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Heinz Sielmann - Biografie

Kindheit und Schulzeit

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Heinz Sielmann widmete den überwiegenden Teil sein Lebens den Tierfilmen.

2. Juni 1917: Geburt Heinz Sielmanns in Rheydt bei Möchengladbach 1924. Umzug der Familie aus dem rheinischen Rheydt in die ostpreußische Heimat des Vaters nach Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Schon als Schüler begeisterte sich Sielmann für Tierbeobachtungen. Als 18-Jähriger hielt Sielmann im Zoologischen Institut von Königsberg seinen ersten naturwissenschaftlichen Vortrag. Nach dem Abitur studierte er neun Semester Biologie. Mit 21 Jahren dreht er seinen ersten Tierfilm.

Schaffen und Wirken des Tierfilmers

  • 1938: erster Tierfilm "Vögel über Haff und Wiesen"
  • 1944: Ornithologischer Forschungsauftrag auf der Insel Kreta und somit vom Militärdienst freigestellt
  • 1947 bis 1958: Regisseur und Kameramann beim "Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht"
  • 1951: Heirat mit Inge Witt, Assistentin beim Schulfunk in Hamburg
  • In den 50er Jahren entstehen in Zusammenarbeit mit den Verhaltensforschern Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt Tiermonographien über das Eichhörnchen, den Iltis, den Frosch und andere
  • 1954: Das Filmwerk "Die Zimmerleute des Waldes" über Spechte enthält aufsehenerregende Bilder aus dem Innern einer Baumhöhle. Sielmann hatte den Baum aufgesägt und, von den Vögeln unbemerkt, mit einer Glasplatte versehen.
  • Im Fernsehen der BBC ist Sielmann in der Reihe "Peter Scott stellt seine Freunde vor" zu sehen. Scott war Mitbegründer des World Wildlife Fund (WWF).
  • Seit 1954 kaufte die BBC alle Filme von Sielmann auf. Viele von ihnen wurden ausgezeichnet.
  • 1957 entstand im Auftrag des belgischen Königshauses im Kongo sein Kino-Film "Herrscher des Urwalds", der in 27 Sprachen synchronisiert wurde und ihm unter anderem einen Preis bei den Filmfestspielen in Moskau eintrug.
  • 1960: Start der Fernsehserie "Expeditionen ins Tierreich", die er bis 1991 für das Erste Deutsche Fernsehen schrieb und moderierte. Insgesamt entstanden über 170 Fernsehfilme. In diese Sendung nahm Sielmann auch Tierfilme von Amateuren auf, die sich mit Geduld und Aufmerksamkeit einem bestimmten Thema widmeten.
  • 1960: Film über die Tierwelt der Galapagos-Inseln
  • Seit 1960 ist Sielmann selbständiger Produzent von Fernseh- und Unterrichtsfilmen.
  • 1972: Gründung der "Gruppe Ökologie" gemeinsam mit Horst Stern, Konrad Lorenz, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Otto Koenig, Paul Leyhausen, Bernhard Grzimek, sowie mit Forstwirtschaftlern, Naturschützern und Journalisten, um gegen einen "Fortschritt von der Natur weg" zu protestieren.
  • August 1978: Sein einziger Sohn Stephan, der begonnen hatte, in die Fußtapfen seines Vaters zu treten, stirbt in Nairobi an den Folgen einer schweren Kopfverletzung.
  • Seit 1982 dreht Sielmann Filme über die letzten Tierparadiese in Deutschland. Dabei geht es um die Problematik der Zerstörung unserer natürlichen Umwelt.
  • 1989: Im Zuge der deutschen Vereinigung plädiert Sielmann dafür, das sich an der bisherigen innerdeutschen Grenze ausdehnende, zum Refugium für viele Pflanzen- und Tierarten gewordene, Niemandsland in einen Nationalpark zu verwandeln, der sich von der Ostsee bis zum Thüringer Wald erstrecken könnte.
  • Herbst 1991: Mit einer neue Sendereihe "Sielmann 2000" beim Privatsender RTLplus will er die Zuschauer für die dringlichsten ökologischen Probleme sensibilisieren. Neue Filmaufnahmen in aller Welt, konterkariert mit Material aus den zurückliegenden 50 Jahren, sollen drastisch vor Augen führen, welchen ungeheuren Veränderungen die Natur in dieser vergleichsweise kurzen Zeitspanne unterworfen wurde. Die Arbeit bei RTLplus wurde für den Tierforscher zur Entäuschung: Weil die Herstellungskosten im Verhältnis zu den Einschaltquoten zu hoch waren, konnten von den geplanten 13 Folgen nur zehn realisiert werden. Die ARD nahm Sielmanns Engagement bei der privaten Konkurrenz zum Anlass, sich von ihm nach 35-jähriger Zusammenarbeit zu trennen.
  • 1993: Zusammen mit dem WWF produziert Sielmann die Naturreihe "Der Heinz-Sielmann-Report" für SAT.1, erste Folge: "Sind die Alpen noch zu retten?".
  • 1994 entstehen in der gleichen Reihe zwei Sendungen zum Thema Jagd: "Jagd als Naturschutz - Im Wald und im Gebirge" und "Jagd und Naturschutz - In Feld und Flur". Hierin verteidigt Sielmann die arterhaltende Funktion der häufig unter öffentlichen Beschuss geratenden Jäger.
  • 1994: Sielmann wird von der Süddeutschen Zeitung vom 5. September 1994 als "Fossil des Naturfilms" bezeichnet.
  • Im gleichen Jahr wird er zum Honorarprofessor der Ludwig-Maximilians-Universität München ernannt.
  • 1995 präsentiert der unermüdliche Tierfreund, unter dessen Namen im Jahr zuvor eine Stiftung gegründet worden war, seine Autobiographie "Mein Leben".
  • Dezember 2002: Heinz Sielmann erwirbt über seine Stiftung große Teile des Naturschutzgebietes Groß Schauener Seenkette bei Storkow (Landkreis Oder-Spree). Das 955 Hektar große Gebiet soll den Lebensraum für bedrohte Tierarten wie den Seeadler erhalten.
  • 2003: Eröffnung der Ausstellung über Heinz Sielmanns Lebenswerk im neuen Natur-Erlebnishaus auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt.

Bis ins Jahr 2006 hatte sich Heinz Sielmann für die Aktivitäten der Heinz Sielmann Stiftung engagiert. Dazu gehörten die Initiierung und Unterstützung von Biotop- und Artenschutzmaßnahmen in Deutschland und im europäischen Ausland. Ein ausschlaggebender Teil der Stiftungs-Arbeit besteht noch immer im Flächenerwerb in Brandenburg, etwa Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, Sielmanns Naaturlandschaft Groß Schauener Seen, Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Ähnliche Projekte gibt es aber auch in Bayern, desweiteren Vogelschutzprojekte in Russland (Rybatschi) und Süditalien, das Natur-Erlebniszentrum Gut Herbigshagen und viele mehr.

Am 6. Oktober ist Heinz Sielmann im Alter von 89 Jahren gestorben.

Werke - Veröffentlichungen:

  • 1970: "Lockende Wildnis"
  • 1971: "Mein Weg zu den Tieren"
  • 1980: "Expeditionen ins Tierreich"
  • 1980: "Das Abenteuer, Tiere zu retten" (mit P. Baumann u. a.)
  • 1981: "Knaurs Tierleben in Fluß und Strom" (Hrsg.)
  • 1986: "Die stille Jagd mit der Kamera"
  • 1991: "Mit Heinz Sielmann im Zoo" (mit M. Kluger)
  • 1991: "Sielmanns Tierwelt" (Hrsg.; Zeitschrift)
  • 1995: "Mein Leben" (Autobiographie)

Werke - Filme:

  • 1938: "Vögel über Haff und Wiesen"
  • 1952: " Im Hamsterrevier"
  • 1954: "Zimmerleute des Waldes" in Zusammenarbeit mit dem NDR
  • 1957: "Herrscher des Urwalds"
  • 1960: "Das Jahr der Störche", "Galapagos"
  • 1988: "Lockende Wildnis", "Tiere im Schatten der Grenze",
  • bis 1991: über 170 Folgen "Expeditionen ins Tierreich" in der ARD
  • 1991/92 10 Folgen "Sielmann 2000 - Rückkehr in die Zukunft" bei RTLplus
  • 1993: "Der Heinz-Sielmann-Report" auf SAT. 1
  • 1996: 4 Folgen "Sielmanns Abenteuer Natur"
  • 2003: "Galapagos", DVD und VHS
  • 2004: verschiedene DVD und VHS

Preise und Auszeichnungen:

  • Seit 1954 fünf Bundesfilmpreise
  • 1962: Filmband in Gold, Silberner Bär, Bundesfilmpreis für den Film "Galapagos - Trauminseln im Pazifik"
  • 1975: Goldener Bildschirm der Zeitschrift "TV Hören und Sehen"
  • 1977: Goldene Blume der Stadt Rheydt
  • 1977: Preis für Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Jagdschutzverbandes
  • 1983: Goldene Kamera der Zeitschrift HÖRZU
  • 1983: Bambi
  • 1987: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 1988: Fritz-Steiniger-Preis der Gesellschaft Deutscher Tierfotographen
  • 1990: Bambi
  • 1993: Hamburger Preis für Jagdpolitik
  • 1993: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 1993: WWF-Orden "Goldene Arche"
  • 20. August 1997: Großes Verdienstkreuz mit Stern
  • September 2001: Sielmann erhält den erstmals verliehenen Görlitzer Meridian Naturfilmpreis
  • 16. September 2001: Tierforscher und Tierfilmpionier Prof. Heinz Sielmann erhält die Urania-Medaille
  • 2002: "München leuchtet"-Preis
  • 2002: "Mutmacher"-Preis des Vereins Mensch-Umwelt-Tier
  • 2002: Ehrenpreis beim 1. Deutschen Naturfilm-Festival im Bayerischen Wald
  • 2003: Bayerische Umweltmedaille, München
  • 2004: Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens
  • 2004: B.A.U.M. Umweltpreis
  • 2005: "Roter-Adler-Orden", Verdienstorden des Landes Brandenburg
  • 2005: "Ehrenpreis Lebensleistung", Umweltpreis 2005 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (BDU)
  • 2006: Verleihung des Steiger Award

Berufsbezeichnungen für Heinz Sielmann:

  • Deutscher Tierfilmer
  • Verhaltensforscher
  • Verhaltensbiologe
  • Psychobiologe
  • Autor
  • Publizist
  • Essayist
  • Filmproduzent
  • Filmmanager
  • Fernsehproduzent

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