die nordstory

die nordstory - Elbe und Alster vor der Tür - Leben in hanseatischen Herrenhäusern

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 15:00 bis 16:00 Uhr

Godeffroy-Haus © © NDR/Jan Peter Gehrckens, honorarfrei

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Ina Rump verziert gerade die Hochzeitstorte für Marcel und Susanne Steffen mit ein paar Erdbeeren extra: Das Paar hat sich zur Feier ihres Jawortes eine märchenhafte Kulisse ausgewählt, das Bergedorfer Schloss. Es ist das einzige Schloss auf Hamburger Stadtgebiet. Es war Susannes Traum, die Hochzeit in Weiß in diesem Schloss. In Bergedorf aufgewachsen, kennt sie das Schloss von Kindesbeinen an. Ina Rump betreibt das Schlosscafé. Im klassischen Heiratsmonat Mai hat sie alle Hände voll zu tun. Praktischerweise vollzieht das Standesamt die Trauung gleich in dem ehrwürdigen Gemäuer, dessen älteste Teile aus dem 14. Jahrhundert stammen.

Im republikanischen Hamburg mit seinen selbstbewussten Bürgern finden sich im Stadtzentrum Rathaus und Börse, aber eben kein herrschaftliches Schloss. Die Fürsten unter den hanseatischen Kaufleuten fanden dennoch ihren eigenen Weg, Reichtum und Macht auch architektonisch auszudrücken. Die Prachtbauten in den damaligen Vorstädten und an der Alster, die das erholsame Gegenstück zum Arbeitsplatz im städtischen Kontor bildeten, stehen den fürstlichen in kaum etwas nach.

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Das Jenisch Haus in seiner klassizistischen Schönheit und sein großzügiger Park gehören heute der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Familie Jenisch hat noch liebevoll ein Auge auf beider Pflege. In der Plangeschen Villa gleich an der Elbe kommen auch heute noch hanseatische Kaufleute zusammen, da sie den Business Club Hamburg beherbergt. Der Architekt Hubertus Korndörfer wurde in dem Herrenhaus 1919 geboren und ist heute das älteste Mitglied des Clubs. Er erinnert an die sorglosen Kindertage auf der Beletage mit Hafenblick.

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Das Godeffroy-Haus ist ein bauliches Schmuckstück von 1792.

Im Landhaus Godeffroy wird dem Tanz gefrönt. Die Lola Rogge Schule hat hier ihren Sitz. Die Tochter der Gründerin bewohnt das bauliche Schmuckstück von 1792. "Über 20 Jahre haben wir eine Unzahl von Nachttöpfen auf dem Dachboden aufgestellt, um das Wasser der lecken Stellen aufzufangen", erzählt Christiane Meyer-Rogge-Turner vom Alltag in dem Traumhaus und probt mit ihren Schülerinnen im Garten für die Jubiläumsveranstaltung. Seit 40 Jahren widmet sich die Schule jetzt im Hirschpark der tänzerischen Erziehung.

Im Herrenhaus Wohldorf, ganz am anderen Ende der Stadt, haben sich Bärbel und Günther Sawitsch ihren Lebenstraum erfüllt. Sie kauften das Haus aus dem 17. Jahrhundert, um das sich ein Burggraben zieht, und haben es zu ihrem ganz ureigenen Paradies gemacht. "Von außen wirkt es gewaltig, aber Raum für Tanz finden Sie drinnen nicht", erzählt der stolze Hausherr und gestattet Einblick in die Räumlichkeiten.

Bei den berühmten Häusern an der Alster wie der Slomanburg, die seinerzeit hier als erste ganzjährlich bewohnbare Residenz und - in kaufmännischer Nüchternheit gleich als preiswerter zu heizendes Doppelhaus - gebaut wurde, ist der Anblick zwar gestattet, der Einblick aber aus hanseatischer Diskretion unerwünscht. Ein paar Meter weiter tummeln sich Herren, die nur mit Schürzen bekleidet sind, im großzügig angelegten Garten. Das Budge Palais mit seiner bewegten Geschichte ist heute Sitz der Hochschule für Musik und Theater. Die Sopranistin Nora Friedrichs bereitet hier gerade ihre Abschlussprüfung vor. Sie weiß, dass das Haus an der Alster ein ideales Sprungbrett in die Höhen der internationalen Musikwelt ist.

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Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Jan Peter Gehrckens