Stand: 10.10.2017 16:20 Uhr

Prinz Charles - Der ewige Thronfolger

Er ist ein Naturfreund, propagiert den biologischen Landbau und setzt seine Ansichten auch praktisch auf seinem Landsitz Highgrove in Gloucestershire in die Tat um: Charles Philip Arthur George, Prince of Wales. Mit seinen Plädoyers für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft, Öko-Lebensmittel und den Klimaschutz - ob in seinen Büchern oder handgeschriebenen Notizen an die Regierung - eckt er regelmäßig an. In einem Land, in dem die grüne Bewegung so gut wie keine politische Rolle spielt, vertritt er Randpositionen, mit denen seine britischen Landsleute immer wieder fremdeln. "Es gibt keinen Politiker, der mir bekannt ist, der ähnlich offen über bestimmte Dinge spricht. Das zeichnet ihn wirklich aus", sagt Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert über den britischen Thronfolger. "Und da spricht einer, der was davon versteht. Einer, der sich auch mal selbst die Finger schmutzig macht", erklärt er weiter. Neben seinen offiziellen Pflichten engagiert sich Charles für zahlreiche wohltätige Initiativen und Organisationen.

Abwarten und Tee trinken

Kindheit und Ausbildung des Prince of Wales

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Lächeln fürs Familienalbum: Charles, Elizabeth und Anne.

Charles kommt am 14. November 1948 in London zur Welt. Mit der offiziellen Ernennung seiner Mutter Queen Elizabeth II. zur Thronfolgerin im Jahr 1952 wird der Prinz zum britischen Thronerben ernannt. Seitdem wartet er nun auf die königlichen Weihen. Die Zeit verbringt Charles sinnvoll: Ende der 1960er-Jahre studiert er in Cambridge Archäologie, Geschichte und Anthropologie. Anschließend absolviert er eine Militärausbildung bei der Royal Air Force und der Royal Navy. 1976 quittiert er den aktiven Dienst in der Armee. Trotzdem wird er im Juni 2012 von seiner Mutter befördert - zum Feldmarschall der Armee, Flottenadmiral und General der Royal Air Force. Damit gehört Charles zu den wenigen Royals, die Fünf-Sterne-Offiziere sind.

Scheidung beendet Ehe mit Diana

Mittlerweile genießt der Prinz, der in London im St James's Palace wohnt, bei seinen britischen Landsleuten wieder ein hohes Ansehen. Doch sein Leben wird in der Vergangenheit immer wieder von Skandalen überschattet. Dabei beginnt alles so vielversprechend: Im Juli 1981 verfolgt ein Millionen-Publikum im Fernsehen seine Traumhochzeit mit der ehemaligen Kindergärtnerin Lady Diana Spencer in der Londoner St Paul's Cathedral. Zwei Söhne gehen aus dieser Ehe hervor, die Prinzen William (geboren 1982) und Harry (geboren 1984).

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Der Prinz und das Kindermädchen

750 Millionen Menschen sind an den Bildschirmen dabei, als sich der britische Thronfolger Charles und die schüchterne Diana das Jawort geben. Die schönsten Bilder der Märchenhochzeit. Bildergalerie

Doch in der vom Volk so bejubelten Ehe beginnt es bald zu kriseln, denn der Kronprinz hält weiterhin Kontakt zu seiner Ex-Geliebten Camilla Parker Bowles. In der Öffentlichkeit spricht Charles stets von einer "rein freundschaftlichen Beziehung", doch als Tonbandaufnahmen auftauchen, in denen er gesteht, gerne Camillas "Tampon" sein zu wollen, ist sein Image ramponiert. Viele Briten können nicht verstehen, dass er den "Rottweiler" - wie Camilla boshaft in der Presse genannt wird - der allseits beliebten Diana vorzieht. Es dauert Jahre, bis sich Charles von diesem öffentlichen Tiefschlag erholt. Ab 1987 trifft sich das einstige Traumpaar Charles und Diana nur noch zu gesellschaftlichen Anlässen. Im August 1996 lassen sie sich schließlich scheiden. Ein Jahr später, am 31. August 1997, kommt Lady Diana zusammen mit ihrem Lebensgefährten Dody Al-Fayed bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben.

Neues Glück mit Camilla Parker Bowles

Porträt

Camilla - Vom "Rottweiler" zur Herzogin

Über 30 Jahre ist Camilla Parker Bowles die Geliebte von Prinz Charles. Erst nach dem Tod von Diana findet die heutige Herzogin von Cornwall Akzeptanz beim Volk. mehr

So tragisch es ist: Der Tod Dianas macht Charles den Weg frei, das andauernde Verhältnis zu Camilla Parker Bowles zu legitimieren. Die Queen, die lange ein eher distanziertes Verhältnis zu Camilla hat, gibt dem Paar ihren Segen. Und auch das Volk ist milde gestimmt, als sich Camilla und Charles am 9. April 2005 in Windsor das Jawort geben. Camilla verzichtet aus Respekt vor Diana auf die Anrede "Prinzessin von Wales" und nennt sich "Herzogin von Cornwall". Prinz Charles erklärt zudem, dass Camilla für den Fall seiner Thronfolge nicht den Titel "Königin" tragen werde. Sie werde sich mit der Anrede "Prinzessingemahlin" begnügen.

Charles hält sich nicht immer ans Protokoll

Seine unangepasste Art zeichnet Prinz Charles aus. Nicht nur, weil er in politischen Fragen klar Position bezieht. Auch wenn es um Privates geht, verstößt er schon mal gegen den Verhaltenskodex des Hauses Windsor. So geschehen im Falle eines Interviews mit dem BBC-Journalisten Jonathan Dimbleby, in welchem er nicht nur seine Untreue gegenüber seiner Noch-Ehefrau Diana öffentlich machte, sondern persönliche Briefe und weitere Unterlagen zur Verfügung stellte. "So etwas darf in Königshäusern eigentlich nicht passieren, derartige Veröffentlichungen geschehen normalerweise erst, wenn die entsprechende Person tot ist", erläutert Rolf Seelmann-Eggebert in einem Interview. "Aber Prinz Charles hat gesagt: Bitteschön, ich lege die Karten auf den Tisch." Dass dabei auch unschöne Bemerkungen über seine Eltern an die Öffentlichkeit gelangten und er ihnen damit gehörig vor den Kopf stieß, nahm er in Kauf. Seine unangepasste Art zeigt sich bisweilen auch in anderer Hinsicht. "Er ist nicht unbedingt protokollbewusst", weiß Seelmann-Eggebert über seine Begegnungen mit dem Prinzen zu berichten. Als Charles und der Journalist sich zum ersten Mal begegnen, begrüßt er ihn locker, fast freundschaftlich.

Was für ein König wird Charles sein?

Steckbrief

Name: Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor
Titel: Prinz von Wales, Herzog von Cornwall
Geburtstag: 14. November 1948
Geburtsort: London
Ehefrauen: Diana (1981 bis 1996), Camilla(seit 2005)
Kinder: Prinz William, Prinz Harry
Sternzeichen: Skorpion
Kontakt: Website, Twitter, Facebook

Immer wieder gab es Spekulationen darüber, wann die Queen abdankt, und ob Charles auf seinen Thronanspruch verzichtet, damit William der nächste König wird. Ein enger Vertrauter von Charles offenbarte im US-Magazin "Time" gar, dass der Prinz gar keine Lust auf die Krone habe. Doch im britischen Königshaus wird nicht abgedankt, die Krone wird mit "kalter Hand" weitergereicht. Charles dürfte jedenfalls gut darauf vorbereitet sein, eines Tages den Thron zu besteigen - auch, wenn er mittlerweile das Rentenalter eines normalen Arbeitnehmers erreicht hat und Großvater ist.

Doch wie wäre Charles wohl als König? Dies sei laut Seelmann-Eggebert die eigentlich spannende Frage. Denn während Königin Elizabeth II. vor allem für ihre verschwiegene, dezente Art berühmt ist, wird Charles von seinen Befürwortern gerade dafür geliebt, dass er ganz offen seine Meinung sagt - selbst wenn diese nicht immer politisch korrekt ist. "Womöglich ist er sich selbst noch nicht im Klaren darüber, wie er sich überhaupt verhalten kann, wenn er die Krone trägt", erklärt der Adelsexperte. Wenn er sich zurückhaltend gibt, werden sich diejenigen wundern, die ihn für seine Offenheit lieben. Und wenn er sich weiterhin unbeirrt offen äußert, prognostiziert Seelmann-Eggebert, würden sich alle aktuellen Mitglieder des königlichen Stabs fragen: "Um Gottes Willen, was machen wir mit einem König, der so meinungsfreudig ist?" Bis es so weit ist, nimmt Prinz Charles seiner Mutter Elizabeth immer mehr repräsentative Aufgaben ab. Besonders lange Reisen in entlegene Länder stehen auf dem Dienstplan des Thronfolgers.

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Das Erste | Royalty | 19.10.2017 | 16:20 Uhr