Die Türsteher vom Hamburger Kiez

Freitag, 18. März 2016, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 19. März 2016, 08:30 bis 09:00 Uhr

Eine Gruppe Feiernder steht vor den Türstehern der Olivia-Jones-Bar in Hamburg.

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"Wenn ich weiß, dass Dennis hinter mir steht, ist mir scheißegal, wer vor mir steht", sagt Türsteher Ralf Kindtner. Wenn er und sein Kumpel Dennis Schmidt ihren Job machen, steht da quasi eine große Wand, an der keiner so schnell vorbeikommt.

Beide arbeiten seit fünf Jahren als Türsteher für die Olivia Jones Bar in der Großen Freiheit in Hamburg. Dennis und Ralf sind das Gegenteil von prolligen Türstehern. Sie versuchen mit Humor und sozialer Kompetenz, alkoholisierten und aggressiven Gästen zu begegnen. "Sie sind die Visitenkarte meiner Bar", sagt auch Dragqueen Olivia Jones.

Kriminalität auf dem Kiez

  • St. Pauli ist mit Abstand der Hamburger Stadtteil, in dem die meisten Straftaten verübt werden: Im vergangenen Jahr gab es dort 21.666 Delikte.
  • In den anderen Stadtteilen - ausgenommen St. Georg - liegt die Zahl der Straftaten im Schnitt zwischen ein paar Hundert und wenigen Tausend.
  • Die Zahl der Straftaten im Kiez-Stadtteil geht aber in der Tendenz zurück: von 2014 auf 2015 um 8,9 Prozent.
  • Nur gut jede dritte Tat, die auf St. Pauli verübt wurde, kann von der Polizei aufgeklärt werden.

(Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2015, Hamburg)

Kein Verbot für Südländer

"In dem Job musst du Eier zeigen und darfst keine Angst haben", sagt Ralf Kindter, der auf der Großen Freiheit nur "Kitte" gerufen wird. Der 44-Jährige hat schon so manche Messerstecherei auf dem Kiez miterlebt.  

Hauptberuflich ist "Kitte" Grafikdesigner für eine Motorradzeitschrift. Sein Nebenjob auf dem Hamburger Kiez mache ihm einfach nur Spaß, erzählt er. Ihn ärgert, dass er als Türsteher oftmals in die rechte Ecke gedrängt wird. An der Olivia Jones Bar gebe es kein Einlass-Verbot für Südländer, beteuert er. Grundsätzlich habe jeder eine Chance, von ihm reingelassen zu werden. So sei die Türpolitik.

Schreckliche Ereignisse an Silvester

"Kitte" arbeitete auch in der Silvesternacht in der Großen Freiheit. Flirten und Grabschen habe es auf dem Kiez schon immer gegeben, sagt er. Was sich aber Silvester ereignet habe, das habe auch er noch nie erlebt. Junge Frauen suchten nach sexuellen Übergriffen bei ihm an der Tür Schutz. "Gefühlt waren da 80 Prozent Männer auf der Großen Freiheit und kein gemischtes Publikum, wie sonst üblich."

Harter Job unter Feiernden

"Kitte", Dennis und die anderen Türsteher in der Großen Freiheit sind seitdem noch wachsamer und halten noch mehr zusammen. Sie tragen jetzt auch eine blaue Armbinde, damit sie jeder Besucher sofort als Türsteher und Sicherheitsmann erkennen kann.

Hauptberuflich Suchtberater

Für so manch einen Polizisten seien die Türsteher allerdings schwarze Schafe, meint Dennis. Der 41-Jährige verdient sein Geld hauptberuflich als betrieblicher Sucht- und Sozialberater bei Hamburg Wasser. Er kennt den Kiez als Türsteher schon seit 17 Jahren.

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Die beiden Jobs zusammen schlauchen ihn sehr - tagsüber Sozialberater, abends und vor allem an den Wochenenden Türsteher auf dem Kiez. Dennis zieht diese Doppelbelastung nicht ganz freiwillig durch. Er mache das auch, um Schulden abzubauen, gibt er ehrlich zu.

Die NDR Reportage taucht ein in die schillernde Welt der Großen Freiheit mit ihren Türstehern, Dragqueens und Barbesitzern. Wie gehen Dennis und "Kitte" mit den aktuellen Problemen auf dem Kiez um? Wie funktioniert überhaupt diese Türsteher-Szene? Autor Stefan Weiße und sein Team haben echte Typen kennengelernt und einen spannenden Blick hinter die Kulissen geworfen.  

Redaktion
Julia Saldenholz
Autor/in
Stefan Weiße
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Redaktion
Haberbusch, Kuno

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