Stand: 30.06.2016 13:05 Uhr

Großbritannien: Vom kleinen Königreich zum Empire

von Matthias Stelte
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Die Regierungszeit von Elizabeth I. gilt als das goldene Zeitalter der englischen Geschichte.

Als Elizabeth I. 1558 den Thron besteigt, liegen schwierige Aufgaben vor ihr. England ist verschuldet, und die überzeugte Protestantin muss sich gegen die Katholiken durchsetzen - besonders gegen ihre Cousine Mary Stuart, Königin von Schottland, die ebenfalls Anspruch auf den englischen Thron erhebt. Ein Aufstand zwingt die schottische Königin zur Flucht nach England. Doch Elizabeth schützt ihre Cousine nicht, stattdessen lässt sie die Widersacherin verhaften und schließlich nach 19 Jahren Haft 1587 hinrichten. Elizabeth I. heiratet nie und geht deswegen als die "jungfräuliche Königin" in die Geschichte ein. Als sie 1603 stirbt, hinterlässt sie ihrem Nachfolger ein noch immer verschuldetes Reich. Mit dem Tod von Elizabeth I. geht das Haus Tudor unter, die Krone erbt der Sohn von Mary, James I., und damit das Haus Stuart. Mit James I., der bereits König von Schottland ist, erfolgt die Vereinigung der Königreiche England und Schottland.

Republik unter der Führung Oliver Cromwells

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Für kurze Zeit lenkt Oliver Cromwell, Gründer der Republik England, die Staatsgeschäfte.

Großbritannien ist in dieser Zeit geprägt von religiösen Machtkämpfen. Sie enden im Jahr 1649 mit dem Sturz und der Hinrichtung von Charles I., der seit 1625 als Nachfolger von James I. auf dem Thron sitzt. Es folgt eine zehnjährige, von Oliver Cromwell angeführte Republik. Nach seinem Tod 1660 wird die Monarchie wiederhergestellt, mit Charles II. kommen die Stuarts wieder an die Macht. Allerdings herrschen sie nicht mehr absolut, es wird die konstitutionelle Monarchie eingeführt, bei der das Parlament ein entscheidendes Mitspracherecht hat. Versuche der Stuarts, die alte Macht wieder zurückzubekommen, scheitern endgültig mit der "Glorreichen Revolution" 1688. Das Parlament setzt schließlich König James II. ab und ernennt dessen Tochter Mary, die mit Wilhelm III. von Oranien verheiratet ist, zur neuen Herrscherin über das Vereinigte Königreich.

Könige von Hannover regieren erfolgreich

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Der dritte Monarch aus dem Haus Hannover, Georg III., regiert England mehr als 40 Jahre.

Im Jahr 1714 stirbt die Linie der Stuarts aus, auf den Thron folgt nun ein deutsches Königshaus, das bis heute eng mit der britischen Königsfamilie verwandt ist: das Haus Hannover. Eigentlich steht George I. erst an 52. Stelle der Thronfolge, doch der "Act of Settlement", der verfügt, dass nur Protestanten den Thron erben dürfen, verleiht dem Haus Hannover die Königswürde: George I. ist der nächste Protestant in der Thronfolge. Bis 1837 regieren die Könige aus dem Haus Hannover in Großbritannien. Diese Zeit ist geprägt von politischer Stabilität und dem Ausbau des britischen Weltreiches. Großbritannien verliert unter Georg III. zwar seine Kolonien in Nordamerika, kann dafür aber viele Gebiete in Afrika und Asien hinzugewinnen - ein Drittel der Welt steht 1837 unter der Herrschaft der britischen Krone.

Deutscher Einfluss bleibt erhalten

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Mit gerade einmal 18 Jahren besteigt Victoria den englischen Thron.

Victoria, die Nichte von König William IV., besteigt 1837 als erste Regentin aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha den britischen Thron. Mit ihr bleibt auch der enge Bezug zu Deutschland bestehen. Bis zu ihrem dritten Lebensjahr spricht Victoria nur deutsch, ihre Mutter ist eine deutsche Prinzessin aus dem Haus Sachsen-Coburg-Saalfeld. Königin Victoria heiratet 1840 einen Cousin mütterlicherseits. Ihre älteste Tochter, die ebenfalls Victoria heißt, ist die spätere deutsche Kaiserin und Mutter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Königin Victoria regiert 63 Jahre lang.

König dankt aus Liebe ab

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Aus Liebe zur Amerikanerin Wallis Simpson verzichtet Edward VIII. auf den Thron.

Während des Ersten Weltkrieges, als Großbritannien gegen Deutschland kämpft, ändert König George V. den Familiennamen: Der Name Sachsen-Coburg-Gotha wird, in Anlehnung an das gleichnamige Schloss, durch Windsor ersetzt. George V. stirbt 1936, sein Sohn Edward VIII. wird sein Nachfolger und beschert den Briten den bis dahin größten Skandal in der Geschichte ihrer Monarchie: Nur wenige Monate nach seiner Thronbesteigung wird bekannt, dass er ein Verhältnis mit der zweifach geschiedenen amerikanischen Bürgerlichen Wallis Simpson hat. Eine Heirat der beiden ist ausgeschlossen. Der König entscheidet sich für die Liebe und dankt ab, um heiraten zu können. Der König und seine Frau tragen bis zu ihrem Tod den Titel der Herzöge von Windsor.

Durch den Thronverzicht wird sein Bruder George VI. der nächste König des britischen Empire. Seine Regierungszeit steht im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Viele europäische Monarchen leben in den 1940er-Jahren im Londoner Exil, da ihre Heimatländer von Nazi-Deutschland besetzt sind - die britische Hauptstadt wird zum Zentrum des europäischen Widerstands. Die Königsfamilie sieht es als ihre Pflicht an, trotz der Bombardierung in London zu bleiben und die Bevölkerung moralisch zu unterstützen.

Elizabeth II. übernimmt den Thron

George VI. stirbt 1952, während sich seine Tochter, die heutige Queen Elizabeth II., auf einem Staatsbesuch in Kenia befindet. Am 2. Juni 1953 wird sie in der Westminster Abbey zur Königin gekrönt.

Porträt

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27.04.2017 16:20 Uhr

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Das Erste | Royalty | 25.12.2016 | 19:10 Uhr