Räucherlachs vom Discounter oft keimbelastet

Billiger Räucherlachs vom Discounter beziehungsweise  aus dem Supermarkt ist häufig fast verdorben. Die Keimbelastung liegt in vielen Fällen weit über dem von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie festgelegten Richtwert. Das haben Recherchen von Markt ergeben.

Stichprobenartig haben Mitarbeiter der Redaktion Räucherlachs-Packungen bei führenden Discountern und in Supermärkten gekauft. Mehrere Sorten wurden überprüft: Jeweils die günstigsten aus dem Sortiment von Aldi, Lidl, Penny, Rewe und Sky. Dazu drei Wildlachs-Angebote von Sky, Lidl und Penny, um zu prüfen, ob die deutlich teurere sogenannte Premium-Qualität besser abschneidet.

Mancher Räucherlachs keimbelastet

Lecker, bekömmlich und günstig? Markt hat mehrere Räucherlachs-Packungen untersuchen lassen. Das erschreckende Ergebnis: In sieben Proben war die Keimbelastung deutlich erhöht.

Manche Proben fielen durch unangenehmen Geruch auf

Sachverständige vom KIN Lebensmittelinstitut im schleswig-holsteinischen Neumünster haben die Proben getestet. Schon bei der sensorischen Prüfung fielen einige Räucherlachsproben durch. Gründe: unangenehmer Geruch, traniger Geschmack, unappetitliche, rötliche Blutgerinnsel im Lachsfleisch. Aber auch die deutlich teureren drei Wildlachs-Proben konnten die Verkaufskategorie "Premium-Lachs" in den Augen der Experten nicht erfüllen. Sie hielten sie für "viel zu salzig", "zu stark geräuchert" und mit "bitter im Nachgeschmack".

Proben überschreiten Richtwert deutlich

Noch schlimmer fielen die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung aus. Eine Gesamtkeimzahl von einer Million pro Gramm gilt nach dem Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie als unbedenklich. Bei sieben von acht Proben wurde dieser Wert jedoch deutlich überschritten - einmal sogar um das 300-Fache. Nur der Wildlachs von Penny wurde von den Mikrobiologen in unserer Stichprobe nicht beanstandet.

Eine überhöhte Keimbelastung kann nach Angaben von Medizinern zu Erbrechen und Übelkeit führen, typischen Merkmalen einer Lebensmittelvergiftung. Doch wie können Verbraucher erkennen, ob sie gute Qualität bekommen? Und wie können sie vermeiden, Räucherlachs mit einer zu hohen Keimbelastung einzukaufen?

Dazu folgende Tipps:

  • Auf jeden Fall auf das sogenannte Verbrauchsdatum achten. Dieses Datum zeigt an, bis zu welchem Zeitpunkt ein in Folie verpackter Räucherlachs verkauft werden darf. Weil nicht nur der aktuelle Bericht des NDR, sondern auch in den Vorjahren durchgeführte Test (unter anderem der "Stiftung Warentest") immer wieder überhöhte Keimbelastungen aufgedeckt haben, empfehlen Ernährungsexperten der Verbraucherzentralen, den Lachs möglichst schon einige Tage vor Ablauf des Verbrauchsdatums zu verzehren.

  • Das Fleisch des Lachses sollte keinerlei Verfärbungen und keine roten Punkte aufweisen. Verfärbungen deuten auf unregelmäßige Räucherung hin, rote Punkte auf Blutreste aus der Verarbeitung.

  • Herkunft und Fangart sind auf der Verpackungsrückseite  aufgeführt. Die Bezeichnung "aus Aquakultur" weist dabei darauf hin, dass es sich um Lachse handelt, die in Fischfarmen aufgezogen und mit sogenanntem Turbofutter ernährt worden sind. Diese Lachse haben einen deutlich höheren Fettanteil, als die in freier Natur aufgewachsenen, gefangenen Lachse. Ein hoher Fettanteil ist dabei nicht identisch mit einem hohen Anteil der nach Einschätzung von Ernährungsexperten wertvollen Omega-3-Säuren.

  • Die Bezeichnung "Wildlachs" bezieht sich auf die Fangart. Dass muss aber längst nicht immer heißen, dass es sich bei dem betreffenden Produkt um "mit der Angel" gefangenen Lachs handelt. Solche Lachse machen nur einen sehr geringen Anteil des Angebots bei Discountern und Supermärkten aus. Sie sind dann meist mit dem Label "Gefangen mit der Angel" gekennzeichnet - und in der Regel nicht unter sechs Euro pro hundert Gramm zu haben. Der weitaus größte Teil der als "Wildlachs" bezeichneten Angebote stammt aus dem Pazifik und wurde mit großen Fisch-Trawlern und Netzen gefischt.

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Wildlachsfilets auf Eis. © dpa - Fotoreport Fotograf: epa PA Matt Writtle
 

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Nächste Sendung: 04.06.2012 20:15 Uhr

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