Starthilfe geben, aber richtig

Die eisigen Temperaturen belasten Batterien enorm. Springt das Auto nicht mehr an, muss Starthilfe gegeben werden. Doch wie genau geht das nochmal? Wir machen den Test. Der ADAC präpariert für uns ein Testfahrzeug und tauscht die funktionstüchtige Batterie gegen eine fast entladene aus. Der Anlasser dreht noch, aber der Motor springt nicht mehr an.

Starthilfe geben, aber richtig

Gerade bei eisigen Temperaturen passiert es häufig, dass der Motor nicht mehr anspringt. Die Batterie braucht dann Starthilfe. Aber wie geht das genau und vor allem gefahrlos?

Auf dem Parkplatz eines Großmarktes bitten wir andere Autofahrer um Starthilfe. Ein Experte schaut, dass nichts passiert, denn die Hilfsbereitschaft der Leute ist groß, die Ahnungslosigkeit aber auch. 20 Leute nehmen an unserer Stichprobe teil. Keiner macht es richtig. Das ist selbst für Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC eine dicke Überraschung: "Das Ergebnis ist erschreckend. Die Leute lesen offenbar ihre Bedienungsanleitungen nicht und sie vertrauen darauf, dass schon alles passt, denken aber nicht daran, dass sie im schlimmsten Fall ihre Bordelektronik zerstören können - oder die Batterie in die Luft fliegt."

Wenn die Pole vertauscht werden

Wir simulieren einen typischen Fehler: Plus- und Minus-Pol werden vertauscht. Das kann passieren, wenn die Markierungen auf einer verdreckten Batterie kaum noch zu erkennen sind. Es gibt einen Kurzschluss, aus der Klemme des Starthilfekabels schlagen Funken. Wäre die Batterie voll geladen, würde sie explodieren.

So geht's richtig

  • Merke: Die Reihenfolge der Handgriffe erfolgt zusagen im Kreis.
  • Man fängt beim Pannenfahrzeug an. Das rote Kabel ist Plus und geht zum Pluspol der Batterie des Spender-Fahrzeugs.
  • An der Spender-Batterie wird dann das schwarze Minus-Kabel an den Minuspol geklemmt.
  • Dann geht es zurück zum Pannenauto: Die andere Seite des Minus-Kabels wird aber nicht am Minuspol der Batterie, sondern an unlackiertes Metall im Motorraum geklemmt.
  • Anschließend startet man zuerst das intakte Auto, dann das Pannenfahrzeug.
  • Springt es an, schaltet man elektrische Verbraucher wie Heizung, Licht oder Gebläse ein, damit es nicht zu Überspannungen kommt, die der Autoelektronik schaden.
  • Die Kabel schließlich in umgekehrter Reihenfolge abklemmen.

Um eine schlappe Batterie wieder fit zu machen, muss man eine Weile fahren. 20 Minuten reichen oft nicht aus, denn eine kalte Batterie nimmt den Strom schlecht an. Wichtig auch: Gute Überbrückungskabel haben Schutzschalter. Die verhindern Spannungsspitzen und damit Elektronikschäden. Solche Kabel gibt es ab etwa 45 Euro.

Weitere Informationen
Autos schneien ein © dpa-Bildfunk Fotograf: Stefan Sauer - dpa-Bildfunk
 

Pannenhilfen kaum zu erreichen

Die klirrende Kälte stellt viele Autofahrer auf die Geduldsprobe. Der ADAC meldet Rekordeinsatzzahlen seiner Pannenhelfer. Die Hotline war zeitweise überlastet. mehr

Anschieben als Alternative?

Was aber, wenn kein Starthilfekabel zur Hand ist? Viele Teilnehmer unserer Stichprobe empfehlen, Leute zu suchen, die anschieben. Das funktioniert bei einem Benziner, bei einem Diesel-Fahrzeug wird es aber ziemlich mühsam und bei einem Auto mit Automatikgetriebe ist es sogar unmöglich. Falls die Batterie gar nicht schuld ist an der Panne, kann Anschieben sogar schädlich sein, erläutert Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC: "Beim Anschieben kann unverbrannter Kraftstoff in den Katalysator gelangen und dort für Schäden sorgen. Außerdem untersagen die meisten Hersteller inzwischen, ein Fahrzeug so zum Laufen zu bringen."

Am besten vorsorgen

Um Pannen von vornherein zu vermeiden, sollte man die Batterie kontrollieren und die Pole reinigen lassen. Denn dort können Kriechströme entstehen, die den Akku entladen. Auch dünnflüssige Leichtlauföle schonen die Batterie. Sie bringen den Motor bei Kälte leichter zum Laufen und sparen dadurch Energie.

Übrigens: Sind bei einer Panne keine Helfer in Reichweite, kann man auch ein Taxi bestellen. Einige Unternehmen bieten die Pannenhilfe zum Festpreis für rund 15 Euro an und schleppen bei Bedarf sogar noch in die Werkstatt.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/auto_verkehr/starthilfe101.html
Logo der Sendung Markt © NDR
Nächste Sendung: 04.06.2012 20:15 Uhr

Markt

Markt berichtet über die aktuellen Themen zu Wirtschaft und Sozialfragen sowie Hintergrundinformationen zum Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Zur Sendungsseite
Weitere Informationen
Geldschein in Tank © fotolia.com Fotograf:  babimu
 
Video

Das miese Spiel um teures Benzin

Markt macht den Tankstellen-Check. mehr

Links
Das Logo des ADAC auf einer Motorhaube eines Autos. © dpa picture alliance Fotograf: Wolfram Steinberg
 
Link

Der Autoclub informiert über Hilfen im Pannenfall

Link in neuem Fenster öffnen