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Zur SendungsseiteGeborstene Scheiben, marode Schamotte (feuerfeste Steine), rostender Stahl: Kaminöfen zu Billigstpreisen sind oft schon nach kurzer Zeit Schrott. Sind sie unter Umständen auch gefährlich?
Aus der Lagerfeuerromantik im Wohnzimmer kann bei billigen Kaminöfen schnell ein Albtraum werden. Manche werden im Betrieb glühend heiß und die Abgase sind häufig zu hoch.
Markt hat vier solcher Kaminöfen gekauft, bei Baumärkten und über das Internet - und zwar das jeweils aktuell billigste Modell im Angebot.
Experten der Schornsteinfegerschule im westfälischen Dülmen haben sie dann einem Praxistest unterzogen. Exakt nach Bedienungsanleitung der Hersteller haben sie die Öfen befeuert und bedient.
Schon bei Durchsicht der Bedienungsanleitung tauchte bei einem der Kaminöfen ein erstes, möglicherweise brandgefährliches Problem auf. Beim Modell "Fuego V1" (gekauft bei Otto.de für 299,99 Euro) empfiehlt der Hersteller aus Kroatien, zwei bis drei Stücke Scheitholz, zusammen 2,5 Kilogramm, aufzulegen. "Wenn ich das mache", wundert sich unser Tester, der Bezirksschornsteinfeger Hans-Eberhard Kopp, "habe ich im Ofen eine Leistung von 13 bis 14 Kilowatt erzielt. Der Ofen ist aber nur auf sechs Kilowatt ausgelegt." Und sein Kollege, Bezirksschornsteinfeger Günter Gaux ergänzt: "Damit ist der Ofen um hundert Prozent überlastet, der kleine dünne Stahlofen würde sich sofort verziehen."
Bedenkliche Verarbeitungsmängel stellten unsere Experten bei zwei anderen Kaminöfen fest. Beim Modell "Rubin" (gekauft bei Hornbach für 195,00 Euro) ließ sich der Regler für die Primärluftzufuhr nicht ordnungsgemäß bedienen. Er saß viel zu wackelig in der Führungsschiene und schloss deshalb nicht richtig. Beim Modell "Dresden" (gekauft bei Praktiker für 199,99 Euro) klemmte der Regler schon nach kurzem Anheizen und ließ sich nur mit einem Hammer lösen. Grund: Das dünne Stahlblech hatte sich verzogen.
Auch die Schamotte an der Rückwand des Ofens "Dresden" begannen sich schon nach kurzer Zeit aufzulösen. Zwischen den seitlichen Schamottsteinen zeigte sich ein breiter Spalt, durch den die Hitze ungehindert auf die äußere dünne Stahlwand durchglühen konnte. Noch gravierender in den Augen unserer Experten: "Die Schweißnähte am Ofen-Korpus des Modells "Dresden" sind nicht durchgängig geschweißt, sondern nur genietet." Daher bestehe die Gefahr, "dass der Ofen im schlimmsten Fall irgendwann in mehrere Teile auseinander fallen kann", so Hans-Eberhard Kopp.
Bei allen vier Kaminöfen bemängelten die Experten der Schornsteinfegerschule Dülmen sehr hohe Oberflächentemperaturen am äußeren Stahlmantel. Im Falle des "Fuego V1" von Otto betrug diese Temperatur sogar mehr als 200 Grad Celsius. Davon, warnt Schornsteinfegermeister Günter Gaux, gehe eine erhebliche Verbrennungsgefahr vor allem für Kleinkinder aus - in seinen Augen "ein ganz typisches Problem bei Öfen der Billigst-Preisschiene, weil sie direkt auf den äußeren Stahlmantel heizen".
Noch alarmierender beim "Fuego V1", so unsere Experten: Beim Heizen des Ofens nach Bedienungsvorschrift (also "zwei bis drei Scheite" mit einem Gesamtgewicht von "2,5 Kilogramm") werde der Grenzwert für die Abgastemperatur im Ofenrohr erheblich überschritten. Dieser Grenzwert beträgt 400 Grad Celsius, gemessen wurden jedoch 447 Grad. Damit, so Schornsteinfegermeister Günter Gaux, dürfte "dieser Ofen im Grunde genommen wegen des Fehlers in der Bedienungsanleitung nicht zugelassen" sein, er stelle "jedenfalls eine Feuergefahr und eine Brandgefahr dar".
Brandgefahren gehen nach Einschätzung der Schornsteinfeger auch vom "Magna 1" aus (gekauft bei OBI für 199,00 Euro). Denn bei diesem Kaminofen stellten sie fest, dass laut Typenschild ein seitlicher Mindestabstand zu brennbaren Baustoffen oder Materialien genannt wird. Solche Angaben für Mindestabstände (seitlich, nach vorne und nach hinten) sind rechtlich vorgeschrieben, können aber vom Hersteller selbst festgelegt werden. Die Höchsttemperatur auf der Oberfläche von brennbaren Baustoffen oder Materialien bei Einhaltung dieser Mindestabstände darf 85 Grad Celsius nicht übersteigen. Diese Höchsttemperatur wurde im Praxistest beim "Magna 1" jedoch mit rund 90 Grad Celsius deutlich überschritten. "Aufgrund dieser Oberflächentemperatur kann es zu einer Selbstentzündung kommen", warnt Experte Günter Gaux deshalb, "und dann fängt es an zu brennen, dann haben wir einen Wohnungsbrand."
Als Letztes haben die Schornsteinfeger geprüft, ob die in der Bundesimmissionsschutzverordnung für die Zulassung von Kaminöfen festgelegten Grenzwerte für Kohlenmonoxid und Staub beim Praxisbetrieb eingehalten werden. Auch in diesem Punkt war das Ergebnis desolat. Zwar weisen die Hersteller aller vier Öfen in ihren Prüfgutachten für die Zulassung Werte nach, die erheblich unter den Grenzwerten liegen. Der nach Vorgaben der jeweiligen Bedienungsanleitungen durchgeführte Praxisbetrieb kommt jedoch zu ganz anderen Ergebnissen: Die Grenzwerte für die Zulassung wurden bei allen vier Öfen erheblich überschritten - zum Teil um ein Vielfaches.