Stand: 11.04.2017 15:40 Uhr

Fabiola - Königin mit sozialem Engagement

von Oliver Klebb
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Am 15. Dezember 1960 schlossen der belgische König Boudewijn und Fabiola den Bund fürs Leben.

33 Jahre stand Königin Fabiola zusammen mit ihrem Mann, König Boudewijn, an der Spitze des belgischen Staates. Geboren wurde die zierliche Frau mit den markanten silbrig-gewellten Haaren am 11. Juni 1928 in Madrid. Am 15. Dezember 1960 heiratete sie Boudewijn - wie aus dem Nichts wurde die gebürtige Spanierin plötzlich die Frau an der Seite des belgischen Regenten, der im Alter von 20 Jahren 1951 zum König gekrönt worden war. Bis heute ist nicht genau bekannt, wie und wo sie sich kennenlernten. Mit einem betont schlichten Lebensstil und als Vermittler zwischen den rivalisierenden Volksgruppen der Flamen und Wallonen gewann das Paar schnell das Vertrauen seiner Landsleute.

Schneeweißes Trauerkleid zu Boudewijns Beerdigung

Steckbrief

Name: Fabiola-Fernanda-Maria de las Victorias-Antonia-Adelaïda Mora y Aragón
Titel: Königin der Belgier (1960 - 1993)
Geburtstag: 11. Juni 1928
Geburtsort: Madrid, Spanien
Todestag: 5. Dezember 2014, Brüssel
Ehemann: König Boudewijn
Kinder: kinderlos
Sternzeichen: Zwilling

Als Boudewijn am 31. Juli 1993 in seiner Sommerresidenz im südspanischen Motril überraschend starb, wurde sein Bruder Albert König der Belgier, denn das Paar war kinderlos geblieben. Fabiola trug fortan nur noch den Titel "Königin von Belgien". In einem Meer von schwarz gekleideten Trauergästen trug Fabiola zu Boudewijns Beerdigung ein schneeweißes Trauerkleid. Und nicht nur optisch setzte die Königin ein Zeichen: Für den Trauergottesdienst in der Brüsseler Kathedrale St. Michael wünschte sie sich eine Messe der Freude, Hoffnung und Auferstehung. 21 Jahre später, am 5. Dezember 2014, starb dann Fabiola selbst im Alter von 86 Jahren auf Schloss Stuyvenberg in Brüssel. Mit einem Staatsbegräbnis verabschiedeten sich die Belgier sieben Tage später von ihr.

Sympathische und beliebte Monarchin

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So kannten die Belgier Fabiola: markante Helmfrisur und ein freundliches Lächeln.

Bis heute hat Fabiola einen Platz in den Herzen Herzen der Belgier: Sie gehörte zu den beliebtesten Mitgliedern der belgischen Königsfamilie. Als äußerst sympathisch behielt sie auch Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert in Erinnerung. Bei einer Begegnung versuchte Fabiola auf charmante Weise, den Journalisten vor einem Fauxpas zu bewahren. "Ich stand zum ersten Mal in meinem Leben vor Boudewijn und seiner Frau. Ich ging dann auf Fabiola zu und wollte ihr die Hand geben. Sie hielt die Hand auf dem Bauch und deutete mit ihrem Finger nach links. Da stand ihr Mann. Ich ging trotzdem weiter auf sie zu und gab ihr die Hand. Eigentlich nahm ich ihr die Hand geradezu. Ich begrüßte also zuerst Fabiola und dann Boudewijn. Und in dem Augenblick, als ich ihm guten Tag sagte, wurde mir klar, dass ich einen furchtbaren Fauxpas begangen hatte. Denn in den Königshäusern ist es üblich, das regierende Mitglied des Hauses zuerst zu begrüßen. Ich habe also der Nummer zwei vor der Nummer eins die Hand gegeben. Das hätte natürlich nie passieren dürfen! Zum Glück war es letztlich gar nicht so schlimm", erinnerte sich Seelmann-Eggebert.

Das Königspaar habe sich später gut mit ihm verstanden und nach seiner Entschuldigung sagte Boudewijn: "Wissen Sie, ich habe das auch so gelernt, dass ich Damen zunächst begrüße und dann Herren. Insofern bin ich sehr daran gewöhnt."

Tochter eines spanischen Grafen

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Eine Frau zum Verlieben: Königin Fabiola in jungen Jahren.

Geboren wurde Fabiola als sechstes Kind des Grafen Don Gonzalo de Mora, er gehörte zu den reichsten Großgrundbesitzern Spaniens. Doch nicht nur ihr Vater war ein Blaublüter: Durch ihre Mutter Doña Bianca, die in direkter Linie von den Königen von Aragon abstammte, floss sogar königliches Blut in Fabiolas Adern. Und wie sich eine Königin in der Öffentlichkeit benimmt, legte ihr die Mutter quasi in die Wiege: Doña Blanca de Aragón y Carrillo de Albornoz war die Hofdame der spanischen Königin Victoria Eugénie, der Großmutter von König Juan Carlos. Die spanische Monarchin wiederum wurde Taufpatin von Fabiola.

Kinderwunsch bleibt unerfüllt

Trotz eines erfüllten Lebens blieb ein großer Wunsch der belgischen Königin offen: Die Ehe mit Boudewijn blieb kinderlos. In einem Interview im belgischen Fernsehen berichtete Fabiola, dass sie in den 1960er-Jahren bei Fehlgeburten insgesamt fünf Kinder verloren hat. Zum Ersatzkind wurde im Jahr 1971 der Sohn von Boudewijns Bruder Albert: Als sich der spätere belgische König und seine Frau Paola in Skandale verstrickten, übernahm Fabiola die Erziehung des damals elfjährigen Kronprinzen Philippe.

Großes soziales Engagement

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Sie half, wo sie konnte: Königin Fabiola mit Kindern bei einem Besuch im Kongo im Jahr 1970.

Neben ihrer Muttersprache Spanisch sprach Fabiola fließend Französisch, Englisch, Italienisch und Deutsch. Seit frühester Jugend interessierte sie sich für Kunst und Literatur. Nach ihrer Schulausbildung in Madrid, Paris, Lausanne und Rom absolvierte Fabiola in einem spanischen Militärkrankenhaus eine Ausbildung als Krankenschwester. Nach ihrer Abschlussprüfung gründete sie in einem kleinen Mietshaus in Madrid eine Stiftung, die Geld für bedürftige Spanier sammelte. Doch die gläubige Katholikin half nicht nur mit Geld: Regelmäßig besuchte sie in den Arbeitervierteln der spanischen Hauptstadt Arme und Kranke, um vor Ort zu helfen. Unmittelbar nach der Hochzeit mit Boudewijn richtete Fabiola ein Sozialsekretariat im königlichen Palast ein und machte sich stark für arme Menschen, an Legasthenie leidende Kinder und benachteiligte Frauen in Entwicklungsländern. Als Vorsitzende des Königin-Fabiola-Fonds kümmerte sie sich außerdem um geistig Behinderte.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 06.12.2014 | 18:44 Uhr