Stand: 09.04.2016 15:20 Uhr

Von den Wikingern zur modernen Monarchie

von Matthias Stelte

Das dänische Königshaus, volksnah und unkompliziert, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Wurzeln der dänischen Monarchie reichen bis zu den Wikingern. Als Gründer des heutigen Dänemarks gilt Harald I. Blauzahn Gormsen. Er besteigt im Jahr 935 den dänischen und im Jahr 970 den norwegischen Thron. Mit seiner Taufe 960 beginnt auch die Christianisierung des Landes. Die erste Blütezeit erlebt das dänische Königreich zur Zeit der Hanse im Hochmittelalter: Die dänischen Könige kontrollieren fast den gesamten Ostseehandel. 1389 gelingt es ihnen, Norwegen, Schweden und Dänemark unter ihrer Führung zur Kalmarer Union zusammenzuschließen. 1523 löst sich Schweden aus der Union. Mit Norwegen bleibt Dänemark bis 1814 verbunden.

"Schwiegervater Europas"

Bild vergrößern
Einflussreich dank geschickter Heiratspolitik: Christian IX. und seine Frau Luise.

Nach dem Tod des kinderlosen Königs Christoph III. wird Graf Christian von Glücksburg 1448 dänischer König. Diese Linie regiert bis zum Tod von Frederik VIII. im Jahr 1863. Sein Nachfolger wird Christian IX. aus dem Adelshaus Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie der dänischen Königsfamilie. Der König trägt den Beinamen "Schwiegervater Europas". Durch seine Heiratspolitk gewinnt das dänische Königshaus an Einfluss in fast allen regierenden Häusern Europas: Seine Tochter Alexandra ist mit dem britischen König Eduard VII. verheiratet, sein Sohn Georg I. Wilhelm ist König von Griechenland und Maria Dagmar, das vierte seiner sechs Kinder, ehelicht Zar Alexander III. von Russland. Prinzessin Thyra ist mit Ernst August, Kronprinz von Hannover, verheiratet und sein jüngestes Kind, Prinz Waldemar, heiratet die französische Prinzessin Marie von Bourbon-Orleans. Christian IX. regiert von 1863 bis 1906.

Anonymer Tod in Hamburg

Bild vergrößern
König Frederik VIII. (links) und Kaiser Wilhelm II. treffen sich 1906 in Berlin.

Sein Sohn Frederik VIII. folgt ihm auf den Thron, er herrscht aber nur sechs Jahre über das skandinavische Königreich. Für Aufsehen sorgt weniger seine Regentschaft als vielmehr sein Tod: Nach einem Aufenthalt in Nizza macht der König einen Zwischenstopp in Hamburg. Dort soll er eine Prostituierte in der Innenstadt besucht haben. Auf dem Rückweg ins Hotel erleidet er auf dem Gänsemarkt einen Herzinfarkt und bricht tot zusammen. Zunächst weiß niemand, wer der Tote ist, darum bringt man den Leichnam in ein städtisches Leichenhaus. Die Diener des Königs finden ihn dort und veranlassen die feierliche Überführung nach Dänemark.

Osterkrise gefährdet die Monarchie

Bild vergrößern
König Christian X. will sich zunächst nicht auf eine repräsentative Rolle im Staat beschränken.

Auf Frederik VIII. folgt sein Sohn Christian X. auf den dänischen Thron. In den ersten Jahren seiner Regentschaft will sich der König nicht mit seiner repräsentativen Rolle als Staatsoberhaupt begnügen, die dem König seit einer Verfassungsänderung von 1901 zufällt. Stattdessen mischt er sich aktiv in die Politik ein und handelt damit gegen den Willen der dänischen Regierung. Höhepunkt der Auseinandersetzungen ist die sogenannte Osterkrise von 1920: Der König hat die gesamte Regierung entlassen und eine neue eingesetzt. Das führt zu Protesten und Demonstrationen, für einige Tage steht die Existenz der Monarchie in Frage. Christian X. lenkt schließlich ein und beschränkt sich von nun an auf seine repräsentative Rolle als Staatsoberhaupt. Die Sympathie seiner Landsleute gewinnt der König schließlich während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg: Christian X. reitet täglich durch Kopenhagen. Der König, aufrecht auf seinem Pferd in den Straßen der Hauptstadt sitzend, wird mit seiner reservierten Haltung gegenüber den deutschen Besatzern zum Symbol der Einheit von Volk und Krone. Christian X. stirbt 1947.

Wandel zur "normalen" dänischen Familie

Bild vergrößern
Seit 1972 Königin von Dänemark: Margrethe II. im Kreis ihrer Familie.

Unter der Regentschaft seines Nachfolgers Frederik IX. macht das Land einen atemberaubenden Wandel durch: Dänemark entwickelt sich vom Agrarstaat zum sozialen Wohlfahrtsstaat. Frederik IX., ein begeisterter Klavierspieler, ist bei den Dänen sehr beliebt: Die Königsfamilie legt Wert darauf, sich als ganz normale dänische Familie darzustellen. Weil Frederik und seine Frau Ingrid keinen Sohn haben, ändert das Parlament die Thronfolgeregelung, sodass Frederiks Tochter, die heutige Königin Margrethe, den Thron erben kann. Der König stirbt nach einer kurzen Krankheit 1972. Am 14. Januar 1972 besteigt Margrethe II. den Thron.

Porträt

Königin Margrethe - Paradiesvogel der Royals

08.04.2015 18:45 Uhr

Die Dänen lieben ihre Königin Margrethe. Sie gilt als Paradiesvogel unter den Royals und ist bekannt für ihre künstlerische Ader: Sie malt Bilder, entwirft Theaterkostüme und illustriert Bücher. mehr

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 08.04.2015 | 18:44 Uhr