Stand: 08.11.2016 14:15 Uhr

Carl Gustaf - König mit Image-Problem

Seit mehr als vier Jahrzehnten sitzt Carl XVI. Gustaf auf dem schwedischen Thron. Eine wechselvolle Zeit, in der es Phasen gab, in denen der König alles andere als beliebt war. Mittlerweile sind die Schweden ihrer Königsfamilie größtenteils wieder wohl gesonnen, was allerdings nicht Carl Gustaf, sondern vor allem der nachfolgenden Generation zu verdanken ist. Die Wogen haben sich einigermaßen geglättet. Die schwierigen Phasen in der Vergangenheit, die würde der Monarch sicher gerne hinter sich lassen, dennoch bleibt er ein König mit Image-Problem.

Carl Gustaf - Mit 27 schon König

Der Grund dafür, dass der 74. König des skandinavischen Vorzeigelandes in den vergangenen Jahren jede Menge an Popularität verliert, sind pikante Enthüllungen im Jahr 2010. In der unautorisierten Biografie "Der widerwillige Monarch" werden Carl Gustaf unter anderem Kontakte ins Rotlichtmilieu nachgesagt. Auch eine vermeintliche Affäre mit Popsängerin Camilla Henemark bringt ihn damals in Bedrängnis. Die Sympathiewerte bei seinen Landsleuten sinken in den Keller.

Carl Gustaf denkt nicht daran, abzudanken

Außerdem trete der König von Schweden oft "überheblich" auf, so der sonst eher königstreue Hofreporter der Zeitung "Expressen" Johan Lindwall. Auf die Frage, ob er irgendetwas in seiner Laufbahn bereue, antwortet Carl Gustaf im öffentlich-rechtlichen Fernsehens SVT: "nicht den geringsten Hauch". Auch Rückzug ist für König Carl Gustaf kein Thema. "Unser König wird niemals abdanken", sagt Hofexperte Lindwall. "Der König ist völlig darauf eingestellt, dass sein Auftrag ein lebenslanger ist." Diesen erfüllt er immerhin schon, seitdem er 27 Jahre alt ist.

König ohne politischen Befugnisse

Carl Gustaf kommt am 30. April 1946 zur Welt. Nach seinem Militärdienst studiert er Soziologie, Geschichte, Politik- und Finanzwissenschaften in Uppsala und Stockholm. Dass er den schwedischen Thron schon früh besteigt, hat einen tragischen Hintergrund. Sein Vater stirbt 1947 bei einem Flugzeugabsturz, als Carl Gustaf erst knapp ein Jahr alt ist. Carl Gustafs Großvater, Gustav VI. Adolf, wird im Jahr 1950 König. Als er mit 92 Jahren stirbt, geht der Thron 1973 damit an seinen jüngsten Enkel, anstatt an die älteste seiner vier Schwestern. Denn das schwedische Thronfolgegesetz sieht damals eine ausschließlich männliche Erbfolge vor. Monarchie-Kritiker zweifeln, ob der schüchterne König seiner Aufgabe gewachsen sein wird - und wittern eine große Chance: 1975 verabschiedet das schwedische Parlament eine Verfassungsreform, die zur Folge hat, dass der König fast alle politischen Mitwirkungsrechte verliert. Die Monarchie steckt in einer schweren Krise, nur noch 63 Prozent der Schweden befürworten sie.

Die große Liebe: eine Deutsche

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1976 schließen König Carl XVI. Gustaf und Silvia Sommerlath den Bund fürs Leben.

Die Sympathien beim Volk für das Königshaus entfachen neu, als Carl Gustaf seine Braut, Silvia Sommerlath, 1976 vor den Altar führt. Er lernt die Deutsche vier Jahre zuvor bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München kennen und lieben, wo sie als Chef-Hostess arbeitet. Drei zauberhafte Kinder machen das Glück perfekt: Victoria, die durch die Änderung des Thronfolgerechts 1980 zur Kronprinzessin wird, Prinz Carl Philip und Prinzessin Madeleine. Das Königspaar lässt die drei sehr volksnah aufwachsen.

Carl Gustaf ist ein sportlicher Monarch

Während Königin Silvia vor allem durch ihr starkes soziales Engagement in Sachen Kinderförderung viel Beliebtheit erntet, ist der Monarch neben seinen königlichen Pflichten für den Naturschutz aktiv. Er ist Vorsitzender der schwedischen Sektion des "World Wide Fund for Nature" (WWF). Zudem bekleidet der König, der als Kind selbst begeisterter Pfadfinder war, das Amt des Ehrenpräsidenten der "Weltpfadfinderbewegung". Den Sommer verbringen Carl Gustaf und Silvia in der Naturidylle der Insel Öland auf Schloss Solliden. Zu seinen Hobbys zählen das Jagen, Segeln, Wasser- und Motorsport sowie das Skifahren. In den Jahren 1977, 1987 und 1997 nimmt der König sogar an dem Skirennen Vasa Ski Race teil.

Verfehlungen einer Vorzeigefamilie

Porträt

Silvia - Eine deutsche Königin für Schweden

Silvia Sommerlath lernt Carl Gustaf bei den Olympischen Spielen 1972 in München kennen und lieben. Aus der Dolmetscherin wird Schwedens deutsche Königin mit einem Herz für Kinder. mehr

Das Verhältnis von König Carl Gustaf und Gattin Silvia wird so in der Öffentlichkeit lange Zeit als Vorzeige-Ehe stilisiert. Was sonst höchstens hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, gerät mit der Biografie-Veröffentlichung 2010 zur gesellschaftlichen Debatte: Der Monarch soll im Rahmen von "Herrenabenden" käuflichen Sex in Anspruch genommen und eine außereheliche Affäre gehabt haben. Das Bild von der heilen schwedischen Königsfamilie bröckelt. Der König selbst trägt damals wenig dazu bei, die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften: Bei einer Pressekonferenz während der jährlichen Elchjagd stammelt er unbeholfen in die Mikrofone der Journalisten, dementiert nicht. Später redet er sich bei einem Interview mit der schwedischen Nachrichtenagentur TT um Kopf und Kragen - mit vagen Antworten wie, es sei Definitionssache, was nun Sex- und was Stripclubs seien.

Steckbrief

Name: Carl Gustaf Folke Hubertus Bernadotte
Titel: König von Schweden
Geburtstag: 30. April 1946
Geburtsort: Schloss Haga, Solna
Ehefrau: Königin Silvia (seit 1976)
Kinder: Kronprinzessin Victoria, Prinz Carl Philip, Prinzessin Madeleine
Sternzeichen: Stier
Kontakt: Webseite, Facebook, Instagram

Schwedische Monarchie erneut in der Krise

Auch von Schwedens Jungpolitikern bekommt der Monarch damals ordentlich Gegenwind. Nach Meinung vieler seien die Tage der Monarchie im Land gezählt. Die Zeitung "Aftonbladet" veröffentlicht eine Umfrage, nach der sich eine Mehrheit der schwedischen Politiker unter 40 Jahren für eine parlamentarische Republik ausspricht. Es ist die zweite große Krise während Carl Gustafs Regierungszeit. Doch nach außen hält das Königshaus zusammen. Die offizielle Linie zur Buchveröffentlichung lautet, man hätte "eine Seite weitergeblättert" und würde mit dem Leben weitermachen. Fotos, die den König mit leicht bekleideten Damen zeigen sollen, werden schließlich durch ein Gutachten als Montage eingestuft. Die Schweden aber haben den Skandal auch Jahre später noch nicht vergessen.

Hoffnung liegt auf dem Nachwuchs

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Drei Generationen zusammen: Carl Gustaf mit Tochter Viktoria und Enkeltöchterchen Estelle.

So blicken viele neidisch zu den Niederländern, Belgiern und Spaniern, die vorgemacht haben, wie ein würdevoller Thronwechsel noch zu Lebzeiten des Monarchen vonstatten gehen könnte. Wenn sie die Wahl hätten, würden rund 40 Prozent seine Landsleute Carl Gustaf abwählen und Kronprinzessin Victoria zu seiner Nachfolgerin bestimmen, heißt es damals. Dass sich die Schweden mit der Monarchie versöhnt haben - 2013 von wieder rund 70 Prozent der Bevölkerung befürwortet - liegt schließlich an den Frauen in der Familie: Sowohl Silvia als auch Victoria treten bescheiden auf und zeigen Volksnähe. Sie sind es, die mit ihrer Beliebtheit beim Volk punkten. Seit 2012 sorgt außerdem Victorias Töchterchen Estelle für Sonnenschein am Königshof. Madeleines Tochter Leonore kommt im Februar 2014 in New York zur Welt, Enkel Nicolas folgt im Juni 2015. Im Frühjahr 2016 wächst Carl Gustafs Familie weiter: Kronprinzessin Victoria bekommt am 2. März ihr zweites Kind, Prinz Oscar. Das schönste Geschenk zum 70. Geburtstag des Monarchen machen ihm Prinz Carl Philip und Sofia: Das Paar bekommt am 19. April erstmals Nachwuchs, Sohn Alexander. König Carl Gustaf gefällt sich in der neuen Rolle des Großvaters ebenfalls. Bleibt für die royalen Fans zu hoffen, dass dieser Aufwärtstrend weiter anhält.

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Ein König, ein Land, eine Liebe | 30.04.2006 | 16:30 Uhr