Rettet die Flüchtlinge!

Mit der "Sea-Watch" auf hoher See

Freitag, 18. September 2015, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 19. September 2015, 08:30 bis 09:00 Uhr

Bootsmann Sven Kempe und Skipper Dirk Scholz halten Ausschau nach Flüchtlingsbooten © NDR.de Fotograf: Carolin Fromm

bei Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Dirk Scholz ist ein Seebär: kleiner Bauch, graues Haar, Stoppelbart. Seit seinem fünften Lebensjahr segelt er auf hoher See. Auch zu seiner Arbeit in einem Landschulheim auf Wangerooge tuckert der 51-Jährige am liebsten über die Nordsee. Doch im vergangenen September kentert er in seiner Jolle vor der ostfriesischen Insel. Während er hilflos im Wasser treibt, schließt er mit dem Leben ab. Doch die Seenotretter finden ihn und ziehen ihn aus dem kalten Meer. "Wenn ich sehe, wie Hunderte Menschen im Mittelmeer in derselben Situation sind wie ich damals und sich niemand um sie kümmert, hört für mich jede Diskussion auf."

Flüchtlinge suchen auf dem Mittelmeer

Scholz will nicht mehr nur Reden schwingen, sondern etwas tun. Deswegen hat er als Kapitän auf der "Sea-Watch" angeheuert. Eine Gruppe von Freunden hat die Initiative gegründet und ein 100 Jahre altes Schiff in den Niederlanden gekauft. Seit Juni ist es im Einsatz. Vom Heimathafen Lampedusa aus bricht alle zwei Wochen eine neue Mannschaft von Freiwilligen in Richtung libysche Küste auf. Dort suchen sie Flüchtlingsboote und retten die Schiffbrüchigen aus Seenot.

Was sie vor der libyschen Küste erwartet, wissen sie nicht

Mit Scholz gehen Anfang August auch Ärzte, ein Nautiker und Techniker an Bord der "Sea-Watch". Die acht Freiwilligen haben noch nie miteinander gearbeitet, aber sie sind geeint in dem Willen nicht mehr tatenlos zuzusehen, wie Menschen ertrinken. Mit Rettungsinseln, Schwimmwesten und Wasser will die Crew die Flüchtlinge auf den Schlauchbooten so lange unterstützen, bis größere Schiffe eintreffen, die die Schiffbrüchigen an Land bringen können. Es ist der verzweifelte Versuch engagierter Privatpersonen, dem Massensterben im Mittelmeer etwas entgegenzusetzen. Was Scholz und seine Mannschaft vor der libyschen Küste erwartet, wissen sie nicht. Nur das: Ihre Vorgänger haben fast 700 Menschen von schlappen Schlauchbooten gerettet. Und auch für Scholz wird es ein Trip werden, den er nicht vergessen wird.

Auf hoher See mit der "Sea-Watch"

Hintergrund
Multimedia-Doku

Mit der "Sea-Watch" auf Rettungsmission

Die "Sea-Watch" rettet Flüchtlinge im Mittelmeer. Früher war sie ein Fischkutter, heute ist sie ein politisches Symbol. Autorinnen des NDR waren mit der vierten Crew an Bord. mehr

"Sea-Watch": Einsatz nach Defekt abgebrochen

Das in Hamburg umgebaute Flüchtlingsrettungsboot "Sea-Watch" ist mit einem Getriebeschaden in den Hafen von Lampedusa zurückgekehrt. Doch die Crew lässt sich nicht erschüttern. (14.08.2015) mehr

Bisher mehr als 2.700 Menschen im Mittelmeer ertrunken

Fast täglich versuchen Menschen über das Mittelmeer Richtung Europa zu flüchten. Mehr als 2.700 Menschen sind dabei in diesem Jahr laut Internationaler Organisation für Migration schon ums Leben gekommen.

Carolin Fromm und Johanna Leuschen begleiten Dirk Scholz und seine Crew auf ihrer Mission. Die Filmemacherinnen der NDR Reportage müssen dabei auch selbst mit anpacken: Wache schieben, Flüchtlingsboote suchen und das Deck klarmachen. Allen Beteiligten ist klar: Bei diesem Einsatz kann es auch um Leben und Tod gehen.

Autor/in
Carolin Fromm
Johanna Leuschen
Schnitt
Carolin Fromm
Johanna Leuschen
Sprecher/in
Nina West
Redaktion
Kuno Haberbusch
Achim Streit, SWR
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke

Mehr zum Thema

"Sea-Watch" rettet 80 Flüchtlinge

Der in Hamburg umgebaute Kutter "Sea-Watch" hat vor der libyschen Küste nach eigenen Angaben die ersten Flüchtlinge gerettet. Ein Schlauchboot mit Kindern an Bord war in Seenot geraten. (08.07.2015) mehr