die nordstory - Hamburgs Welterbe

Die Speicherstadt und das Chile-Haus

Montag, 09. Januar 2017, 14:45 bis 15:45 Uhr

Hamburger Speicherstadt

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Seit Juli 2015 trägt die Speicherstadt in Hamburg zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus den Titel UNESCO-Welterbe. Die Begründung der Jury: Die Stätte symbolisiere auf einzigartige Weise die Folgen des rasanten internationalen Handelswachstums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Rundgang durch Kontorhausviertel und Speicherstadt

Täglich erkunden tausende von Touristen die Speicherstadt

Täglich erkunden Tausende Touristen die neugotische Backsteinpracht zwischen Zollkanal und Hafencity zu Fuß oder mit dem Schiff, voller Bewunderung für die Gebäude. Ihre ursprüngliche Bestimmung als Warenlager hat die Speicherstadt jedoch längst verloren: Kaffee, Tee und Gewürze werden in Flächenlager auf die andere Seite der Elbe gebracht. Nur die Teppichhändler stapeln ihre Ware noch in den alten Speichern. Doch es werden immer weniger. Von ehemals 200 ist die Zahl der Firmen auf 50 geschrumpft.

Kultur Geschichte
mit Video

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Ein lebendiger Stadtteil soll entstehen

Musti Sherzada ist bei seinem Vater mit in den Betrieb eingestiegen. Wenn er die 10.000 wertvollen Orientteppiche in seinem Lager besieht, sagt der 36-Jährige: "Wir müssen schon hart dafür kämpfen, dass wir überleben." Damit die Speicherstadt aber kein Freiluftmuseum wird, hat die Hamburger Hafen und Logistik AG als Eigentümerin Klaus Hadaschik beauftragt, das Quartier in einen lebendigen Stadtteil für Geschäftsleute und Besucher weiterzuentwickeln. Die Schwierigkeit dabei: Treppen, Giebel, Zinnen, Spitzbögen müssen nach den Auflagen des Denkmalschutzes so bleiben wie sie sind. Das gilt auch für die Holzböden und die alten Fenster auf Flächen mit einer Gebäudetiefe bis zu 25 Meter.

Ein ständiger Balanceakt

Für Klaus Hadaschik ist das ein ständiger Balanceakt bei den Umbaumaßnahmen, einerseits Altes zu bewahren und andererseits Zukunft schaffen. Aber er ist hochmotiviert: "Der beste Denkmalschutz ist ein langfristig verlässlicher Gebrauch der betroffenen Gebäude." Von der 300.000 Quadratmeter großen Fläche wurde bisher ein Drittel umgebaut. In der Firma List und Beisler für Spezialitätenkaffee führt Qualitätsmanagerin Katharina de Vries jeden Tag mehrere Cup-Tastings durch. Wie früher, nur in neu gestalteten Räumen und in anderer Besetzung.

Temporäres Wohnen ist bereits auch möglich

Günther Looft stellt auf seinem Speicherboden Modeagenten aktuelle Kollektionen vor. Kreative Köpfe der Agentur BrawandRieken machen Kaffeebohnen-Casting für eine neue Werbung in einem Gebäude aus dem letzten Jahrhundert, in dem früher Schmuggelware zwischenlagerte. Künstlerin Lili Fischer lässt sich in ihrem Atelier von den Räumen für ihre Arbeit inspirieren. Bei einer Fotosession mit Thomas Hampe im Mottenkostüm auf dem Dach war sie kurz davor abzuheben. Christian Rusche betreibt als Einziger Warenlogistik im Kleinen. Mit seinem selbst gebauten Lastenfahrrad versorgt er die Leute in der Speicherstadt mit frischem Obst. Und sogar temporäres Wohnen ist seit Anfang des Jahres möglich: im ersten Hotel der Speicherstadt.

Aber das ist nur durch ein paar Tricks gelungen, denn die gesamte Speicherstadt ist sturmflutgefährdet. Wohnen ist dort eigentlich nicht erlaubt. Ein weiteres Drittel der Fläche wird eine neue Nutzung bekommen. Im Genuss Speicher zieht ein Kaffeemuseum ein. Im Erdgeschoss wird demnächst ein Kaffeeröster von 1923 täglich seinen Dienst tun. Vorausgesetzt, der Schornstein funktioniert, der extra für die Maschine durch sieben Böden im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes eingesetzt wird. Die Nutzung des letzten Drittel liegt noch in der Zukunft.

"Wir sind auf einem guten Weg"

Das Chilehaus im Kontorhausviertel, dessen Ostspitze wie der Bug eines Ozeanriesen hervorragt, galt in seiner expressionistischen Bauweise 1924 als architektonische Sensation. Bis heute hat es seine ursprüngliche Funktion als Bürogebäude. Doch seitdem Flo Peters mit ihrer Galerie für aktuelle Fotokunst dort eingezogen ist, wird dort nicht mehr nur gearbeitet, sondern auch gelebt. Die Kunstkennerin ist ausgesprochener Fan der "gehäkelten" Backsteinkunst und sorgt dafür, dass das Gebäude jetzt als Welterbestätte noch stärker ins architektonische Bewusstsein der Menschheit gerät.

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Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Katrin Spranger