die nordstory - Zwischen Rost und Reichtum

Der Traum von besseren Gutshöfen

Dienstag, 10. Oktober 2017, 15:00 bis 16:00 Uhr

Auf der Suche nach Geschichte: Durchstöbern des Herrenhaus-Dachbodens. © NDR, honorarfrei

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Ihre Häuser haben Raubritter, Adlige oder Verwandte eines Königs bauen lassen. Die Eigentümer wollten zeigen, dass sie reich sind. Oft hatten sie mehr als 100 Angestellte. Manchmal gehörten 30 Gebäude zum Hof. Und was ist heute mit diesen Gutshöfen? Die größte Schwierigkeit ist es, alles zu erhalten: die vielen alten Scheunen, Ställe, Arbeiterwohnungen, die gar nicht mehr gebraucht werden, das oft unpraktische, große, denkmalgeschützte Herrenhaus. Der Film zeigt anhand dreier schleswig-holsteinischer Gutshöfe, wie viel Mühe und Geld es kostet, ein herrschaftliches Gut zu erhalten, und mit welchen Ideen die Besitzer ihre Höfe bewirtschaften.

Gut Weissenhaus wurde ein Luxushotel

Bernd Speth ist auf Gut Weissenhaus in Ostholstein aufgewachsen. Sein Vater war Gärtner beim Vorbesitzer, dem alten Grafen. Bernd musste schon als Kind der Gräfin mit Verbeugungen Blumen bringen. Er lebt noch immer hier. Inzwischen ist er selbst der Gärtner des Gutshofes, aber alles ist anders. Der Hof heißt jetzt Weissenhaus Grand Village Spa Resorts. Ein Multimillionär macht das ganze Dorf zu einem riesigen Luxushotel. Kosten: 70 Millionen Euro. Gärtner Bernd Speth fragt sich manchmal, was wohl mit der Seele vom alten Gut Weissenhaus passieren wird. Jetzt werden dort Gäste beherbergt, die Ruhe wollen, wenn er Rasen mäht. Der Besitzer sagt, Bernd Speth sei für ihn wichtig, auch als Verbindung zur Geschichte der Vergangenheit. Bei der Eröffnung des Objektes soll der Gärtner durch sein altes, neues Heimatdorf Gäste führen.

Drei verschiedene Wege ein Erbe zu bewahren

Gut Ludwigsburg bei Eckernförde sieht aus wie ein Wasserschloss. Das Schloss hat eine weltberühmte Gemäldekammer und einen "Hausgeist". Aber dort lebt kein Prinz mehr, sondern ein Landwirt. Die 108 Fenster des großen Hauses putzt er zusammen mit ein paar Helfern selbst. Alles andere wäre zu teuer. Früher einmal gehörten große Ländereien zum Gut. Diese wurden von den Vorbesitzern längst verkauft. Die heutigen Eigentümer, Kurt-Jürgen Carl und seine Familie, kommen mit Pferdezucht und Tannenbaumkultivierung, Ackerbau, Feriengästen, Hofcafé und dem Einkommen der Ehefrau ganz gut über die Runden. Der Landwirt liebt seinen Beruf und sein Zuhause. Dann aber tobt ein Orkan und überall sind Löcher in den Dächern. Manchmal denkt der Gutsbesitzer, es wäre besser, ohne all die alten Mauern leben zu können.

Gut Bossee wird bald in sechster Generation übernommen

Vicco von Bülow ist mit 18 Jahren ein ganz normaler Jugendlicher. Allerdings wusste er schon als kleiner Junge, dass er einmal Gut Bossee bei Kiel übernehmen wird, als Gutsherr in sechster Generation. Viccos Vater bringt ihm gerade langsam bei, was es bedeutet, ein Gutsbesitzer zu sein. Wurzeln schlagen, nennt er das, denn die meiste Zeit seines Lebens hat der Sohn gar nicht hier gelebt. Gerade macht er sein Abitur auf einem Internat in Schottland. Wenn er in den Ferien zu Hause ist, fragt er seinen Großvater nach der Geschichte des Hofes aus. Mit einem Freund durchstöbert er den Dachboden des alten Herrenhauses. In jeder Kammer finden sich Vergangenheit und Tradition. Das ist viel Arbeit und auch eine ganze Menge Verantwortung, das beginnt Vicco jetzt zu ahnen. Drei Gutshöfe, drei verschiedene Wege, das Erbe zu bewahren und die Zukunft zu gestalten.

Autor/in
Dörte Nielsen
Produktionsleiter/in
Petra Nowack
Redaktion
Katrin Glenz
Andrea Jedich