Küchen-Kräuter für Garten und Balkon
Oregano, Rosmarin und Co. - auch wenn Sie keinen eigenen Garten haben, brauchen Sie auf die aromatische Vielfalt der Kräuter nicht zu verzichten. mehr
Im Supermarkt sah Ihr Basilikum toll aus, aber schon nach zwei Tagen auf Ihrer Fensterbank ist es fast tot? Mit diesem Problem sind Sie nicht alleine. Wir haben uns umgehört und festgestellt: Basilikum ist Deutschlands Sorgenpflanze Nummer Eins. Aber was fehlt der Pflanze auf der Fensterbank? Die Sonne, die Pflege oder vielleicht die Liebe?
In den Supermärkten locken grüne gesunde Pflanzen, doch auf der heimischen Fensterbank überlebt der Basilikum nur wenige Tage. Warum ist das so und lässt sich das ändern?
Die Antwort darauf suchen wir dort, wo gesunde, saftige Basilikumpflanzen wachsen, so weit das Auge blicken kann: in Niedersachsen. In den Gewächshäusern von Gerhard Schulz in Papenburg wachsen viele der Pflanzen, die nachher in den Supermärkten und Discountern in den Regalen stehen. Für seinen Basilikum schafft Gerhard Schulz perfekte Bedingungen: Klimacomputer sorgen für gleichbleibende 20 Grad, Lampen dafür, dass genug Licht den Basilikum erreicht, Schattensegel dafür, dass er wiederum nicht verbrennt. Gewässert wird nur wenig. "Leider setzen die Hausfrauen das Basilikum in die Untertasse und lassen es permanent im Wasser stehen. Das ist natürlich der Tod der Pflanze", sagt Gerhard Schulz.
Aber es liegt nicht nur an den Hausfrauen und -männern sowie den schlechten Verhältnissen in deutschen Küchen, dass das Basilikum auf der Fensterbank selten lange blendend aussieht. "Sie sind nicht immer Schuld", tröstet Gerhard Schulz. "Es müsste einfach auf der ganzen Lieferkette mehr Sorgfalt geübt werden. Wenn die Pflanze ein oder zwei Tage im Kühlhaus steht, ist das natürlich Gift für eine Pflanze, die eigentlich 20 Grad haben will." Weil die Bedingungen außerhalb des Gewächshauses selten ideal sind, sind viele Basilikumpflanzen schon am Ende ihrer Kräfte, wenn sie in der Küche ankommen. Die Pflanzen aus dem Supermarkt sind ohnehin nicht sehr robust. Gewächshauszeit kostet viel Geld, deshalb müssen die Pflänzchen schnell wachsen. Gerade einmal sieben Wochen bleiben ihnen, um bis zur Verkaufsgröße heranzuwachsen. Das macht sie empfindlich. "Wir Gärtner leben hier vom Verkauf des Basilikums und nicht von der Beratung, dann könnten wir unseren Betrieb dicht machen, und ich müsste meine Leute entlassen," sagt Gerhard Schulz, "wir kultivieren Basilikum für die schnelle Küche, und nach einer Woche kaufen sie bitte eine neue Pflanze!"
Bedeutet das, dass Basilikum aus dem Supermarkt bei uns zuhause quasi keine Überlebenschance hat? Oder kann man den Pflänzchen aus dem Supermarkt mit guter Pflege doch zu einer längeren Lebensdauer verhelfen? Um das zu erfahren, haben wir in großen Supermärkten und Discountern Basilikumpflanzen eingekauft und zu Gärtner Dietmar Schwarz vom Bildungszentrum für Gartenbau in Hamburg gebracht. Eine Woche lang wurden die Pflanzen dort beobachtet und unterschiedlich gepflegt: Gruppe eins erhielt nur ein bis drei Esslöffel Wasser pro Tag, von Gärtner Schwarz liebevoll mit der Pipette verabreicht. Gruppe zwei erhielt eine Portion Dünger, weil wir oft gehört hatten, dass die Basilikum-Erde kaum Nährstoffe enthält und die Pflanzen deshalb nach kurzer Zeit verhungern. Gruppe drei bedurfte der meisten Zuwendung: Dietmar Schwarz musste die Pflanzen vereinzeln, also aus jeden Basilikumtopf drei machen. Weil in einem Pott aus dem Supermarkt nie eine Basilikumpflanze steckt, sondern bis zu 20 - damit es schön buschig aussieht - nehmen sich die Pflanzen nämlich gegenseitig schnell Platz und Nährstoffe weg.
Lohnt sich die Mühe? Eine Woche lang päppelte Gärtner Schwarz die Pflanzen - ohne Erfolg. Ein bis drei Esslöffel Wasser reichen nicht aus - nach einer Woche sahen die Pflanzen ziemlich vertrocknet aus. Bei den vereinzelten Pflanzen gab es einige Töpfe, die recht gesund wirkten, allerdings mindestens genauso viele, die reif für den Kompost waren - dahingerafft von einer Pilzerkrankung. Den Pilz hatten die Pflanzen zwar schon mitgebracht, durch den Stress beim Umtopfen war er aber deutlich schlimmer geworden. Am besten sah nach einer Woche die Gruppe aus, die gedüngt wurde. Allerdings vermutet Gärtner Schwarz, dass das weniger mit dem Dünger, als mit der ausreichenden Wasserversorgung zu tun hat. "Total fantastisch, so dass man jetzt sagen könnte: Ja, das ist die Methode, wie man zukünftig Basilikum pflegen kann - da würde ich jetzt alle drei Varianten ausschließen", urteilte der Gärtner am Ende.
Fazit: Wer dauerhaft Freude am Basilikum haben will, muss selber pflanzen. Mit Saatscheiben geht das ganz einfach. Sie sehen aus wie Teebeutel und werden oben auf einen mit Erde gefüllten Topf gelegt. Die Samenkörner stecken gleich schon im richtigen Abstand in den Saatscheiben. Die beste Zeit zum Pflanzen beginnt im April. Zum Schluss noch ein Tipp zur Basilikumernte von Gärtner Schwarz: Bloß nicht hier und da ein schönes Blatt abrupfen, das schadet der Pflanze und sie sieht schnell zerrupft aus. Besser: Immer einen ganzen Trieb abkneifen, knapp über der Verzweigung. So können die jungen Blätter von unten nachtreiben und man hat länger etwas von seinem Basilikum.