Interview

Ein Fernsehteam auf dem Land

Ute Mushardt in ihrem Kräutergarten: hier findet sie alle Zutaten für den Hustensaft. © NDR Fotograf: Mirella Pappalardo Detailansicht des Bildes Ute Mushardt: "Das Fernsehen hat mich daran erinnert, wie schön wir es auf dem Land haben!" Ute Mushardt ist Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland e.V. Die ländliche Hauswirtschaftsmeisterin und Hotelkauffrau bewirtschaftet zusammen mit ihrem Ehemann Hans-Heinrich Mushardt die Höfe Katthusen und Lafrenz, zwei große, landwirtschaftliche Betriebe in Otterndorf und Altenbruch in der Nähe von Cuxhaven. Neben der Landwirtschaft hat sie im Laufe der Zeit ein kleines Hotel aufgebaut. Sie bezeichnet sich selbst als "Urlaubsbäuerin". Im November 2012 war Mein schönes Land TV eine Woche auf dem Hof der Familie Mushardt zu Gast und hat das Leben und den Alltag der Familie begleitet.

Bei Ihnen wurde für "Mein schönes Land" gedreht. Wie erlebt man so etwas?

Ute Mushardt: Das Fernsehteam war eine ganze Woche lang auf unserem Hof. Für uns war das eine ganz schöne Herausforderung. Die mussten wir ja neben unserem normalen Arbeitsalltag bewältigen. Aber wir hatten uns gut vorbereitet. Und als große Familie mit drei Generationen konnten wir auch einiges bieten. Die Vorbereitung und die Zusammenarbeit mit dem Team hat uns allen viel Spaß gemacht. Das Team interessierte sich für unsere Erfahrungen, und wir konnten viele tolle Ideen einbringen.

Welche Ideen waren Ihrer Familie denn besonders wichtig?

Mushardt: Unser Sohn Falk wollte unbedingt sein Kaninchenwissen vermitteln und das schönste Kaninchen präsentieren, das er selbst gezüchtet hat. Bevor das Team kam, war er unentwegt bei seinem Kaninchenstall. Als seine Vorschläge vom Team akzeptiert und gedreht wurden, war er sehr stolz, und wir natürlich auch.

Wurden die Dreharbeiten nicht irgendwann anstrengend?

Mushardt: Das schon, aber es hat ja Spaß gemacht. Für meinen Vater wurde es irgendwann etwas viel, als meine Mutter sich zu sehr mit dem Malzkaffee beschäftigte und immer wieder Malz röstete. Er sagte zu mir: 'Ich muss immer wieder diesen Malzkaffee probieren, ob der denn auch schmeckt! Jetzt komme ich zu dir, damit ich endlich mal wieder eine richtige Tasse Kaffee trinken kann!'

Was war der schönste Moment der Dreharbeiten?

Mushardt: Das war das Festessen mit der ganzen Familie, das wir während der Dreharbeiten veranstaltet haben. Das gibt es bei uns sonst zwar auch, aber nur zu besonderen Anlässen. Als ein großer Teil der Dreharbeiten geschafft war, haben wir uns gefreut, dass alles bis dahin so gut gelungen war, und haben es genossen, am Abend mit allen zusammen zu sein.

Und wie war es, die fertige Sendung zu sehen?

Mushardt: Wir waren natürlich sehr gespannt, weil wir nicht wussten, was das Team aus dem Drehmaterial machen würde. Aber als die Sendung vorbei war, waren wir begeistert. Nicht nur, dass jeder einzelne aus unserer Familie so dargestellt wurde, wie er in Wirklichkeit ist. Im Fernsehen haben wir viel deutlicher gesehen, von welchen Schönheiten wir auf dem Land umgeben sind. Im Alltag nimmt man das gar nicht mehr so richtig wahr. Die Sendung hat mir geradezu die Augen geöffnet und mich daran erinnert, mal in Ruhe wieder eine schöne Blume anzuschauen.

Was kann man denn als Zuschauer Neues in Mein schönes Land TV entdecken?

Mushardt: Die unterschiedlichen Bauernhöfe in Niedersachen. Und die sympathischen und fröhlichen Familien mit ihren Traditionen. Man sieht, wie man die Natur genießen kann, und lernt zugleich viele Dinge über die Landwirtschaft. Vielleicht nimmt man danach die eigene Umgebung ein bisschen besser wahr und macht etwas mit der Familie oder seinen Freunden gemeinsam!

Viele Städter wollen aufs Land, weil sie es schön und romantisch finden. Ist das Leben auf dem Land wirklich so?

Mushardt: Natürlich haben wir nicht jeden Tag Romantik, das muss man wissen. Unser Arbeitsalltag ist hart und auch lang. Wir starten meistens morgens früh und enden wirklich spät in der Nacht mit der Arbeit. Das geht nur, wenn man es nicht als Job sieht, sondern als Berufung. Das macht man mit Haut und Haar, oder man lässt das ganz und gar sein. Aber zwischendurch gibt es immer wieder schöne und wichtige Momente, wo man innehält und die Ruhe genießt oder auch die Schönheit der Natur genießt. Das ist eigentlich das wirklich Wichtige im Leben. Wenn man es schafft, das auch wahrzunehmen, dann lebt man bewusst, und dann kann man von romantischen und schönen Momenten sprechen.

Sind Sie denn mit Ihrem Leben auf dem Land zufrieden?

Mushardt: So, wie ich jetzt bin und lebe, bin ich total glücklich. Der Weg war etwas mühsam, den hätte ich gerne abgekürzt. Die Kombination aus Landwirtschaft und Tourismus mit unserem kleinen Hotel hätte ich viel früher für mich entdecken sollen. Aber manchmal weiß man nicht, wofür es gut ist. Es waren auch viele unnötige Bausteine dabei. Aber vielleicht hat mich dieser Weg reifen lassen.

Was gefällt Ihnen persönlich beim Landleben am besten?

Mushardt: Dass die ganze Familie zusammenarbeitet. Das ist manchmal schön, manchmal schwierig, aber immer eine große Herausforderung. Es macht viel Freude, wenn man sieht, dass jeder in der Familie gebraucht wird und auch mitmacht. Ohne diese Zusammenarbeit funktioniert ein Familienunternehmen nicht. Toll ist außerdem, dass meine Arbeit praktisch vor meiner Haustür stattfindet. Ich habe keine langen Anfahrtswege und kann in der Natur arbeiten, habe meinen eigenen Garten und bin mit den Tieren zusammen. Büroarbeit habe ich natürlich auch. Mein Arbeitsalltag ist dadurch nicht monoton, sondern eine ganz gesunde Mischung, das macht mir besonderen Spaß. Nach getaner Arbeit gönnen wir uns ein gutes Essen und sind innerhalb der Familie gerne eine gesellige Stunde zusammen. Das macht für mich Landleben aus. Manchmal ich bin auch für die örtlichen Vereine tätig und organisiere große Feiern oder Dorffeste. Das ist mein schönes Land!

Das Interview führte Helke Schulze Mönking, Redakteurin Medienkontor Film- und Fernsehproduktion, Berlin

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Marie-Luise Schebesta, Mein schönes Land © Marie-Luise Schebesta, NDR
 

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