Straße der Achttausender (2)

Von Tibet nach Sikkim

Dienstag, 10. Oktober 2017, 13:15 bis 14:00 Uhr

Die Straße der Achttausender ist eine Sehnsuchtslinie, einmalig auf der Welt: Die 14 höchsten Berge des Planeten reihen sich auf zu einer imaginären Kette. Zehn der imposanten Gipfel liegen im Himalaya, vier im angrenzenden Karakorum. Sie verteilen sich auf die Länder Indien, Nepal, Pakistan und China mit dessen autonomen Provinzen Tibet und Xinjiang.

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Buddhisten glauben, dass ihre Gebete in den Himmel getragen werden, wenn die Gebetsfahnen vollständig verwittert sind.

Die Route zu bereisen, ist nicht einfach: Indien verlangt Sondergenehmigungen für das Sperrgebiet am Kanchenjunga, Tibet ist über weite Teile des Jahres für Fremde geschlossen, vor Reisen zu den pakistanischen Achttausendern warnt jedes Außenministerium. Doch die Mühe lohnt sich. Im Laufe der Reise wechseln Völker, Sprachen, Speisen und Rituale, Tempel und Klöster, Moscheen und Kultstätten, Saddhupilger und Sufimusiker, subtropische Gegenden und wüstenartige Unwirklichkeit, große Hitze und extreme Kälte.

Das höchst gelegene buddhistische Kloster der Welt

Im zweiten Teil der Reise entlang der höchsten Berge der Welt nähern wir uns nach mehr als zweieinhalbtausend Kilometern durch Pakistan und China wieder den höchsten Bergen der Erde und damit Tibet. Über Gyantse und Shigatse erreichen wir das Basislager des Mount Everest, der in Tibet Chomalungma heißt, und zelten auf 5.300 Metern Höhe am Rombuk-Kloster, dem höchst gelegenen buddhistischen Kloster der Welt. Die Mönche und Nonnen halten extra für uns eine Puja ab, ein Verehrungsritual, und beten für unser weiteres Reiseglück, während sich der höchste Berg der Welt in immer anderen Facetten und Gesichtern präsentiert.

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Der Potala-Palast in Lhasa war bis 1959 der Regierungssitz der Dalai Lamas.

Sehr beschwerlich und voller Kontrollen ist die Weiterreise nach Lhasa. Immer noch ist der Potala ein heiliger Pilgerort des tibetischen Buddhismus und früherer Regierungssitz der Dalai Lamas. Rundherum hat sich jedoch das moderne China etabliert mit Steakhäusern, chinesischen Hochzeiten, gleichsam einem "buddhistischen Disneyland".

Nepal vor den schrecklichen Erdbeben

Über die Friendship-Road führt der weitere Reiseweg zu den Basislagern der Achttausender Cho Oyu und Shishapagma nach Nepal, die das Filmexpedition vor den schrecklichen Erdbeben von 2015 erreicht. Hier erleben wir das Miteinander von Hinduismus und Buddhismus, treffen eine junge einheimische Bergsteigerin, die vom Gipfelglück auf den Achttausendern berichtet und besuchen im Kathmandutal ein Heim für Kinder, die Opfer von Missbrauch geworden sind. Im heiligen Tempel Pashtupatinath erleben wir Leichenverbrennungen und in sehr offenen Weise den Umgang mit Tod und Vergänglichkeit. Auf dem Weg in die hohen Berge besuchen wir das Reich der Gurkhas, das später besonders von dem Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wird, und lernen einen Gurkha-Soldaten kennen, der sein ganzes Leben als Söldner in der britischen Armee verbracht hat.

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Der Cho Oyu, der sechsthöchste Berg der Welt.

In Pokhara lebt Alexander Maximov, der sich auf Ultralight-Flüge vor dem Massiv von Dhoulagiri, Manaslu und Annapurna spezialisiert hat und uns auf einen seiner abenteuerlichen Flüge mitnimmt. Durch den Chitwan Nationalpark mit seinen seltenen Krokodilarten und Panzernashörnern geht der Weg nach Sikkim zu dem dritthöchsten Gipfel der Welt, dem Kangchendzänga. Der abenteuerliche Aufstieg im Regen führt durch Rhododendronwälder und drei Klimazonen. Am Fuße des Achttausenders liegt Darjeeling, Heimat des legendären Tees.

Das Erdbeben in Nepal und die Folgen

  • Was ist passiert?

    Am Morgen des 25. April 2015 um 11.56 Uhr Ortszeit erschüttert ein schweres Erdbeben den Himalaya-Staat Nepal. Die schweren Erdstöße mit der Stärke 7,8 wüten in 30 von 75 Distrikten. Allein am selben Tag werden 16 Nachbeben der Stärke 5 registriert. Es ist die bislang schwerste Katastrophe in der Geschichte des Landes.

    Quelle: Unicef

  • Warum ist es passiert?

    Seit mehr als 40 Millionen Jahren stößt die indische Platte auf die eurasische und faltet dabei das höchste Gebirge der Welt auf, den Himalaya. Zwar läuft diese Kollision mit rund 40 Millimetern pro Jahr nach menschlichen Maßstäben in Zeitlupe. Aber die Spannungen, die sich dabei aufbauen, sind gewaltig: Sie lösen immer wieder starke Erdbeben mit Magnituden von mehr als 7 aus.

    Quelle: U.S. Geological Survey, Innenministerium der USA für Kartografie

  • Welchen Schaden hat das Beben angerichtet?

    Laut der Nepalesischen Regierung starben rund 8.800 Menschen an den Folgen der Beben, rund 22.300 wurden verletzt. Am schlimmsten betroffen sind die Bewohner in Kathmandu und im Kathmandutal. Mehr als 500.000 Häuser wurden zerstört, jahrhundertealte Tempel sind eingestürzt, zahlreiche Straßen sind unpassierbar.

    Quelle: Welthungerhilfe

  • Welche Rolle spielt Deutschland?

    Unmittelbar nach den schweren Erdbeben stellte die Bundesregierung fünf Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung. Deutschland hat zusätzliche 30 Millionen Euro für kurz- und langfristige Wiederaufbaumaßnahmen zugesagt. Mit dem Geld sollen Schutzräume und Übergangswohnungen zur Verfügung gestellt werden, außerdem sollen medizinische Versorgung und Infrastruktur wieder aufgebaut werden.

    Quelle: Deutsche Botschaft, Kathmandu

  • Welche Folgen hat das beben für die Menschen in Nepal?

    In ganz Nepal sind rund acht Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, davon allein knapp drei Millionen auf die Unterstützung mit Nahrungsmitteln. Die Ernährungssituation der Menschen wird auch weiterhin schwierig bleiben, denn im Juni hätte eigentlich die nächste Aussaat begonnen.

    Quelle: Welthungerhilfe

  • Was wurde aus den Spendengeldern?

    Die Regierung in Nepal hat bis Anfang September, also vier Monate nach der Erdbebenkatastrophe noch nichts von den Milliardenhilfen abgerufen. Der Staat habe noch keine konkreten Pläne für die Verwendung der weltweit zugesagten 4,1 Milliarden Dollar. Der Grund seien Verzögerungen in der Verwaltung. Zudem habe die Regierung den Fehler gemacht, sich auf eine Verfassungsänderung zu konzentrieren statt auf den Wiederaufbau.

    Quelle: Nationales Amt für Wiederaufbau, Nepal

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Straße der Achttausender (1)

Vom Nanga Parbat nach China

09.10.2017 13:15 Uhr

Die Route der 14 höchsten Berge der Welt zu bereisen, ist nicht einfach - aber lohnenswert. Der erste Teil der Tour beginnt auf dem Karakorum Highway in Pakistan.ja k mehr

 

Autor/in
Hajo Bergmann
Kamera
Rüdiger Kortz
Schnitt
Heike Müller
Komponist/in
Matthias Ruckdäschel
Ton
Stefan Höfler
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktion
Ralf Quibeldey
Timo Großpietsch