert wird durch täglichen Gebrauch stumpfer", so der Chirurg Burkhard Kursch im Interview mit "Panorama Nord".

"Mikrobiologische Apokalypse"

Experten befürchten für die Zukunft eine Einschleppung des Tier-MRSA in Krankenhäuser und damit eine weitere Ausbreitung von MRSA-Keimen sowie die Entstehung neuer Antibiotika-Resistenzen. Thomas Fein, Facharzt für Allgemeinmedizin, warnte im Gespräch mit "Panorama Nord": "Wenn wir irgendwann nicht mehr in der Lage sind, bakterielle Infektionen vernünftig mit Antibiotika zu behandeln, dann kann so etwas wie eine mikrobiologische Apokalypse ins Haus stehen."

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