Augen auf beim Wechsel des Stromanbieters
Eigentlich ist er ganz einfach. Manchmal sperren sich aber die alten Lieferanten gegen den Wechsel. Deshalb hat Markt seine Serivceinformationen noch einmal ergänzt. mehr
Auf der Suche nach günstigen Stromtarifen, Kfz-Versicherungen oder Kreditzinsen nutzt so mancher Schnäppchenjäger die verschiedenen Vergleichsportale im Internet. Doch was viele nicht wissen: Diese Portale sind nur selten objektiv, das Ranking wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Der Grund: Die meisten Portale verdienen ihr Geld damit, dass Verbraucher nach dem Vergleich einen Vertrag abschließen, zum Beispiel eine KFZ-Versicherung. Für diese Vertragsvermittlung kassieren die Portale eine Provision.
Sie versprechen Transparenz im Tarifdschungel. Was aber kaum einer weiß: Viele Portale listen nur Anbieter auf, mit denen sie auch Verträge abgeschlossen haben.
Markt macht eine Stichprobe und sucht auf vier verschiedenen Vergleichsportalen nach einer KFZ-Versicherung für einen vier Jahre alten Golf. Die Angaben immer gleich, die Ergebnisse auf allen vier Portalen aber unterschiedlich. Das liegt daran, dass nicht alle KFZ-Versicherungen mit allen Vergleichsportalen Provisionsverträge haben. Die Folge: Die meisten Vergleichsportale vergleichen tatsächlich nicht alle führenden Anbieter von KFZ-Versicherungen.
Der Marktführer unter den Vergleichsportalen, check24.de, listet beispielsweise in seinem Vergleich nicht die Angebote der HUK. Dabei ist die HUK Marktführer im Bereich KFZ-Versicherungen. Die HUK wiederum betreibt gemeinsam mit den Versicherern WGV und Talanx ein eigenes Portal: Transparo.de. In unserer Stichprobe landen bei diesem Versicherungsvergleich tatsächlich nur Versicherungen der Eigentümer auf den oberen Plätzen. Möglicher Grund: Die direkte Konkurrenz macht bei Transparo.de nicht mehr mit.
Ein zweites Problem liegt in der Komplexität des KFZ-Versicherungsvergleiches. In vielen Fällen landet auf den oberen Plätzen eine Versicherung, die zwar günstig ist, aber nicht die voreingestellten Wünsche erfüllt.
Auch hier machen wir eine Stichprobe. Wir suchen nach einem günstigen Ratenkredit. Wieder stellen wir fest: Die Ergebnisse unterscheiden sich. Manchmal taucht dieselbe Bank mit unterschiedlichen Zinssätzen auf. Manche Banken erscheinen mit ihren Angeboten nur in ausgewählten Vergleichen.
Gerade beim Ratenkreditvergleich rät Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zur Vorsicht. Denn die angegebenen Zinsen sind in der Regel nur der Einstiegssatz. Ein Werbeangebot, das die wenigsten Kunden bekommen werden. Der tatsächliche Zins ist in der Regel abhängig von den Einkommensverhältnissen des Kunden und wesentlich höher. In den Vertragsdetails müssen die Banken einen Zins-Mittelwert angeben. Dieser gibt eine deutlich höhere, aber auch bessere Bewertung des Kreditangebots.
Vorsicht gilt auch bei Finanzvergleichsportalen, die von Finanzdienstleistern selbst betrieben werden. In unserer Stichprobe haben wir festgestellt, dass Vergleich.de einen Ratenkredit von der "Dr. Klein GmbH" empfiehlt. Vergleich.de ist eine 100-prozentige Tochter von "Dr. Klein".
Vergleichsportale leben davon, dass die Verbraucher möglichst oft das Bedürfnis haben, den Anbieter zu wechseln. Dafür wird die mögliche Ersparnis durch einige Vergleichsportale gerne ein bisschen schöngerechnet. Beliebte Hilfsmittel: Voreinstellungen wie Vorkasse, Kaution und Boni.
Das führt dazu, dass Verbraucher teils zu unseriösen Anbietern gelotst werden. Tausende Stromkunden hatten über Vergleichsportale zum Billiganbieter Teldafax gewechselt und ihre Stromrechnung ein Jahr im Voraus bezahlt. Teldafax ging pleite, die Vorauszahlungen sind verloren.
Das führende Vergleichsportal im Energiebereich, verivox.de, hat inzwischen die Voreinstellungen geändert. Jetzt wird der Kunde explizit gefragt, ob er die Voreinstellungen Kaution und Vorkasse wünscht. Neukundenboni werden aber weiterhin automatisch eingerechnet.
In unserer Stichprobe enthielt das günstigste Angebot bei verivox.de einen Neukunden-Bonus von 270 Euro, der per Voreinstellung mit eingerechnet wurde. Der Haken: Es handelte sich um einen Zwei-Jahresvertrag. Im zweiten Jahr hätte der Bonus gefehlt und der Preis hätte dann um 270 Euro höher gelegen, ohne dass der Verbraucher hätte wechseln könnte. Auf Anfrage von Markt teilt Verivox mit, dass seine Kunden laut einer aktuellen Umfrage die Berücksichtigung von Boni wünschten. Inzwischen hat Verivox die Voreinstellungen dennoch verändert: Jetzt werden nur noch Zwölf-Monats-Tarife angezeigt, das solle Ergebnisse transparenter machen, so Verivox.
Es fällt auf: Bei Berücksichtigung von Boni landen Verivox-Partner oben im Ranking. Deaktiviert man diese Voreinstellung, sind die günstigen Anbieter keine Vertragspartner von verivox.