die nordstory - Hamburgs Welterbe

Die Speicherstadt und das Chile-Haus

Freitag, 04. Dezember 2015, 20:15 bis 21:15 Uhr

Hamburger Speicherstadt

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Seit Juli steht die Speicherstadt mit dem Taj Mahal, den Pyramiden von Gizeh und dem Schloss von Versailles als Weltberühmtheit in der ersten Reihe: Zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chile-Haus trägt sie nun den Titel "Welterbe". Die Begründung der Jury: Die Stätte symbolisiere auf einzigartige Weise die Folgen des rasanten internationalen Handelswachstums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Rundgang durch Kontorhausviertel und Speicherstadt

Täglich erkunden tausende von Touristen die Speicherstadt

Täglich erkunden tausende Touristen die neugotische Backsteinpracht zwischen Zollkanal und Hafencity zu Fuß oder mit dem Schiff, voller Bewunderung für die Gebäude. Ihre ursprüngliche Bestimmung als Warenlager hat die Speicherstadt jedoch längst verloren: Kaffee, Tee und Gewürze werden in Flächenlager auf die andere Seite der Elbe gebracht. Nur die Teppichhändler stapeln ihre Ware noch in den alten Speichern. Doch es werden immer weniger. Von ehemals 200 ist die Zahl der Firmen auf 50 geschrumpft.

Kultur Geschichte
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Ein lebendiger Stadtteil soll entstehen

Der 36-jährige Musti Sherzada ist bei seinem Vater mit in den Betrieb eingestiegen. Wenn er die 10.000 wertvollen Orient-Teppiche in seinem Lager besieht, sagt der 36-Jährige: "Wir müssen schon hart dafür kämpfen, dass wir überleben." Damit die Speicherstadt aber kein Freiluftmuseum wird, hat die Hamburger Hafen und Logistik AG als Eigentümerin, Klaus Hadaschik beauftragt, das Quartier weiter zu entwickeln: in einen lebendigen Stadtteil für Geschäftsleute und Besucher. Die Schwierigkeit dabei: Treppen, Giebel, Zinnen, Spitzbögen müssen nach den Auflagen des Denkmalschutzes so bleiben wie sie sind. Ebenso die Holzböden, alte Fenster auf Flächen mit einer Gebäudetiefe bis zu 25 Meter.

Ein ständiger Balanceakt

Für Klaus Hadaschik ein ständiger Balanceakt bei den Umbaumaßnahmen einerseits Altes zu bewahren und andererseits Zukunft schaffen. Aber er ist hochmotiviert: "Der beste Denkmalschutz ist ein langfristig verlässlicher Gebrauch der betroffenen Gebäude." Von der 300.000 Quadratmeter großen Fläche wurde bisher 1/3 umgebaut. In der Firma List und Beissler für Spezialitätenkaffee führt Qualitätsmanagerin Katharina de Vries jeden Tag mehrere Cuptastings durch. Wie früher. Nur in neu gestalteten Räumen und in anderer Besetzung.

Temporäres Wohnen ist bereits auch möglich

Günther Looft stellt auf seinem Speicherboden Mode-Agenten aktuelle Kollektionen vor. Kreative Köpfe der Agentur BrawandRieken machen Kaffeebohnen-Casting für eine neue Werbung - in einem Gebäude aus dem letzten Jahrhundert, in dem früher Schmuggelware zwischenlagerte. Künstlerin Lili Fischer lässt sich in ihrem Atelier von den Räumen für ihre Arbeit inspirieren. Bei einer Fotosession mit Thomas Hampe im Mottenkostüm auf dem Dach war sie kurz davor abzuheben. Christian Rusche betreibt als einziger Warenlogistik im Kleinen: mit seinem selbstgebauten Lastenfahrrad versorgt die Speicherstadt mit frischem Obst. Und: Sogar temporäres Wohnen ist seit Anfang des Jahres möglich: in dem ersten Hotel der Speicherstadt.

Aber nur durch ein paar Tricks, denn die gesamte Speicherstadt ist sturmflutgefährdet und wohnen ist dort eigentlich nicht erlaubt. 1/3 der Fläche ist gerade dabei eine neue Nutzung zu bekommen. Im Genuss-Speicher zieht ein Kaffee-Museum ein. Im Erdgeschoss wird bald ein Kaffeeröster von 1923 täglich seinen Dienst tun. Vorausgesetzt, der Schornstein funktioniert, der extra für die Maschine durch sieben Böden im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes eingesetzt wird. 1/3 liegt noch in der Zukunft.

"Wir sind auf einem guten Weg"

Klaus Hadaschik: "Wir sind auf einem guten Weg." Das Chilehaus im Kontorhausviertel, dessen Ostspitze wie der Bug eines Ozeanriesen hervorragt und in seiner expressionistischen Bauweise 1924 als architektonische Sensation galt, hat bis heute seine ursprüngliche Funktion als Bürogebäude. Doch seitdem Flo Peters mit ihrer Galerie für aktuelle Fotokunst eingezogen ist, wird dort nicht mehr nur gearbeitet, sondern auch gelebt. Außerdem ist die Kunstkennerin ausgesprochener Fan der "gehäkelten" Backsteinkunst und sorgt dafür, dass das Gebäude jetzt als Welterbe-Stätte noch stärker ins architektonische Bewusstsein der Menschheit gerät.

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Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Katrin Spranger