50 Jahre Expeditionen ins Tierreich!
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Manati mit Kamerafrau Christina Karliczek.
Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Der seichte Flusslauf schlängelt sich durch einen Dschungel aus Palmen und Bäumen, an denen Moose in der Luft hängen. Silberreiher und Pelikane jagen nach Fischen. Geier beäugen den einsamen Ruderer, der da mit einer großen Kamera im Bug des kleinen Bootes den Fluss entlang gleitet. Der Unterwasserfilmer Thomas Behrend ist auf der Suche nach den ersten Manatis des Jahres. Langsam sinken die Temperaturen, das sollte die Seekühe hinauf zu den Quellen locken.
Das Idyll trügt, wie so oft. In der Ferne hört Behrend den Highway, regelmäßig überholen ihn Motorboote und Airboats. Selbst in die letzten Flecken Natur der USA dringt die Zivilisation vor. Täglich ziehen mehrere hundert Menschen aus den nördlichen Staaten nach Florida, vor allem um sich hier zur Ruhe zu setzen. Die Siedlungen wachsen, der Verkehr nimmt zu, auch hier auf dem Wasser. Behrend sucht die Oberfläche ab. Zeigt sich irgendwo die Spur eines Manatis?
Thomas Behrend und sein Team auf der Suche nach den Manatis.
Die Sanftmut der Meerjungfrauen
Neben dem Boot prustet es vernehmlich. Ein Manati holt Luft, nur seine beiden Nasenlöcher schauen aus dem Wasser. Endlich. Behrend greift zur Kamera. Das Tier ist neugierig. Als der Kameramann die Hand ins Wasser hält, schnuppert es daran, überraschend für ein Wildtier. Sofort verliert der gestandene Filmer sein Herz an die Seekuh, „das ist ja so rührend, ich kann gut verstehen, weshalb Seeleute diese Tiere in ihren Erzählungen zu Meerjungfrauen machten. So viel Freundlichkeit tut richtig gut.“
Der Manati hat ein paar Narben auf dem Rücken. Sie stammen von Bootsschrauben. Vielen anderen Seekühen, die Behrend diesen Winter sieht, ist es ähnlich ergangen. Von den führenden Wissenschaftlern Cathy Beck und Bob Bonde erfährt Behrend, dass manches Tier in seinem Leben um die zwanzig Zusammenstöße mit Booten erlebt. Die Tiere sind zu langsam, um ausweichen zu können, und die Freizeitkapitäne sind oft zu schnell unterwegs. Im Schutzgebiet Crystal River gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen und Schutzzonen. Immerhin hier werden mittlerweile deutlich weniger Tiere verletzt.
Schutz für dünnhäutige Dickhäuter
Dieses Jahr ist der Winter außergewöhnlich hart. Innerhalb eines Monats sterben in Florida mehr Manatis, als sonst im ganzen Jahr. Erste Anzeichen für Kälteschäden sind oft weiße Flecken auf der Haut.
Die Wissenschaftler haben in der Nähe ein so geschwächtes Tier entdeckt. Strömender Regen hat das warme Wasser der Quellen abgekühlt. Bevor das Tier stirbt, wollen sie es retten und in eine der drei Manati-Kliniken Floridas bringen. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Werden sie das Tier noch rechtzeitig ins warme Krankenhausbecken bringen können?
Ein Film mit Thomas Behrend, Buch und Regie: Heiko De Groot, Kamera: Christina Karliczek, Thomas Behrend, Tobias Kaufmann