Angst vor Staupe: Wie schütze ich meinen Hund?

von Sonja Schirmer

Im Süden Schleswig-Holsteins wurde kürzlich bei fünf Füchsen das Staupevirus nachgewiesen. Die Tiere waren entweder verendeten oder verhaltensauffällig. Dies waren die ersten Fälle bei Füchsen seit 2009. Die aktuellen Fälle waren Anlass für Artikel in der Presse, in denen die Tierhalter aufgefordert wurden, auf den Impfschutz ihrer Hunde zu achten. Da die Erkrankung weder anzeige- noch meldepflichtig ist, gibt es keine bundesweiten, zuverlässigen Zahlen.

Was ist Staupe?

Staupe ist eine Viruserkrankung von Haus- und Wildtieren. Empfänglich sind Hunde, Füchse, Waschbären, Marder, Marderhunde, Wiesel, Nerze, Frettchen, Dachse, Wölfe, Seehunde, Großkatzen, Pandabären. Der Erreger ist mit dem Masernvirus des Menschen verwandt. Der Mensch ist allerdings nicht gefährdet. Hauskatzen erkranken ebenfalls nicht. Wildtiere insbesondere Füchse und Marder können das Virus tragen und weiterverbreiten, ohne zu erkranken. Daher werden diese als "Virusreservoir" betrachtet.

Weitere Informationen

Staupe-Infektion bei Fuchs nachgewiesen

Seit Ende November gab es im Süden Schleswig-Holstein fünf Fälle von Staupe. Hundebesitzer sollten deshalb auf den Impfschutz ihres Tieres achten. mehr

Wie kann sich mein Tier mit Staupe infizieren?

Der Erreger der Staupe wird von erkrankten Tieren über alle Sekrete und Exkrete wie zum Beispiel Nasen-, Augenausfluss, Urin, Kot und Speichel ausgeschieden. Andere Tiere können sich "direkt" bei den Erkrankten oder "indirekt" über infiziertes Wasser, Futter oder Schuhe anstecken. Die indirekte Übertragung spielt jedoch eine geringe Rolle, da das Virus eher empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen ist. Besonders empfänglich sind ungeimpfte Tiere zwischen 4 und 6 Monaten. Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche.

Der Verlauf der Erkrankung hängt vom Immunsystem ab

Wenn Hunde ein starkes Immunsystem haben besitzen und schnell Antikörper bilden, können sie das Staupevirus innerhalb von zwei bis drei Wochen vollständig bekämpfen - in dem Fall erkrankt der Hund nicht. Bilden die Hunde keine Antikörper aus, sterben diese Tiere in demselben Zeitraum an der schweren Infektion.

Eine Staupeinfektion kann unterschiedliche Symptome hervorrufen

Eine Staupe kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Häufige Symptome sind hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Augen- und Nasenausfluss. Die Erkrankung kann sich in der Lunge festsetzen und zu einer Lungenentzündung führen, was als "Lungenform" der Staupe bezeichnet wird. Eine weitere Variante ist die "Darmform" mit Erbrechen und Durchfällen. Eine bis drei Wochen nach dem Auftreten der ersten Symptome kann das Staupevirus das Nervensystem befallen und schwerste Symptome wie Krämpfe  auslösen. Diese Variante gilt als besonders schwer. Die Übergänge zwischen den Verläufen sind fließend. Oft kommen bakterielle Sekundärinfektionen dazu.

Wie lange dauert die Krankheit?

Krankheit und Therapie können sich Wochen und Monate hinziehen. Sollte ein Hund die "neurologische Verlaufsform" überleben, kommt es oft zu Dauerschäden, dem sogenannten Staupe-Tic mit zitternden Gliedmaßen und nervösen Zuckungen. Die Staupe kann tödlich enden. Generell wird die Sterblichkeit auf 30 bis 80 Prozent geschätzt. Sollte ein Tier während des Zahnwechsels erkranken, kann das den Zahnschmelz schädigen, der sich dunkel verfärbt. Als Spätfolge kann Monate bis Jahre später eine Encephalitis (Entzündung des Gehirns) auftreten.

Wie sieht die Therapie aus?

Die Therapie erfolgt symptomatisch: Der Tierarzt versucht, das Fieber zu senken und verschreibt Schmerzmittel und verordnet Infusionen. Darüber hinaus wird mit Antibiotika verhindert, dass weitere Infektionen ausbrechen. Die erkrankten Tiere können noch sehr lange den Erreger ausscheiden und können somit immer noch andere Tiere anstecken, daher müssen die Patienten isoliert gehalten werden.

Wie schütze ich meinen Hund?

Bild vergrößern
Hunde schnüffeln gerne eifrig im Wald herum, auch im Fuchsbaueingang, deshalb ist eine Impfung wichtig.

Die Staupeschutzimpfung gehört zu den Impfungen, auf die nicht verzichtet werden sollte ("Core- Komponente"). Diese erfolgt bei Welpen ab der 8. Lebenswoche dreimalig im Abstand von 4 Wochen. Die Grundimmunisierung wird mit einer Impfung im 15. Lebensmonat abgeschlossen. Danach reicht es, wenn Hundehalter diese Impfung alle drei Jahre auffrischen. Staupe ist Bestandteil der Kombinationsimpfstoffe und ist an dem Kürzel "S" zu erkennen. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Tierarzt, ob Ihr Hund einen ausreichenden Schutz besitzt. Besonders wichtig ist die Impfung für Hunde, die zur Jagd gehen und Kontakt zu Wildtieren haben.

Wie reagiere ich, wenn ich einen verendeten oder verhaltsauffälligen Fuchs oder Marder finde?

Informieren Sie den örtlichen Jagdpächter oder das Veterinäramt. Das Tier auf keinen Fall anfassen. Dies ist besonders wichtig, da als Differentialdiagnose auch Tollwut in Betracht gezogen werden muss.

Um zuverlässige und geprüfte Informationen zu bekommen, empfiehlt sich ein Blick auf die Internetseiten der zuständigen Behörden. In Niedersachsen das Landesamt für Verbraucherschutz und in Schleswig-Holstein das Portal der Landesregierung.

 

Weitere Informationen

Ihre Liebe gilt den Kleintieren: Sonja Schirmer

Tierärztin war schon immer ihr Traumberuf. Sonja Schirmer ist einmal monatlich freitags bei Mein Nachmittag und vermittelt tierisches Wissen und hilfreiche Tipps. mehr