Stand: 25.09.2015 13:19 Uhr

Wochenserie: Landwirtschaft im Umbruch

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Diese Woche dreht sich unsere Serie um das Thema "Landwirtschaft im Umbruch".

Ein NDR Thementag in dieser Woche drehte sich rund um "Landwirtschaft und Ernährung". Die NDR Radioprogramme und das NDR Fernsehen berichteten, und wir haben diesen Tag zum Anlass für eine ganze Wochenserie genommen. Dabei geht es unter anderem darum, um welche Positionen in der Landwirtschaft derzeit so erbittert gestritten wird. Außerdem blicken wir auf die Probleme der Biomilchwirtschaft, auf die Apfel- und Zuckerrübenernte und auf ein in der Landwirtschaft gängiges Pflanzenschutzmittel, das möglicherweise seine Zulassung verliert.

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Der Biomilchbauer

24.09.2015 19:30 Uhr
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Der Streit um die Agrarwende

21.09.2015 19:30 Uhr

Der Streit um die Agrarwende

Am vergangenen Freitag protestierten rund 4.000 Landwirte gegen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Ihre Kritik war deutlich formuliert: Die Agrarwende gefährde ihre Existenz, und Minister Meyer diffamiere obendrein den Berufsstand. "Hier ist ein ganzer Berufsstand, der vorgeführt wird", sagt Werner Hilse, der Präsident des Landvolks. Dessen Motto lautet: Wieso etwas ändern, was doch gut läuft. Minister Meyer sieht das anders: "Wenn es dann heißt, wir als Landesregierung würden die Bauern pauschal diffamiere oder Bauern als Tierquäler bezeichnen - das ist falsch", sagt er. Er wolle vermitteln - zwischen den Landwirten und den Verbrauchern. Die, meint Meyer, habe er nämlich hinter sich. Und tatsächlich - eine Umfrage im Auftrag des NDR zeigt: Meyers Ziele haben Rückhalt bei den Bürgern. 58 Prozent der Niedersachsen ist es demnach wichtig oder sehr wichtig, dass Obst und Gemüse aus biologischem Anbau stammen. 88 Prozent der Verbraucher sind laut Umfrage auch bereit, für Fleisch mehr zu zahlen, wenn tiergerechtere Haltungsbedingungen garantiert werden.

Die Rübenernte

An diesem Dienstag hat die Rübenkampagne begonnen. Die Rübenbauern müssen sich auf den Wegfall der "Rübenquote" vorbereiten und effektiver ernten. Das zeigt sich auch an den modernen Maschinen, die mithilfe des Rübenbauern-Verbandes so eingestellt werden, dass wirklich jede Rübe "mitgenommen" wird. Die Ernte läuft im 24-Stunden-Betrieb ab, und wir begleiten die Bauern in dieser Folge unserer Wochenserie bei ihrer Arbeit.

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat

Ein Thema, das vor allem die konventionellen Landwirte beschäftigt, ist das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Auf bis zu 40 Prozent der Ackerflächen in Deutschland wird es eingesetzt, um unerwünschte Pflanzen zu vernichten oder die Reifung von Getreiden zu beschleunigen. Noch in diesem Jahr läuft die aktuelle Zulassung für Glyphosat aus, und es muss über eine Verlängerung entschieden werden. Weil aber seit einigen Monaten der Verdacht im Raum steht, dass das Mittel krebserregend sein könnte, prüft die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit derzeit, ob es vom Markt genommen werden sollte. Auch Landwirtschafts- und Umweltminister sehen eine erneute Zulassung kritisch. Experten schätzen allerdings, dass ein Verbot von Glyphosat einen Ernteausfall von rund 30 Prozent bedeuten würde. Wir treffen Landwirt Wilfried Henties aus Peine, der sich gegen ein Verbot wehrt und sagt: "Eine korrekt angewendete Menge ist ungefährlich". Und wir treffen Öko-Landwirt Friedrich Wilhelm Hansmann, für den der Einsatz von Glyphosat überhaupt nicht notwendig ist.

Die Milchbauern

Die Milchquote ist im Zuge der EU-Agrarreform zum 1. April abgeschafft worden, seitdem drückt ein Überangebot den Preis. Gleichzeitig bringt auch noch Russlands Einfuhrverbot die konventionellen Milchbauern in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Anders ist die Lage bei Milchbauern, die Bio-Milch produzieren, hier ist der Preis stabil. Doch auch Biobauern müssen immer neue Wege finden, um dauerhaft wirtschaftlich zu arbeiten. Wir besuchen im Wendland den Hof von Bio-Milchbauer Heinrich Pothmer, der sich mit 27 anderen Bio-Milchbauern aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammengeschlossen hat. Seit Ende August betreiben sie eine eigene Molkerei und bestimmen seitdem selbst, was produziert wird. Heinrich Pothmer hofft, dass möglichst viele konventionellen Kollegen auf Bio umsteigen, denn im Moment können die Bio-Milchbauern gar nicht so viel produzieren, wie gekauft wird.

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