Luft im Eis: Wie Hersteller Kosten sparen

von Heike Dittmers

Wer im Supermarkt und bei Discountern Eis einkauft, hat vielleicht auch schon einmal bemerkt, dass sich die Packung manchmal merkwürdig leicht anfühlt. Der Verdacht: Mit dem Speiseeis aus Supermärkten und Discountern wird getrickst. Hausgemacht wird Fruchteis etwa mit einem hohen Anteil an echten Erdbeeren. Vanilleeis enthält im Idealfall viel Sahne, Milch und Vanille-Mark. Und handgemachtes Schokoladeneis wird zum Beispiel mit Kuvertüre hergestellt. Zutaten, die in Produkten aus Supermärkten und Discountern zu immer geringeren Anteilen enthalten sind.

Bis zu 50 Prozent Luft-Anteil im Eis

Der billige Trick der Hersteller: Statt vieler Zutaten steckt im Eis vor allem viel Luft. Wir haben stichprobenartig Produkte nachgewogen, und sowohl im Marken-Eis, als auch in der Eigenmarken-Eiscreme einen Luftanteil von bis zu fünfzig Prozent gefunden. Ein Vanilleeis mit 2.500 Millilitern wog zum Beispiel nur 1.300 Gramm. Der Hamburger Bioeis-Hersteller Hilmar Jaedicke meint dazu: "Da ist viel zu viel Luft drin. So können die Hersteller natürlich auch Zutaten sparen." Fast jedes Eis enthält zwar Luft, um eine gewisse Cremigkeit zu erreichen. Jaedicke hält jedoch einen Luftanteil im Vanilleeis von nur zwanzig Prozent für angebracht.

Pflanzenfett ersetzt Milchfett

Eine weitere Zutat, die mittlerweile in Speiseeis verwendet wird, dort aber eigentlich nicht hineingehört, ist Pflanzenfett. Vorteil für die Hersteller: Pflanzenfett ist meist deutlich günstiger als Milchfett. Einige Produkte werden mit dem Zusatz "mit Sahne verfeinert" beworben. Tatsächlich sind jedoch nur sechs Prozent beziehungsweise acht Sahne enthalten. Viel zu wenig, wie Hilmar Jaedicke findet: "Um ein anständiges cremiges Eis traditionell herzustellen, brauche ich 30, besser noch 40 Prozent Sahne".

Aroma aus Schimmelpilzen oder Holz

Einige der industriellen Hersteller arbeiten mit „natürlichen Aromen“. Ein Begriff, der  Verbraucher häufig in die Irre führt, erklärt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Denn der Stoff müsse zwar aus einem "natürlichen" Ausgangsstoff hergestellt werden, doch das könne auch Schimmelpilz oder Holz sein. Ist der Ursprung tatsächlich die namensgebende Frucht, dann wird dies auch angegeben: natürliches Erdbeeraroma zum Beispiel wurde aus der Erdbeere gewonnen.

Fazit: Wer gutes Eis kaufen möchte, muss mühsam Zutatenlisten studieren, denn sonst kauft er vielleicht Billigzutaten an viel Luft.

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Markt | 02.07.2012 | 20:15 Uhr

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